Bundesliga

Baumann im Land des Lächelns

Bremen: Drobny, Bargfrede und Sané in den Startlöchern

Baumann im Land des Lächelns

Ein bisschen Spaß muss sein: Werder-Geschäftsführer Frank Baumann.

Ein bisschen Spaß muss sein: Werder-Geschäftsführer Frank Baumann. imago

Die kleine Begebenheit, die sich bei der routinemäßigen Pressekonferenz abspielte, kam ganz gelegen. Herzhafte Heiterkeit herrschte im Weserstadion, als sich Baumann einen ungewollten Versprecher leistete. Angesprochen auf seine jüngst bei der Versammlung eingestandenen Fehler, die er gemacht habe, strich der Geschäftsführer auch seine guten Entscheidungen heraus und meinte wörtlich: "Eine davon sitzt hier am Tisch." Es sorgte für Belustigung bei den Journalisten, denn auf dem Podium hatten zwei Hauptdarsteller Platz genommen, die der Eichin-Nachfolger eingestellt hat: Trainer Nouri sowie Max Kruse, neben Serge Gnabry der Premium-Einkauf der letzten Transferperiode.

Das Lachen der Reporter irritierte Baumann zunächst, dann hatte er wie auch seine Mitstreiter am Tisch begriffen. Natürlich habe er nur auf die Spieler-Verpflichtungen abgehoben, meinte der 40-Jährige, bevor er selbst lachen musste über den unfreiwilligen Lapsus. Auch Alexander Nouri, von dem anzunehmen ist, dass er sich selbst als eine "gute Entscheidung" für den Nord-Klub begreift, lachte beherzt.

Bremen als Land des Lächelns. Alles gut bei Werder, die gute Stimmung greifbar, von der Nouri später redete. Gefragt nach seiner Meinung über Sinn und Bedeutung eines Kurztrainingslagers, wie es Konkurrent HSV momentan abhält, erläuterte er, warum er eine solche Maßnahme nicht für geboten halte: "Wir haben die Geschlossenheit und den Teamgeist, die Atmosphäre stimmt. Wir sind hier gut aufgehoben und können uns optimal vorbereiten."

Nouri kennt die Mechanismen

Natürlich spürt Nouri den frischen Gegenwind, der ihm begegnet, seit Resultate ausbleiben und einige seiner Entscheidungen zu hinterfragen sind. Es seien nun mal die Mechanismen des Geschäfts, so der 37-Jährige, der zugibt: "Ich lese viel lieber positive Schlagzeilen über mich." In der Öffentlichkeit und auch bei einer Vielzahl der Fans bröckelt die Zustimmung für den neuen Werder-Coach, der Unterstützung der handelnden Personen im Klub darf sich Nouri jedoch weiterhin gewiss sein. Baumann, sein Vorgesetzter, wiederholte, was er vor den Mitgliedern betont hatte und sendete dieses Signal aus: "Wir stehen auch in schweren Zeiten zusammen."

Wie lange dieser Vertrauensbeweis gilt, wird sich zeigen. Nouri und das Team müssen liefern, am besten sogleich in den beiden Partien gegen die Tabellennachbarn, die von allen nicht als Endspiele eingestuft werden. Rückkehrer Max Kruse hat dabei schon die in der Hansestadt ausgegebene Sprachregelung bestens verinnerlicht: "Wir werden in den nächsten Wochen einige Verbesserungen sehen. Die Mannschaft hat die fußballerische Qualität, um da unten rauszukommen."

Drobny oder Wiedwald? Nouri berät sich mit Vander

Der Anfang soll beim Nord-Derby gemacht werden. In welcher Formation dies geschehen könnte, bleibt im Verborgenen. Zu den anstehenden Personalien, die er nun lösen muss, machte Nouri gewohnheitsmäßig keine konkreten Angaben. Brennpunkt Torwart: Jaroslav Drobny, zuletzt wegen eines doppelten Handbruchs außer Gefecht, sei bereit, konnte trainieren. Ob der ehemalige Hamburger, möglicherweise besonders motiviert im Spiel gegen seinen Ex-Klub, oder ob Felix Wiedwald zur Nummer 1 ausgerufen werden – Nouri will zu "einer gemeinsamen Entscheidung" finden und den Impuls von Christian Vander, dem Trainer der Keeper, Bedeutung schenken.

Weitere Brennpunkte: Sané und Bargfrede könnten löschen

Brennpunkt Abwehr: Lamine Sané (Anriss am Außenband des Knies) habe erst zwei Einheiten mitmachen können. "Mit Bedacht", so Nouris Wortlaut, müsse überlegt werden, ob er wieder in die Viererkette anstatt von Milos Veljkovic rückt. Es könnte sein, dass der Senegalese also spielt. Denn Bedacht und Vernunft hatte Nouri auch in den jüngsten Fällen der Rückkehrer Pizarro und Kruse im Vorfeld angemahnt, beide standen dann in der Startelf gegen Frankfurt.

Brennpunkt Mittelfeld: Phillip Bargfrede, Comeback nach einer Knieoperation und neun Monaten Ausfallzeit, habe seinen Wiedereinstieg "gut weggesteckt". Jede weitere Einheit im Training würde ihn nach vorn bringen, er sei "fester Bestandteil des Kaders". Doch ob es schon reicht für die Anfangsformation? Nouris Antwort wie immer: "Wir müssen mit Bedacht rangehen." Sagt es und lacht, wie eigentlich immer.

Hans-Günter Klemm

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