Bundesliga

Werner wehrt sich gegen Effenberg & Co: "Nicht ich habe mich dagegen entschieden"

Warum er wirklich nicht mehr für Leipzig in der Champions League spielt

Werner wehrt sich gegen Effenberg & Co: "Nicht ich habe mich dagegen entschieden"

Timo Werner

Timo Werner wechselt von Leipzig zum FC Chelsea. imago images

Mit seinem letzten Auftritt in der Bundesliga setzte Werner noch einmal ein sattes Ausrufezeichen hinter seine vierjährige Schaffensperiode bei RB Leipzig. Der Doppelpack gegen Augsburg bedeutete den Aufstieg zum alleinigen Rekordtorschützen der Sachsen, mit 95 Toren löste er Daniel Frahn ab (93). Zudem waren seine 28 Saisontore die beste Ausbeute eines deutschen Stürmers seit Mario Gomez 2010/11, der es auf die gleiche Anzahl brachte.

Künftig wird Werner in der Premier League für Chelsea auf Torejagd gehen: "Für mich hat es sich einfach genau jetzt richtig angefühlt, den Verein zu wechseln. Man sagt ja immer, dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist. Vielleicht trifft es das ganz gut", erläutert der Stürmer. "Ich habe so viele Tore geschossen wie noch nie, ich habe so viele Assists gesammelt wie noch nie, und wir als Mannschaft haben zeitweise Fußball gespielt wie noch nie. Diese Saison ist nur schwer zu toppen. Es war an der Zeit, zu einem Weltverein zu gehen."

Wie das anschließend von außen bewertet wurde, war schon ein starkes Stück. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemanden im Stich lasse.

Timo Werner

Dass der 24-Jährige die Champions League nicht mit RB zu Ende spielt, hatte in der Öffentlichkeit zuletzt für Irritationen gesorgt. Im Interview mit dem kicker wehrt sich Werner vehement gegen den Eindruck, der Verzicht auf die Teilnahme am Blitzturnier sei seine Entscheidung gewesen: "Nicht ich habe mich dagegen entschieden. Es war eine gemeinsame Entscheidung von allen Beteiligten. Nicht gegen etwas, sondern, wie auch Oliver Mintzlaff sagte, für einen klaren Schritt und Schnitt für alle Seiten. Es tut mir sehr weh, mit RB nicht die Champions League zu Ende zu spielen", erklärte Werner.

Er selbst habe in diesem Prozess "versucht, mich so gut es geht rauszuhalten, weil klar war, dass ich eine Seite vor den Kopf stoßen müsste", führte Werner weiter aus: "Man sitzt ja gefühlt etwas zwischen den Stühlen. Einerseits ist Chelsea mein neuer Verein, der viel Geld für mich gezahlt und ein Interesse daran hat, dass ich optimal vorbereitet in die neue Saison starte. Auf der anderen Seite steht RB Leipzig, der Verein, mit dem ich bis ins Viertelfinale gekommen bin." Schlussendlich habe sein Berater Karlheinz Förster die getroffene Regelung "mit den Vereinen abgestimmt".

Werner weist Vorwürfe zurück

Den anschließend unter anderem von Stefan Effenberg erhobenen Vorwurf, seine Kollegen im Stich zu lassen und eine Chance wegzuwerfen, weist Werner entschieden zurück: "Wie das anschließend von außen bewertet wurde, war schon ein starkes Stück. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemanden im Stich lasse und auch kein schlechter Sportsmann bin. Manche scheinen auch vergessen zu haben, dass wir mit Corona eine absolute Sondersituation haben und es diese Übergangsphase bei Transfers noch nie gegeben hat", sagte er.

Nach kicker-Informationen kam vor allem die RB-Führung um Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zur Einsicht, dass der harte Schnitt bei Werner die vernünftigste Entscheidung ist. Und hinter dieser Erkenntnis stehen vor allem wirtschaftliche Interessen und versicherungstechnische Fragen. Chelsea hatte signalisiert, Werner für das Turnier freizustellen - allerdings nicht zum Nulltarif. Leipzig hätte die nächsten beiden Monatsgehälter des Spielers aufbringen müssen, siebenstellige Leih- und Versicherungsgebühren wären fällig geworden. In der Summe hätte RB zwischen vier und fünf Millionen Euro für möglicherweise einen einzigen Einsatz reinvestieren müssen. Und Leipzig hätte das Risiko tragen müssen, dass Chelsea vom Kauf zurücktritt, sollte sich Werner in Lissabon schwer verletzen.

Lesen Sie in der Montagausgabe des kicker auch ein Pro und Contra zu Timo Werners Entschluss, die Champions-League-Saison nicht zu Ende zu spielen. Zudem spricht der Stürmer darüber, welchen Anteil Nationalmannschaftskollege Antonio Rüdiger an seiner Entscheidung hatte, wieso Chelsea für ihn vergleichbar mit Leipzig ist und wie es ihm seiner Auffassung nach gelungen ist, die deutschen Fußballfans wieder auf seine Seite zu ziehen.

Oliver Hartmann

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