Bundesliga

Das Meeting in Liverpool, das Mané sofort vom FC Bayern überzeugte

Der "Weltstar" stellt sich vor - und will angreifen

Das Meeting in Liverpool, das Mané sofort vom FC Bayern überzeugte

Sofort fasziniert von den Ideen des Trainers: Sadio Mané und Julian Nagelsmann.

Sofort fasziniert von den Ideen des Trainers: Sadio Mané und Julian Nagelsmann. IMAGO/Sven Simon

Er hatte sich gerade erst hingesetzt, da stand Sadio Mané auch schon wieder auf. Am Mittwochnachmittag, um kurz nach 16 Uhr, war der Senegalese - begleitet vom lauten Klicken der Kameras sowie den FCB-Oberen Herbert Hainer, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic - im Presseraum des FC Bayern in der Allianz-Arena erschienen. Und als er sah, wer sich vor ihn unten in die zweite Reihe gesetzt hatte, strahlte er noch breiter als er das dann sowieso für die weiteren rund 55 Minuten tat. Julian Nagelsmann winkte kurz und lachte eifrig zurück.

Eine Reaktion auf Bequemlichkeiten - gemeint sind vor allem Sané und Gnabry

Der FC Bayern hat seinen, wie er ihn selbst tauft, "Weltstar" bekommen. Mané soll nach sechs Jahren in Liverpool nun die Offensive der Münchner aufmischen, im wahrsten Sinne. Zu viele Bequemlichkeiten hätten sich im Laufe der letzten Monate eingeschlichen, daraus machte Vorstandschef Kahn keinen Hehl. Gemeint sind besonders Leroy Sané und Serge Gnabry, deren Leistungen im Jahr 2022 besonders abfielen.

Da kommt einer, der alles gewonnen hat und noch mehr gewinnen will, gerade recht. "Die Bundesliga", findet Mané, "ist eine Herausforderung, mein ganzes Leben ist eine Herausforderung. Ich liebe Herausforderungen!" Eine solche wird es auch, die einst erlernten Deutsch-Kenntnisse aus Salzburg wieder aufzufrischen. Drei Monate bräuchte er schon, grinste Mané. Für ein selbstbewusstes "Servus" reichte es am Mittwoch allemal.

Hasan Salihamidzic

Salihamidzic gibt viele Details bekannt: So kam es zum Mané-Transfer

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Ein bisschen konnte sich der Afrika-Cup-Champion ja auch auf diesen Tag in Fröttmaning vorbereiten. Als Hasan Salihamidzic neulich über Gnabry-Berater Björn Bezemer, der auch Mané vertritt, erfuhr, dass die Möglichkeit bestünde, die Nummer 10 des FC Liverpool nach Deutschland zu holen, schnappte sich der Sportvorstand Trainer Julian Nagelsmann sowie den Technischen Direktor Marco Neppe und stand umgehend bei Mané in Liverpool vor der Haustür.

Kein Vier-Augen-Gespräch mit Salihamidzic - Fasziniert von Nagelsmanns Ideen

Jeder der Münchner Verantwortlichen erklärte bei jenem Treffen der Reihe nach, was er zu erklären hatte, der Letzte im Bunde war Neppe mit einer PowerPoint-Präsentation. Mané verschwand kurz darauf mit Bezemer. Als der wieder auftauchte, wollte Salihamidzic eigentlich gerade ein Vier-Augen-Gespräch suchen, um die finanziellen Aspekte eines Transfers zu beleuchten. Doch so weit kam er gar nicht. Bezemer teilte Salihamidzic mit, dass für Mané alles klar sei: Er wollte unbedingt zum FC Bayern. Fasziniert war der Spieler besonders von Nagelsmanns Ideen.

Von "sechs wunderbaren Jahren" sprach Mané also am Mittwoch, als er den Transfer und seine Zeit mit Jürgen Klopp rekapitulierte. Einen Ratschlag über Deutschland und die Bundesliga wollte er sich bei seinem nun ehemaligen Trainer lieber nicht abholen, wie er scherzhaft anmerkte: "Kloppo war traurig und wollte mich behalten, aber er hat meine Position verstanden."

Traurig ist in München niemand, im Gegenteil. Das Strahlen verließ die Verantwortlichen der Bayern eigentlich nur, als zwischendurch der Name Robert Lewandowski zu hören war. Ansonsten versuchten Kahn, Salihamidzic und Hainer gar nicht erst, ihre Freude über den schillerndsten Neuzugang der jüngeren Jahre zu verbergen. "Er will's wissen, er will Titel gewinnen", sagt Kahn über Mané. "Deshalb ist er hier beim richtigen Verein gelandet."

Die Messlatte: Mehr als ein Viertelfinal-Aus gegen Villarreal

So sieht das - wenig überraschend - auch der Spieler. Klar ist, dass in der Champions League in der kommenden Saison mehr drin sein muss als ein Viertelfinal-Aus in Villarreal. Mané, der im Mai mit Liverpool das Finale gegen Real Madrid verlor, ist zuversichtlich: "Ich denke schon, dass wir weit kommen. Das war auch ein Grund, hierher zu kommen."

Am frühen Mittwochabend stand für Mané noch eine Hausbesichtigung in Grünwald an, schon morgen darf er sich weiter von einer wieder mal kräftezehrenden Saison erholen. Nach dem Urlaub auf Mallorca soll Mané Anfang Juli richtig Gas geben - dann an der Säbener Straße und ohne Übersetzer.

Mario Krischel