Bundesliga

Solidaritätsfonds der vier Champions-League-Klubs wirft Fragen auf

Lehmann: "Wieso wird über Geld verfügt, das noch nicht verteilt ist?"

Solidaritätsfonds der vier Champions-League-Klubs wirft Fragen auf

Die vier deutschen Champions-League-Teilnehmer starteten eine Solidaritätsaktion

Die vier deutschen Champions-League-Teilnehmer starteten eine Solidaritätsaktion. imago images

"Wir haben heute kurz über diese Maßnahme gesprochen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung. "Wir haben uns als Präsidium noch nicht weiter damit befasst, wie damit umzugehen ist. Das werden wir in einer der nächsten Sitzungen tun." Das neunköpfige Gremium ist dafür zuständig, wie die 50 Millionen Euro, die nach einem Beschluss von 2016 für besondere Situationen zurückgehalten werden, verteilt werden. Damals war an einen Aufbau eines eigenen TV-Senders gedacht, jetzt geht es um die Corona-Krise. Durch Investitionen unter anderem in den Aufbau von E-Sport hat sich der Betrag inzwischen auf 45 Millionen Euro reduziert. Bei Anwendung des derzeitigen Verteilerschlüssels würden die vier Klubs auf 12,5 Millionen Euro aus den "noch nicht verteilten nationalen Medienerlösen der DFL in der kommenden Spielzeit" verzichten, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt, und den Betrag noch einmal um rund 7,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln aufstocken.

Mainzer Vorstand Lehmann sieht Konsens und verbindliche Regeln als Voraussetzung

"Hierfür die für Notlagen gebildete Rücklage bei der DFL zu verwenden, erscheint durchaus sinnvoll. Allerdings würde diese Verwendung keinen Verzicht irgendeines Klubs darstellen. Nach unseren Informationen gibt es für diese Gelder gar keinen festgelegten Verteilungsschlüssel, so dass kein Klub über das Geld verfügen oder darauf verzichten kann", sagt Dr. Jan Lehmann, der kaufmännische Vorstand von Mainz 05. Die Idee von Bayern, Dortmund, Leverkusen und Leipzig bewertet er "grundsätzlich positiv. Voraussetzung wäre allerdings, hierfür einen Konsens im Ligaverband herzustellen und auch verbindliche Regeln zu definieren, nach denen dieser Fonds funktioniert."

Bremens Filbry wünscht sich "grundsätzliche Diskussion über Solidarität im Fußball"

Kölns Geschäftsführer Alex Wehrle, der auch Mitglied des DFL-Präsidiums ist, stuft die Ankündigung der vier Klubs "als ein positives Signal, ein Akt der Solidarität, basierend auf Eigeninitiative ein. Über die konkrete Verwendung der Gelder das dem Fonds ist noch nicht gesprochen worden, das ist zum jetzigen Zeitpunkt auch viel zu früh." Sein Bremer Kollege Klaus Filbry fände es wünschens- und erstrebenswert, "wenn diese Maßnahme den Startschuss für eine grundsätzliche Diskussion über Solidarität im Fußball darstellt. Diese Diskussion zu führen, erscheint uns derzeit wichtiger als die genaue Verteilung der bereitgestellten Mittel."

Die TSG Hoffenheim verweist auf den ersten Hilfsfonds der Liga, die der nordbadische Klub für regionale Unternehmen ins Leben gerufen hatte. "In diesen Tagen ist jegliche Form von Solidarität zu begrüßen", sagt Sprecher Holger Kliem im Hinblick auf die Maßnahmen der vier Champions-League-Klubs. "Was die Verteilung dieser Mittel angeht, ist ja vieles noch offen, aber klar ist: die TSG wird darauf nicht zurückgreifen müssen."

Schalkes Sportvorstand Schneider lobt "gutes Miteinander in dieser Krisensituation"

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider setzt bei der Frage, wie das Präsidium die Gelder aus der Rücklage aufteilen wird, ganz auf DFL-Chef Seifert: "Mein Eindruck speziell aus den jüngsten Videokonferenzen ist, dass in dieser Krisensituation in der Liga ein gutes Miteinander herrscht. Zudem finde ich, dass mit Christian Seifert der beste Manager am Werk ist, den man sich in so einer Situation wünschen kann. Er agiert in dieser Krise sensibel, klug und weitsichtig."

Die Aufgabe Seiferts wird auch sein, den anderen 32 Klubs die von der Idee her sinnvolle Aktion der vier Champions-League-Starter so nahe zu bringen, dass dahinter keine PR-Maßnahme mehr befürchtet wird.

Michael Ebert