Bundesliga

Kohfeldt: "Ich bin der Beste auf dieser Position"

Werders Coach will es allen Kritikern zeigen

Kohfeldt: "Ich bin der Beste auf dieser Position"

Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt kämpft.

Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt kämpft. imago images

Der Gegenwind wird immer schärfer. Selbst Rune Bratseth, seit jeher ein Muster an Besonnenheit, plädierte nach Werders 1:4 gegen Leverkusen für eine Trennung von Trainer Florian Kohfeldt. Mit Dieter Burdenski attestiert ein weiteres Klubidol den aktuellen Verantwortlichen im Interview mit dem Weserkurier "Beratungsresistenz". Am Freitag sprach Kohfeldt selbst auf der Spieltagspressekonferenz vor der Partie in Freiburg. Dabei machte der 37-Jährige klar: Er wird weiter kämpfen. Verbal wählte Kohfeldt dabei die volle Offensive: "Ich sehe es so, dass ich aktuell nach wie vor der Beste bin auf dieser Position. Wenn es jemand anders sehen würde, insbesondere die Geschäftsführung, dann würde man mir das sagen."

Kohfeldt: "Ich werde es trotzdem allen zeigen"

Die Kritik von Medien und Ehemaligen nehme er dabei sehr wohl wahr. "Was teilweise geschrieben wird, tut sehr, sehr weh", sagt Kohfeldt, "ich bin seit 20 Jahren im Verein und habe alles, was ich tue, immer im Sinne des SV Werder getan. Da tut es natürlich weh, jetzt von Leuten kritisiert zu werden über die Medien, die sonst immer sehr freundschaftlich-jovial rüberkommen, aber keine Verantwortung übernehmen." Dass sein Team "aus verschiedenen Gründen eine richtig beschissene Saison" spiele, räumt Kohfeldt unumwunden ein. Aber: "Der Vorwurf, wir würden es einfach laufen lassen, ohne Feuer, der ist eine Frechheit." Solche Vorhaltungen, wiederholt der Fußballlehrer, "tun weh. Aber das ruft bei mir eine Form von Trotz hervor. Ich werde es trotzdem allen zeigen."

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Kohfeldt: "Ich werde die Dinge nie dahinplätschern lassen"

Dass Kohfeldt kämpft, gewiss nicht nur mit Worten, lässt sich objektiv nicht in Abrede stellen. Gemessen werden alle Bemühungen aber logischer Weise an dem, was seine Mannschaft produziert. Den Vorwurf, mit seinen Profis dabei nicht kritisch genug umzugehen, kontert Kohfeldt ebenfalls: "Einer meiner Grundsätze ist, dass ich Spieler nicht öffentlich bloßstelle. Das habe ich im Winter nicht getan und tue es auch jetzt nicht. Ich spreche die Dinge öffentlich sachlich an, ohne Namen zu nennen. Ich muss damit leben, dass diese sachliche Kritik dann eben nicht gehört wird. Aber in der Kabine fällt dieser Vorhang: Da wird auch der Einzelne angesprochen." Personelle Konsequenzen des 1:4 gegen Leverkusen lässt er dabei zumindest durchblicken: "Ich habe Handlungsmöglichkeiten. Wir werden sehen, was passiert. Ich werde die Dinge nie dahinplätschern lassen."

Augustinsson fehlt weiter, darf Youngster Woltemade ran?

Ankündigungen, an denen sich Kohfeldt bereits am Samstag messen lassen muss. Von außen betrachtet haben Spieler wie Davie Selke und Marco Friedl ihre Startelfberechtigung erst einmal verwirkt. Bringt der Coach im Sturmzentrum also den 18-jährigen Nick Woltemade, der gegen Leverkusen nach seiner Einwechslung gute Ansätze zeigte? Und auf der linken Defensivseite den von ihm lange links liegen gelassenen Michael Lang? Ludwig Augustinsson ist wegen seiner Muskelprobleme entgegen ursprünglicher Ankündigung doch noch nicht einsatzfähig. Auf der Hand liegt indes auch: Selbst wenn Kohfeldt personell noch so konsequent reagiert - er wird damit keine "Retter" aus dem Hut zaubern können. Auch die bevorstehende Rückkehr von Vizekapitän Davy Klaassen nach Gelbsperre macht da nur bedingt Hoffnung.

Volle Unterstützung gab es für Kohfeldt am Freitag einmal mehr von Manager Frank Baumann: "Florian ist ein Top-Trainer, von der Fachkompetenz her, seinen sozialen Kompetenzen, den rhetorischen Fähigkeiten, die Mannschaft auf ein Spiel einzustellen. Auch sein Verhältnis zur Mannschaft ist intakt. Deshalb sehen wir mit ihm die größte Wahrscheinlichkeit, die Klasse zu halten."

Sein umstrittenes Festhalten am Coach rechtfertigt Baumann auch mit Blick auf den kommenden Gegner Freiburg, der einst mit Christian Streich ab- und wieder aufstieg: "Dieser gute, kontinuierliche Weg ist mir viel sympathischer als der von anderen Vereinen, die drei, vier Mal den Trainer gewechselt haben und trotzdem abgestiegen sind." Etwaige Parallelen zum Nord-Rivalen HSV wären natürlich rein zufällig.

"Die Mannschaft muss es auf dem Platz beweisen"

Konkrete Aussagen für den Fall des Abstiegs wollen freilich weder Kohfeldt noch Baumann schon treffen. Nur soviel: "Es gäbe dann keinen Automatismus in irgendeine Richtung", sagt der Boss. Außerdem geht man ja immer noch von einem positiven Saisonende aus. Das einzig Entscheidende hält Baumann indes auch fest: "Die Mannschaft muss es mit ihrem Handeln auf dem Platz beweisen." Alles andere ist und bleibt Makulatur.

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