Bundesliga

Unions Robert Andrich: "Es geht nicht immer nur um Max Kruse"

Union-Profi über das Derby gegen den Ex-Verein

Andrich: "Es geht nicht immer nur um Max Kruse"

Funktionieren gut zusammen: Robert Andrich und Max Kruse.

Funktionieren gut zusammen: Robert Andrich und Max Kruse. imago images

Zwischen 2003 und 2015 durchlief Andrich die Nachwuchsabteilung von Hertha BSC. Zweimal, in der Saison 2012/13, stand er beim damaligen Zweitligisten im Profi-Kader. Zum Einsatz kam Andrich aber nicht, weshalb er heute über ein volles Olympiastadion sagt: "Ich kenne es nur als Balljunge."

Auch am Freitag (20:30 Uhr, LIVE! bei kicker) wird der Potsdamer nicht vor Zuschauern spielen können. Trotzdem ist das Derby etwas Besonders. Am Dienstag sprach Andrich in einer Medienrunde über...

... das anstehende Derby im Olympiastadion: "Fußballerisch sind bei beiden gute Sachen dabei. Beide wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Da geht es für uns darum, den Längeren zu ziehen. (...) Wir müssen wieder sehr kompakt spielen. Wir müssen ihre Offensive in den Griff kriegen. Wir müssen trotzdem aber auch auf uns schauen. Es ist wichtig, dass wir versuchen, Hertha unser Spiel aufzudrücken."

... seine elfeinhalb Jahre in der Nachwuchsabteilung bei Hertha: "Das ist keine kurze Zeit, und so alt bin jetzt auch noch nicht, dass es so lange her wäre. Ich habe meine ganze Jugend dort verbracht. Das gehört zu mir dazu, das hat mich auch ein bisschen zu dem gemacht, der ich bin. Es war meine ganze Grundausbildung. Aber das ist längst abgeschrieben."

... das 0:4 im Mai im Olympiastadion: "Ich denke schon, dass uns das ein bisschen im Hinterkopf bleiben muss. Trotzdem war das die vergangene Saison, und jetzt sind wir in einer neuen Saison. Natürlich versuchen wir, es wiedergutzumachen."

Robert Andrich

Konnte sich bei Hertha nicht durchsetzen: Robert Andrich. imago images

... die Geisterkulisse im Olympiastadion und die Derby-Stimmung unter Corona-Bedingungen: "Es muss wieder jeder seine eigene Motivation finden. Der eine braucht ein bisschen mehr, der andere etwas weniger. Ich denke, dass wir bei uns in Spielen ohne Zuschauer einen Riesenschritt nach vorne sehen im Vergleich zur Vorsaison. Schlimm genug, dass wir damit leben können und es gewohnt sind. Wir wissen, was am Freitag abgeht. Die Derby-Stimmung werden wir intern hervorbringen müssen."

... Derby-Erfahrungen in seiner Karriere: "Das Derby im Mai war nicht so geil. Das Hinspiel war sehr, sehr geil mit dem 1:0-Sieg in der Alten Försterei. Ansonsten hatte ich noch nicht so viele Derbys in meiner Karriere. Mit Dresden gegen Rostock war auch immer eine schöne Atmosphäre, aber da war ich selten live dabei."

... über Zweifler in früheren Jahren an seiner Bundesliga-Tauglichkeit: "Es kann sein, dass ich damals (zu Drittligazeiten bei Dynamo Dresden zwischen 2015 und 2016, d. Red.) noch nicht reif genug für die 2. Liga war. Es ist ein Anreiz, es freut einen, wenn man es Leuten, die nicht an einen geglaubt haben, gezeigt hat. Aber es sollte kein extra Antrieb sein."

Ich habe es dir gezeigt und dir auch.

Andrich verspürt nur "ein bisschen" Genugtuung

... die Frage, ob Genugtuung dabei ist, es auch bei Hertha manchem gezeigt zu haben: "Vielleicht ein bisschen. Aber da sollte man auch irgendwann einen Schlussstrich ziehen. Da liegen viele Jahre dazwischen. Ich habe es doch geschafft, Bundesliga-Spieler zu werden. Da sollte die Freude überwiegen, als dass ich zu den Leuten, die damals mal irgendwas gesagt haben, sage: 'Ich habe es dir gezeigt und dir auch.' Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass ich über die Jahre drangeblieben bin und es am Ende gepackt habe."

... Unions Standing in dieser Saison: "Die Liga hat ein anderes Bild von uns im Gegensatz zum letzten Jahr. Aber das macht uns in der Mannschaft wenig aus. Wir versuchen uns zu verbessern. Wir sind auf einem guten Weg. Aber es ist noch nicht viel geschafft. Es ist noch ein langer Weg. (...) Letztes Jahr hieß es: Die Kämpfertruppe, die knallen die Bälle nur lang. Jetzt sind auch viele Kurzpass-Passagen dabei. Das ist für viele Leute ansehnlicher, obwohl das Quatsch ist, weil entscheidend ist, wie viel Punkte am Ende rauskommen. Viele sind überrascht, wie wir uns fußballerisch entwickelt haben. Aber wir wussten, dass das Potenzial da ist und dass wir es können."

... Max Kruse: "Ich kann nur weiterhin sagen, dass wir uns freuen, dass er so performt. Aber es geht nicht immer nur um Max Kruse. Alle sind wichtig. Wir versuchen ihn einzusetzen. Ohne uns würde er auch nicht so viele Tore und Vorlagen machen. Von daher würde ich ihn nicht ständig so nach oben heben. Aber natürlich spielt er momentan einen sehr, sehr guten Fußball."

Jan Reinold

Immer emotional: Die bisherige Geschichte des Berliner Derbys