Bundesliga

Union Berlin - Yunus Malli: "Ich bin lieber am Steuer"

Leihgabe aus Wolfsburg stellt sich vor

Malli: "Ich bin lieber am Steuer"

Yunus Malli

Von Wolfsburg nach Berlin: Yunus Malli spielt in der Rückrunde für Union. imago images

Wenn Union am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) den FC Augsburg empfängt, ist das nicht nur das Duell zweier Teams, die sich als direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt betrachten und in der Tabelle nur drei Punkte voneinander entfernt liegen. Für Malli könnte es auch zum Wiedersehen mit Mentor Martin Schmidt kommen. "Unter ihm", sagte der Neu-Berliner am Dienstag in einer Medienrunde, "hatte ich eine erfolgreiche Zeit." Obwohl sich die Wege nach gemeinsamen Stationen bei Mainz 05 und beim VfL Wolfsburg schon vor zwei Jahren trennten, sei man noch oft im Austausch. "Er hat mir auch zu dem Wechsel zu Union alles Gute gewünscht", berichtete Malli, schränkte allerdings ein, dass die guten Wünsche wohl erst "ab Sonntag" gelten.

Ob Malli am Samstag gegen Augsburg zum Zuge kommt, wird abzuwarten sein. Nach seinem Kaltstart am vergangenen Wochenende soll und will der 27-Jährige erst einmal in der neuen Umgebung ankommen, in seiner ersten Trainingswoche mit den neuen Kollegen alles besser kennenlernen. Mittelfristig geht es für den Techniker darum, zum einen den Klassenerhalt mit den Eisernen zu erreichen, zum anderen will er sich auch für eine Rückkehr in die Nationalmannschaft und damit für eine Teilnahme an der EM im Sommer empfehlen. Bei seinem Wechsel "spielte auch eine Rolle, dass ich zurück in den Kreis der Nationalmannschaft möchte", bestätigte Malli. Deshalb habe er auch mit Nationaltrainer Senol Günes über die Leihe zu Union gesprochen.

Ich wollte in der Bundesliga bleiben, weil ich hier noch nicht fertig bin.

Malli über seine Wechseloptionen

Wäre er in Wolfsburg geblieben, wäre das Comeback in der Nationalmannschaft schwierig geworden. Bei den Niedersachsen wurden Mallis Dienste in seinem dritten Jahr bei den Wölfen nicht mehr benötigt (kein Einsatz in der Liga, keiner im Pokal, zwei Kurzeinsätze in der Europa League). Nun versucht er sich in Berlin, bei Union. Es habe "ein paar Optionen" gegeben, wohl auch aus der Türkei, aber, so Malli, "ich wollte in der Bundesliga bleiben, weil ich hier noch nicht fertig bin". Und bei Union "hatte ich das beste Gefühl", sagte er, der beim Aufsteiger "zeigen will, was ich kann".

Wie und wo es dann nach der Saison mit ihm weitergeht, ließ Malli am Dienstag offen. Da der Leihdeal nur bis Saisonende läuft, laut Klubangaben keine Kaufoption vereinbart ist und außerdem Unions künftige Ligazugehörigkeit möglicherweise bis Saisonende ungeklärt bleibt, sucht Malli eine Wohnung in der Hauptstadt - allerdings erst einmal nur "für vier Monate" und bevorzugt "möbliert", wie er sagte. Da spielt es auch keine Rolle, dass er theoretisch pendeln könnte, ist Wolfsburg von Berlin doch mit der Bahn in gut einer Stunde zu erreichen. Malli aber sucht eine Bleibe, außerdem bevorzugt er offensichtlich das Auto als Verkehrsmittel. "Ich", sagte er, "bin lieber am Steuer".

Mallis Rolle? "Eine gewisse Kreativität reinbringen"

Das soll er in gewisser Weise auch beim 1. FC Union sein. Im auf viele lange Bälle angelegten Spiel des Bundesliga-Neulings könnte Malli im Mittelfeld das Puzzlestück sein, um das Offensivspiel des Aufsteigers zu verbessern. Malli sieht sich dafür zuständig, das "spielerische Element reinzubringen", wie er formulierte. "Meine Stärken sind in der Offensive, dass ich eine gewisse Kreativität reinbringen kann", ergänzte der Offensivspieler, den Trainer Urs Fischer auf der Zehnerposition oder der offensiven Außenbahn sieht.

Interessant wird sein, wie der Schweizer Coach seinen Neuzugang einbaut. Fischer ließ bei Union bisher einen robusten bis rustikalen Stil mit vielen hohen Bällen auf Mittelstürmer Sebastian Andersson pflegen. Der 53 Jahre alte Trainer legt sehr viel Wert auf Stabilität und Organisation, auf Anlaufverhalten und Defensivarbeit. Dem eher zierlichen Techniker Malli (1,79 m und 72 kg), der flach angespielt werden sollte, wurde allerdings schon zu Mainzer Zeiten nachgesagt, dass sein Defensivverhalten ausbaufähig sei - unter anderem von Fischers Landsmann Martin Schmidt. "Ich habe unter ihm schon viel gelernt, aber defensiv muss ich noch zulegen", meinte Malli. Grundsätzlich aber soll ihm Unions Umschaltfußball und die Jagd auf zweite Bälle vertraut sein. "In Mainz haben wir ähnlich gespielt", sagte Malli, der bei Union aber nicht nur aufgrund der Spielweise auf Bekanntes aus Rheinhessen trifft. Mit Sebastian Polter und Anthony Ujah spielte er gemeinsam in Mainz. Auch das könnte bei der schnellen Integration in Köpenick helfen.

Jan Reinold