2. Bundesliga

HSV-Sportvorstand Boldt spricht über Neuzugänge, klare Ideen und ein mögliches weiteres Zweitliga-Jahr

Sportvorstand über seine Aufgabe in Hamburg und das Ziel Aufstieg

Boldt beim HSV: "Es fängt mit dem Büro an"

Jonas Boldt

"Erklären, warum du glaubst, dass Hamburg nicht so endet wie in der Vergangenheit": HSV-Sportvorstand Jonas Boldt. imago images

"Die Vereine, die zusammenhalten, die eine klare Struktur haben, die in eine Richtung arbeiten, das sind am Ende die, die erfolgreich sind. Die dann eben auch trotz des öffentlichen Drucks überzeugt sind von etwas und den Weg gehen, auch wenn es situativ den Menschen vielleicht nicht so gefällt" - eine Beschreibung von Jonas Boldt, die in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade auf den Hamburger SV zutraf. Wie war es nach vielen Jahren bei Bayer Leverkusen, "genau das Konträre zu machen" und zum vermeintlichen "Chaos-Klub" zu kommen?

Am Anfang schon ungewohnt, gesteht Boldt bei "kicker meets DAZN": "Es fängt mit deinem Büro an. Dann kommst du dahin, die meisten sind im Urlaub, in einer gefühlten Depression. Das Vertrauen ist nicht richtig dagewesen untereinander." Kein Wunder: "Wenn du jahrelang nur auf die Nuss kriegst, gehst du halt mehr in eine Schutzhaltung." Eine seiner Hauptaufgaben sah der neue HSV-Sportvorstand darin, diesen Zustand zu ändern. Und das habe schon gut geklappt. Die Geschäftsstelle sei wieder aufgeblüht, die Leute mutiger geworden.

"Wenn du etwas erreichen willst, musst du erst mal in Vorleistung gehen", findet der HSV-Sportvorstand: "Dass ein bisschen Vertrauen in manche Dinge fehlt und irgendwo eine Nervosität manchmal aufkommt, ist klar, die Jahre haben das eben so ergeben."

Und das Sportliche? Anfangs seien die Ergebnisse fast zu gut gewesen. Das habe die Erwartungshaltung gleich wieder nach oben getrieben: "Und dann gewinnst du vor Weihnachten nicht mehr jedes Spiel und es heißt wieder: 'Oh, hatten wir schon letztes Jahr'."

Im Winter verstärkte der HSV seine Mannschaft noch einmal, es kamen Louis Schaub vom 1. FC Köln, Louis Beyer aus Gladbach und Joel Pohjanpalo von Bayer Leverkusen. Anders als oft in der Vergangenheit keine "Harakiri-Aktionen", betont Boldt, sondern "mit einer klaren Idee, mit klaren Profilen". Dabei sei immer Überzeugungsarbeit nötig, potenziellen Neuzugängen zu erklären, "warum du glaubst, dass Hamburg funktioniert und nicht so endet wie in der Vergangenheit".

Was wäre denn, wenn der HSV den Aufstieg auch im zweiten Anlauf verpasst? "Der Verein ist so aufgestellt, dass er auch in der 2. Liga funktionieren würde - wirtschaftlich und auch von der Kaderstruktur und den Verträgen her", meint Boldt, betont aber: "Unser Ziel ist es trotzdem aufzusteigen. Ich bin total überzeugt, dass wir da auf dem richtigen Weg sind und, wenn wir so wie bisher an einem Strang ziehen, dass wir das Schiff dann auch in die richtige Richtung drehen."

In der neuen "kicker meets DAZN"-Folge spricht Jonas Boldt über seine ersten Schritte als Praktikant bei Bayern München und als Scout in Südamerika für Bayer Leverkusen. Der HSV-Vorstand verrät, warum Christoph Kramer ein tolles Beispiel für Spieler ist, die immer mehr machen mussten als andere, warum er Pfiffe gegen Kai Havertz überhaupt nicht nachvollziehen kann - und gesteht, einst ein Reiner-Calmund-Plakat aus einer Kneipe entwendet zu haben.

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