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Atalanta zwischen Zapata-Zauber und Talentschmiede - Tore satt: Serie-A-Klub aus Bergamo greift erneut oben an

Tore satt: Serie-A-Klub aus Bergamo greift erneut oben an

Atalanta zwischen Zapata-Zauber und Talentschmiede

Ein modernes Märchen: Atalanta Bergamo.

Ein modernes Märchen: Atalanta Bergamo. imago

Geschichtsträchtige wie beeindruckende Bauten aus früheren Jahrhunderten prägen das heutige Bild des beinahe 120.000-Einwohner-"Örtchens" Bergamo, in dem es besinnlich zugeht. Die alte Oberstadt (Bergamo alta) liegt auf einem Hügel, die Unterstadt (Bergamo bassa) und einige Vorstädte erstrecken sich ins Flachland. Sportliches Aushängeschild und zugleich der beste Fußballklub des "Örtchens" ist Atalanta, der 1907 als "Societa Bergamasca di Ginnastica e Sport Atletici Atalanta" gegründet wurde. Ein Verein, der meist in der Serie A spielt und bislang genau einen großen Titel, die Coppa Italia 1963, gewonnen hat.

Auf einen Scudetto müssen die Schwarz-Blauen, die der ersten italienischen Liga wieder seit 2011 angehören, auch weiterhin warten. Allerdings sind sie nach 2016/17 (Vierter) und 2017/18 (Siebter) schon wieder drauf und dran, in die Europa League zu stürmen. 38 Punkte aus 23 Spielen und die Erkenntnis, mit 50 erzielten Toren die Angriffsmaschinerie Nummer eins in Italien zu stellen (ein Treffer mehr als Spitzenreiter Juventus), bringen Atalanta jetzt und schon seit Jahren verdientermaßen großen Respekt ein. Am Samstagabend (20.30 Uhr) kann mit einem Sieg sogar Rang vier und damit die Champions-League-Region attackiert werden - und zwar im Duell mit Milan, das zusammen mit Inter in der Lombardei die weitaus größere Strahlkraft hat.

Atalanta Bergamo - Die letzten Spiele
AC Mailand Milan (H)
0
:
2
Juventus Turin Juventus (H)
1
:
2
Spielersteckbrief D. Zapata
D. Zapata

Zapata Duvan

Spielersteckbrief Freuler
Freuler

Freuler Remo

Spielersteckbrief Gosens
Gosens

Gosens Robin

Serie A - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Juventus Turin Juventus Turin
66
2
SSC Neapel SSC Neapel
53
3
Inter Mailand Inter Mailand
46
Trainersteckbrief Gasperini
Gasperini

Gasperini Gian Piero

Schmiedestadt Bergamo

Wie aber kann sich dieser Verein eigentlich erfolgreich wehren gegen Rossoneri, Nerazzurri oder den gesamten Rest der Serie A? Ganz einfach: In dieser vergleichsweise kleinen Stadt steht eine der besten Talentschmieden Europas. Eine, die gerne mit Barcelonas La Masia, der Ajax-Akademie oder dem Nachwuchs-Campus des FC Basel verglichen wird. Schützlinge wie Roberto Donadoni, Riccardo Montolivo, Giacomo Bonaventura, Manolo Gabbiadini, Giampaolo Pazzini oder Roberto Gagliardini sind der Schmiede entsprungen.

Die Philosophie dahinter: Atalanta, das mit Junioren-Mannschaften 17 nationale Meisterschaften zwischen 1991 und 2014 errungen hat, will ausdrücklich ein Ausbildungsklub sein und damit als Zulieferer für die großen Adressen fungieren. Mit diesem Konzept erhofft man sich auf lange Sicht natürlich selbst Erfolg - mit Erfolg.

