Bundesliga

Werder Bremens lange Mängelliste: Was Kohfeldt ändern muss

Einstellung, Aufstellung, Athletik

Werders lange Mängelliste: Was Kohfeldt ändern muss

Milot Rashica

Werder Bremens Klassenerhalt ist nicht wirklich näher gerückt: Milot Rashica & Co. enttäuschten gegen Heidenheim. picture alliance

Mit einem Punkt seiner Analyse traf Florian Kohfeldt am Donnerstagabend zweifelsfrei ins Schwarze: "Das Beste" am ersten Relegationsduell mit Heidenheim ist aus Bremer Sicht "das Ergebnis". Derweil reagierte sein Pendant Frank Schmidt schon leicht gereizt auf die Frage, ob das 0:0 für sein Team ein "gefährliches" Resultat sei. Schließlich ist das Remis auf fremdem Platz völlig unstrittig ein großartiger Achtungserfolg für den beeindruckend kompakten Zweitligisten.

Doch vor dem Hintergrund der Auswärtstorregel lehrt die Erfahrung: Mit jedem Tag, der bis zum Rückspiel vergeht, dürfte das 0:0 in den Heidenheimer Köpfen weniger wert werden - und für Bremen mehr. Allerdings: Einen anderen Auftritt als im Hinspiel braucht der Favorit definitiv. Der kicker analysiert, was am Donnerstag schief lief und was Kohfeldt ändern muss.

Joker Bittencourt war ein Musterbeispiel für die Leichtfertigkeit

Problem Einstellung: Seine Mannschaft habe "nicht emotionslos" agiert, betont Kohfeldt. Aber kopflos! "Wir wurden zu früh zu wild, statt einen klaren Plan zu verfolgen", gibt der Trainer zu. Bezeichnend die Schlussphase: Da bot Werder in Unterzahl dem Zweitligisten völlig ohne Not nochmal einen offenen Schlagabtausch an, statt das objektiv akzeptable 0:0 zu verwalten. Das Risiko eines Gegentors überwog dabei die Chance eines eigenen Treffers deutlich. "Das hätte ich mir am Ende anders gewünscht", sagt Kohfeldt. Eine ordnende Hand auf dem Feld fehlte.

Musterbeispiel für Leichtfertigkeit: der eingewechselte Leo Bittencourt. Dessen Ballverlust leitete jenen Konter ein, bei dem sich Niklas Moisander mit einem taktischen Foul Gelb-Rot abholte. Und in der Nachspielzeit duckte sich Bittencourt als Rechtsverteidiger im eigenen Strafraum nach einer Flanke weg, konnte immerhin Föhrenbachs Schuss dann noch abblocken. Am Montag könnte jede solcher Nachlässigkeiten Werder die Bundesliga-Existenz kosten.

Bargfrede mit sich selbst beschäftigt, Friedl fehlen die Mittel

Problem Aufstellung: Kohfeldt entschied sich für Philipp Bargfrede als Ersatz des gelbgesperrten Kevin Vogt. "Wir wollten mir einer guten Balance ins Spiel gehen, dafür war Philipp wichtig", erklärt der Trainer. Auf dem Papier eine logische Entscheidung. Doch auf dem Rasen war Bargfrede körperlich und in der Folge auch fußballerisch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er dem Team hätte Struktur verleihen können. Eine Lösung mit dem fast immer zuverlässigen Christian Groß, der gegen Gladbach (0:0) in dieser Rolle sogar überragt hatte, wäre im Nachhinein vielleicht doch zielführender gewesen.

Noch deutlicher misslungen: die Besetzung der linken Defensivseite mit Marco Friedl. Dem Österreicher fehlten schlicht die fußballerischen Mittel, um gegen die konsequenten Heidenheimer Impulse zu setzen. Friedl brach immer wieder ab und spielte zurück. Auf die Kombinationsstärke von Ludwig Augustinsson auf der linken Bahn wird Kohfeldt im Rückspiel kaum noch einmal verzichten können. Friedl bleibt eventuell trotzdem im Team, als linker Innenverteidiger an Stelle des gesperrten Moisander.

Youngster Sessa macht Klaassen nass, Füllkrug bekommt keinen Stich

Problem Athletik: Wie das 19-jährige Heidenheimer Eigengewächs Kevin Sessa kurz vor der Halbzeit den Bremer Rekordeinkauf Davy Klaassen im Laufduell deklassierte, zeigt alles. Trotz der deutlichen Fortschritte während der Corona-Pause sind die Werder-Profis ihren Rivalen aus der 2. Liga körperlich unterlegen, in puncto Spritzigkeit, Robustheit und Zweikampfstärke. Nicht einmal Modellathlet Niclas Füllkrug bekam gegen den überragenden Abwehrchef Patrick Mainka (1,94 Meter, 86 Kilo) einen Stich.

Die physischen Nachteile werden sich bis Montag logischerweise nicht kompensieren lassen. Umso wichtiger wäre der Mut, die höhere fußballerische Qualität konsequent auszuspielen. Der fehlte am Donnerstag nicht zuletzt Moisander, der den Aufbau von hinten ein ums andere Mal mit Sicherheitspässen verschleppte. Größter Hoffnungsschimmer auch in dieser Beziehung: die Rückkehr von Defensiv-Chef Vogt. Dessen Bedeutung war, wie kürzlich von Kohfeldt angemerkt, wieder einmal "erst dann so richtig erkennbar, wenn er nicht dabei ist".

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Thiemo Müller