Bundesliga

Polter mit Jokerrolle unzufrieden

Stürmer will mehr Einsatzzeiten - sonst Wechsel möglich

Polter mit Jokerrolle unzufrieden

Sebastian Polter

Will "am liebsten jedes Spiel von Beginn an rein und meine Tore schießen": Sebastian Polter. imago images

Aus Unions Trainingslager in Orihuela berichtet Andreas Hunzinger

Polter findet den Umstand, dass Andersson im Konkurrenzkampf der Union-Mittelstürmer vor Polter und Anthony Ujah zurzeit die Nase vorne hat, "nach seiner Hinserie auch völlig okay. Seb hat starke Leistungen gebracht und der Mannschaft viel geholfen". Aber die Pole Position, in der sich der Konkurrent befindet, ist auch Polters Problem. Denn der Mann, der in bislang 100 Pflichtspielen für die Eisernen bislang 46 Tore erzielte und im Januar 2017 von den Queens Park Rangers als großer Hoffnungsträger nach Köpenick zurückgekehrt war, ist in die Rolle des Einwechselspielers gerutscht.

Spielersteckbrief Polter

Polter Sebastian

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
RB Leipzig
40
2
Bor. Mönchengladbach
35
3
Bayern München
33
Trainersteckbrief Fischer

Fischer Urs

Und das korrespondiert nicht mit dem Anspruch des wuchtigen Angreifers (1,92 Meter, 94 Kilo). "Ich bin mit meinen Einsatzminuten in der Hinrunde natürlich nicht zufrieden, kein Prozent zufrieden", sagt Polter mit Nachdruck. Von den 19 Pflichtspielen, die Union im ersten Halbjahr der laufenden Saison absolvierte, bestritt Polter lediglich neun und davon nur zwei in der Startelf. Zwar avancierte der Angreifer, der bereits in der Saison 2014/15 für Union gespielt hatte, durch seinen verwandelten Elfmeter zum 1:0-Heimsieg im Derby gegen Hertha BSC zum Helden der Fans, dennoch ist Polter mit seiner Bilanz alles andere als einverstanden. Deshalb hat der Stürmer seinen Trainer im Hinrunden-Bilanz-Gespräch auch gefragt, wie die Perspektiven in der Rückrunde sind. Polter will mehr spielen und wichtig sein für eine Mannschaft, mit einer Rolle als Joker mag er sich nicht anfreunden.

Und so betont er im Rahmen der Medienrunde im Teamhotel in Orihuela zwar, dass er zurzeit "mit dem Kopf zu 100 Prozent bei Union" sei und dass er sich auf nichts Anderes konzentriere als auf die anstehende Rückrunde. Aber Fakt ist auch: Der Vertrag des blonden Hünen bei Union läuft am Saisonende aus, und wenn sich an seinem Status als Joker nichts Wesentliches ändern sollte, steht auch ein Abschied aus Köpenick zur Debatte. Abseits dessen, dass ihm kein Angebot von Union vorläge, so Polter, müsse man sich anschauen, ob es angesichts seiner momentanen Rolle und bei nicht eintretender Besserung einen Sinn ergebe, über den 30. Juni hinaus bei Union zu verlängern. Klar ist für ihn: "Ich möchte mehr Einsatzzeiten bekommen, viel mehr. Ich glaube, dass ich auch die Qualität habe für mehr Einsatzzeiten, als die, die ich bekommen habe. Dafür trainiere ich hart." Eine Rolle als Joker "wäre mir zu wenig, das habe ich schon immer gesagt. Ich möchte am liebsten jedes Spiel von Beginn an rein und meine Tore schießen. Ich habe keine Tore immer geschossen, wenn ich gespielt habe." Dass es ihm sehr schwerfallen würde, Union im Ernstfall zu verlassen, verhehlt Polter nicht. Schließlich bedeute ihm der Verein sehr viel. Und so sagt er: "Ich habe damals den Vertrag hier unterschrieben und den Glauben gehabt, mit Union in die Bundesliga zu gehen und Geschichte zu schreiben. Das ist in meinem Kopf und nicht irgendwelche Angebote."

Bleibt Polter aber auch weiterhin nur Teilzeitkraft, "wird man sich natürlich im Laufe der Rückrunde damit beschäftigen müssen, weil mein Vertrag ausläuft", so der Angreifer, dessen Prämisse zunächst aber mal ist: "In erster Linie versuche ich, meine Leistung zu bringen. Ich glaube nach wie vor, dass ich die Rolle einnehmen kann, für die ich 2017 verpflichtet wurde, davon bin ich voll überzeugt." Ein Ausrufezeichen hat Polter im Trainingslager in Spanien zumindest gesetzt. Im ersten Testspiel am Montagvormittag gegen den belgischen Zweitligisten Oud Heverlee Leuven (2:1) sorgte er für den 2:1-Siegtreffer. Und noch geht der Stürmer auch davon aus, dass er seinen Vertrag erfüllen wird. Ein eventueller Wechsel im Winter steht eigentlich nicht auf der Agenda, ganz ausschließen tut ihn Polter aber nicht. "Wenn mir ein Verein etwas anbietet, von dem ich denke, dass kann auch für die Zukunft etwas werden, dann muss man das natürlich besprechen", sagt er, "das kann auch für den Sommer sein." Sein kann es aber auch, dass Polter bei Union verlängert. Wenn sich etwa sein Status im Team des Bundesliga-Neulings ändert. Ansonsten könnte seine zweite Etappe beim 1. FC Union im Sommer nach dann insgesamt dreieinhalb Jahren vorbei sein.

Andreas Hunzinger