Bundesliga

Bayern-Stürmer Thomas Müller: "Wir machen es uns zu gemütlich"

Bayern-Stürmer im Interview

Müller: "Wir machen es uns zu gemütlich"

"...und dann kommt der Gegner wieder ins Spiel": Bayern-Stürmer Thomas Müller. imago images

Die 1:0-Führung der Bayern in Köln bereitete Müller mit einer Direktablage direkt in den Laufweg Robert Lewandowskis vor, der Mittelstürmer vollendete zu seinem 23. Saisontreffer, wuchtig unter die Latte. Vor Kingsley Comans schob Müller den Ball im Strafraum quer, und für Serge Gnabry servierte er mit der Hacke, doch der zweimalige Torschütze zielte um einen Meter am Pfosten vorbei (71.).

14-mal hat Müller mittlerweile in dieser Saison zu einem Bayern-Tor serviert. Er sieht sich als "Rädchen" in einem funktionierenden System. Und er selbst, so sagte der FCB-Spieler mit der Nummer 25, hätte "auch selbst gerne getroffen, ich hatte zwei richtig gute Torchancen in der ersten Halbzeit". Dennoch bot Müller - nicht mehr wie zuletzt von der rechten Flanke aus, sondern mehr in der Zentrale und da gewohnt umtriebig und im Strafraum präsent - eine starke Leistung. Der kicker stellte ihm nach dem 4:1-Sieg diese Fragen.

kicker: Herr Müller, wie bewerten Sie dieses Spiel in Köln?

Thomas Müller: Wir haben in der ersten Halbzeit einen super Fußball gespielt. Ich habe uns selten so spielfreudig gesehen. Wir hatten Kombinationen, an denen alle Spieler beteiligt waren, hatten gute Laufwege und waren technisch sauber. Und in den ersten zehn Minuten waren wir extrem effizient, zum Ende der ersten Halbzeit jedoch nicht mehr ganz so. Eigentlich hätten wir zur Pause 5:0 führen müssen, dann wäre das Spiel schon zu gewesen.

kicker: Warum war es nach dem Wechsel so deutlich anders?

Müller: Da ist aufgetreten, was wir schon in den letzten Spielen beobachten konnten: Wenn wir einen großen Vorsprung hatten, verstecken wir uns, machen es uns bequem, gerade wir Mittelfeld- und Offensivspieler bieten uns nicht mehr so an, und dann kommt der Gegner wieder ins Spiel. Es spricht natürlich nicht hundertprozentig für uns, dass Manuel Neuer noch zweimal super halten musste, nach einem in der ersten Halbzeit absolut überragenden Spiel von uns.

kicker: Ist es menschlich, dass die Mannschaft nach einer 3:0-Führung zurückschaltet?

Müller: Es ist menschlich, wir machen es uns zu gemütlich, weil wir uns einfach zu sicher fühlen. Und wenn wir schließlich 4:1 gewinnen, stützt es diese Einstellung. Aber natürlich wissen wir, dass wir uns das in der Champions League, wenn es in den Hin- und Rückspielen um das konkrete Ergebnis geht, absolut nicht erlauben dürfen.

kicker: Wie weit ist der FC Bayern mit Blick auf die heranrückende heiße Saisonphase?

Müller: Ich sehe uns in einer guten Periode und einer guten Verfassung. Wenn man die erste Halbzeit sieht - ich habe es ja nicht gesehen, aber auf dem Platz hat es sich echt super angefühlt. Es war zum Mit-der-Zunge-Schnalzen. Das Gute ist, dass wir es in der eigenen Hand haben. Wir müssen eben an die hundert Prozent herankommen, hundert Prozent Wege gehen und diese Gemütlichkeit ablegen und mit dieser Mentalität ins Spiel gehen - es war ja keine einfache Situation, die Konkurrenz hatte souverän vorgelegt, wir mussten unbedingt nachziehen und konnten nicht viel gewinnen, sondern mussten mit drei Punkten unsere Pflicht erfüllen. Entsprechend furios haben wir angefangen. Und wenn wir dazu in der Lage sind, sehe ich uns schon auf einem guten Weg. Die Kehrseite der Medaille wollen wir nicht mehr allzu oft sehen.

kicker: Wie beurteilen Sie die Gesamtlage an der Liga-Spitze?

Müller: Es ist ein schöner Vierkampf. Der neutrale Zuschauer findet es klasse - eventuell... Wir wollen natürlich schon schauen dass wir irgendwann in den nächsten Wochen - wenn es so läuft, wir es uns vorstellen - den Vorsprung ausbauen. Doch die Konkurrenz ist stark, das muss man anerkennen. Weder Dortmund, noch Leipzig, noch Mönchengladbach ließen irgendetwas anbrennen. Deswegen bleibt es spannend.

Interview: Karlheinz Wild

Bilder zur Partie 1. FC Köln - Bayern München