Aufstellungsmeister "Gasp"

Gian Piero Gasperini

Er setzt aus verschiedenen Steinen ein ansehnliches Mosaik zusammen: Atalanta Bergamos Trainer Gian Piero Gasperini. imago

Das alles trägt Trainer Gian Piero Gasperini, seit 2016 im Amt und zuvor zum Beispiel für Inter Mailand, Palermo oder CFC Genua tätig, voll mit. "Gasp ist genau der richtige Mann am richtigen Platz", hatte Vereinspräsident Antonio Percassi schon vor beinahe zwei Jahren gesagt - und den Coach trotz eines schwachen Starts 2017/18 (nur neun Punkte aus acht Spielen) und 2018/19 (nur sechs Punkte aus acht Spielen) jeweils nicht gestürzt hat. "Wir sind alle extrem zufrieden damit, was er hier leistet. Das ist das Beste für Atalanta."

Früchte trägt das auch in dieser Saison: Denn seit dem schwachen Auftakt hat sich "La Dea" ("Die Göttin", in Anlehnung Atalant, eine jungfräuliche Jägerin, die Tochter der Klymene in der griechischen Mythologie) mehr als nur gefangen. Allein die vier Siege aus den jüngsten fünf Ligaspielen (2:1, 1:0, 5:0, 6:2) sowie die geglückte Aufholjagd nach 0:3-Rückstand gegen die Roma (3:3) sprechen eine deutliche Sprache - genauso der Erfolg gegen "Nachbar" Inter Mailand (4:1), gegen Lazio (1:0), das Remis gegen Juventus (2:2) und der klare wie hochverdiente Coppa-Coup gegen Juve (3:0).

Fließband-Torschütze Zapata

Als Top-Mann im Kader der Lombarden fungiert dabei Stürmer Duvan Zapata, der es auf 16 Saisontore in 23 Ligaspielen bringt. Doch nicht nur das: Der 27-jährige kolumbianische Sommerneuzugang (fünf Länderspiele) von Sampdoria Genua, früher auch bei Napoli und Udinese Calcio angestellt, hat besonders seit Spieltag 14 einen famosen Lauf. War es bis zu dieser Runde erst ein Treffer, folgten seitdem stolze 15 in gerade einmal zehn Serie-A-Auftritten.

Duvan Zapata

Tore satt: Auf erfolgreiche Abschlüsse von Duvan Zapata darf man dieser Tage wetten. imago

"Jetzt ist es einfach zu sagen, dass ich stark bin", gibt sich der derzeitige Torgarant, der laut englischen Medien für kommenden Sommer ein heißer Kandidat bei West Ham United sein und allgemein schon im Winter viele weitere Interessenten hervorgerufen haben soll, bescheiden. "Vorher wollte mich keiner haben und jetzt wollen mich alle. Mein einziger Gedanke gilt aber Atalanta."

"Der einzige Ort, an dem es nie kalt ist, ist das Stadion von Bergamo. Forza Atalanta!", schrieb der fünfmalige Nationalspieler Kolumbiens neulich bei Instagram. Trotzdem ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass der Angreifer über 2018/19 hinaus in Bergamo bleibt. Das wird aber teuer werden, prophezeit Präsident Percassi schon einmal: Wieviel Zapata wert sei, wurde der Klub-Boss gefragt. "Sehr viel", antwortete er. "Wir werden aber erst eine Summe nennen, wenn er noch ein paar Tore mehr geschossen hat."

Europa League? Champions League? Ligaverbleib!

Bis dahin wird er zusammen mit dem Rest des Kaders, dem auch der Deutsche Robin Gosens (24, zuvor Heracles Almelo) und der Schweizer Remo Freuler (26, zuvor FC Luzern) angehören, die Europa League anvisieren. Wenn es denn klappt. Denn unbedingt notwendig ist der internationale Wettbewerb (noch) nicht.

Wir haben das alles seit langer Zeit geplant.

Atalanta-Vereinspräsident Antonio Percassi

"Unser Ziel Nummer eins ist es, den Abstieg zu vermeiden", so Präsident Percassi gegenüber "ANSA", der natürlich zugibt, von der CL-Gruppenphase oder dem erneuten Gewinn der Coppa Italia nach 1962/63 nicht abgeneigt zu sein. "Wir haben das alles seit langer Zeit geplant. Das ist unsere Strategie, die wir uns vor acht Jahren (mit der Rückkehr in die Serie A; Anm.d.Red) zurechtgelegt haben - und dieser bleiben wir treu." Typisch Bergamo eben, typisch Atalanta.

mag

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