Bundesliga

Kommentar zu Dortmunds 0:1 gegen Bayern: Favres Tage wohl gezählt

Kommentar zu BVB-Bayern

Flicks Konzept geht auf - Favres Tage wohl gezählt

Lucien Favre

Das Titelrennen ist wohl verloren: BVB-Trainer Lucien Favre. imago images

Es war 20.21 Uhr, als Hansi Flick am Dienstagabend die Arme hochriss. Dass seine Mannschaft das Gipfeltreffen für sich entschied - und nicht der im eigenen Stadion eigentlich unverwundbare BVB -, verdankt Deutschlands Abo-Meister einem Geniestreich von Joshua Kimmich und der fein austarierten Strategie seines Trainers. Flicks Konzept, "die Stärken des anderen zu minimieren", wie er vorher bei "Sky" mitgeteilt hatte, ging punktgenau auf.

Die Dortmunder Angriffswucht, die schon so vielen Gegnern die Luft zum Atmen genommen hatte, die herausragende Individualität der Borussia, das pralle Selbstvertrauen, immer für ein Tor gut zu sein - davon gab es in Deutschlands Klassiker nicht viel zu sehen. Dieses 1:0 war das Resultat einer funktionierenden Münchener Defensive, die der Borussia kaum etwas anbot und in den seltenen Momenten eigener Instabilität davon profitierte, dass die Gastgeber falsche Entscheidungen trafen, die richtigen Räume nicht fanden und Manuel Neuer deshalb einen weitgehend entspannten Abend bereiteten.

In Dortmund wird man auch über Boatengs Handspiel diskutieren

Jetzt gähnt zwischen Spitzenreiter Bayern und Dortmund kein Loch mehr, es ist schon ein Krater, der die beiden Teams sechs Spieltage vor dem Ende der Saison trennt. Leipzig kann am Mittwoch noch zum BVB aufschließen, aber auch nicht näher an die Nummer 1 der Liga herankommen als die Westfalen. Viel spricht dafür, dass an diesem 26. Mai der außerhalb Münchens geträumte Traum von einem dramatischen, bis zum letzten Spieltag wogenden Titelkampf ein weiteres Mal begraben werden muss. Die Meisterschaft lacht den FC Bayern jetzt an wie eine reife Frucht, die nur noch gepflückt werden muss.

kicker.tv Reaktionen

Flick: "Meister? Davon reden wir noch nicht"

alle Videos in der Übersicht

In Dortmund wird man im Nachgang der Partie über den abwartenden, mutlos wirkenden Spielansatz Lucien Favres debattieren. Sie werden am Borsigplatz auch über Jerome Boatengs Handspiel in der 58. Minute diskutieren - und hadern, dass Schiedsrichter Tobias Stieler darin keine strafbare Aktion erkannte. Ein Elfmeter hätte die Statik dieser Partie noch einmal von Grund auf verändern können, mehr noch als jene Szene in der Nachspielzeit, als Manuel Akanji im eigenen Strafraum gegen Robert Lewandowski hinlangte.

Wetten darauf, dass Favre nächste Saison noch BVB-Trainer ist, nimmt niemand an

Aller Voraussicht nach wird für Dortmund auch in der Spielzeit 2019/20 nur ein Trostpreis bleiben. Verloren hat der BVB die Meisterschaft aber nicht an diesem Abend, sondern in einer vergleichsweise schwachen Vorrunde mit nur 30 Punkten. Das erweist sich nun wohl als zu schwere Hypothek im Hinblick auf die Meisterschaft als ambitioniertes Saisonziel - und könnte am Ende auch Lucien Favres Zukunft beeinflussen. Der Vertrag des Schweizers läuft noch ein Jahr, aber Wetten darauf, dass er die Borussia auch in der kommenden Saison noch anleiten wird, nimmt niemand an. Manches deutet darauf hin, dass seine Tage wohl gezählt sind.

Nur zwei Heimspiele gingen während seiner Amtszeit verloren, im ersten Jahr das gegen Schalke (2:4) und jetzt das gegen den FC Bayern. Zwei Begegnungen mit Finalcharakter. Favre verlor beide.

Favre kryptisch: "Ich spreche in ein paar Wochen"

Thomas Hennecke

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - Bayern München