Bundesliga

Martin Schmidt und die Lehren des FC Augsburg aus dem "Haaland-Schock"

FC Augsburg braucht eine Alternative zur Attacke

Schmidt und die Lehren aus dem "Haaland-Schock"

Martin Schmidt ist Trainer des FC Augsburg.

Will die Balance finden: FCA-Coach Martin Schmidt. imago images

Nach zweimaliger Zwei-Tore-Führung rannte der FCA gegen den BVB kopflos ins Verderben. Binnen 20 Minuten fingen die naiv verteidigenden Augsburger vier Tore, alle nach ähnlichem Muster: Gegen die hoch stehende Augsburger Abwehr reichte ein präziser Pass in die Tiefe, schon liefen Erling Haaland, Jadon Sancho oder Thorgan Hazard alleine aufs Tor zu. Manager Stefan Reuter tadelte das Abwehrverhalten als "zu sorglos", "zu euphorisch" und kritisierte: "Wenn du keinen Druck auf den Ballführenden hast, musst du als Abwehr fallen."

Eigentlich ein einfacher Grundsatz. Aber zu viele Augsburger suchten weiter den Weg nach vorne - was Abwehrchef Jeffrey Gouweleeuw ebenfalls deutlich kritisierte. Weder die Spieler auf dem Platz noch der Trainer waren jedoch in der Lage gegenzusteuern. Obwohl die Kräfte sichtbar schwanden und das laufintensive Pressing immer schlechter funktionierte, nahm Schmidt bis zur 74. Minute keinen Wechsel vor. Er brachte weder einen zusätzlichen Defensivspieler noch reagierte er taktisch auf BVB-Joker Haaland und das neue Dortmunder 4-2-3-1.

Ein Versäumnis, das böse bestraft wurde. Schmidt sprach nach dem Spiel vom "Haaland-Schock". Allerdings verteidigte er seinen taktischen Ansatz. Es sei "unsere DNA", vorne zu attackieren und dabei gewisse Risiken einzugehen: "Wir hatten vorher viele Spiele, die wir genau deshalb gewinnen. Das steckt in der Mannschaft drin, das muss weiter lodern." Gegen Dortmund allerdings fehlte in der entscheidenden Phase eine Alternative zu diesem Vollgas-Fußball, der sich kaum über 90 Minuten aufrechterhalten lässt.

17 Gegentore ab der 61. Minute

Für die These, dass dem FCA nach furiosem Start zu häufig die Luft ausgeht, sprechen auch die folgenden Zahlen: In den jüngsten neun Partien lag Augsburg stets zwischenzeitlich in Führung, der Vereinsrekord von 2013/14 wurde somit eingestellt. Allerdings hat Schmidts Team in dieser Saison schon 18 Punkte nach Führung verspielt, die meisten der Liga. 17 Gegentore ab der 61. Minute sind der zweitschlechteste Wert hinter Mainz (18).

Das Beste wird eine Balance sein, daran werden wir arbeiten.

Martin Schmidt

Schmidt muss die richtigen Schlüsse aus diesen Zahlen und der letzten halben Stunde gegen Dortmund ziehen. "Wenn du dich am eigenen Sechzehner aufbaust, knacken sie dich auch irgendwann. Da habe ich lieber eine mutige Mannschaft", sagt der Schweizer, räumt aber ein: "Das Beste wird eine Balance sein, daran werden wir arbeiten." Grundsätzlich ist Schmidt aber "voll überzeugt", dass sein Ansatz aus Pressing und Umschaltspiel gegen Teams auf Augenhöhe greift und Punkte bringt - wie am Ende der Hinrunde. Diesen Beweis muss der FCA in den kommenden vier Spielen aufs Neue erbringen. Die Gegner heißen Union, Bremen, Frankfurt und Freiburg. "Wir sind gefordert", weiß der FCA-Coach. Das gilt für die Spieler, aber auch für ihn selbst.

David Bernreuther

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