Nach der Auswärtsniederlage in Osnabrück

Hecking: "Wir haben gedacht, wir können hier Prima Ballerina spielen"

Dieter Hecking

Sichtlich unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: HSV-Trainer Dieter Hecking. imago images

Woran hat's gelegen, dass der Zweitliga-Primus sich erstmals seit dem verlorenen Derby beim FC St. Pauli am 6. Spieltag geschlagen geben musste und nun Gefahr läuft, die Tabellenführung an die noch punktgleiche Arminia aus Bielefeld zu verlieren? Zunächst muss man zwischen dem HSV auf heimischem Terrain und dem in der Ferne unterscheiden. Zuhause fuhren die Hansestädter 19 von 21 möglichen Punkten ein - mehr als souverän. Auswärts sieht das hingegen anders aus: zehn Zähler aus acht Spielen sind zwar keine Krise, aber auch nicht der Heimbilanz entsprechend (2/4/2). Die Hecking-Elf ist seit nunmehr sechs Auswärtsspielen ohne Sieg.

"Hätte auch fünf bis sechs andere Spieler auswechseln können"

Dabei war der HSV gewohnt selbstbewusst an der Bremer Brücke gestartet. Dem Führungstreffer stand lediglich der Pfosten im Weg (23.). Doch dann wandte sich das Blatt und die Lila-Weißen spielten plötzlich auf. "Wir haben nach 20 Minuten gedacht, wir können hier Prima Ballerina spielen. Das geht einfach nicht. Wir haben den Gegner durch zu viele unsaubere Aktionen, fehlerhaftes Passspiel und verlorene Zweikämpfe ins Spiel kommen lassen", erklärte sich Hecking den Leistungseinbruch nach rund 20 Minuten. "Wir hatten viele Spieler, die in der ersten Hälfte so gut wie keinen Zweikampf gewonnen haben. Ich hätte auch noch fünf bis sechs andere Spieler auswechseln können", fügte der 55-Jährige an. Dann wäre aber auch schon seine gesamte Ersatzbank auf dem Feld gewesen, denn die Hamburger reisten aufgrund der Personalnotlage lediglich mit 17 Spielern an.

Gegen Ende des ersten Durchgangs klingelte es dann zweimal im Kasten von HSV-Keeper Heuer Fernandes. Zunächst verwandelte Schmidt sein traumhaftes Solo eigenhändig zur 1:0-Führung (37.), dann köpfte Blacha noch in der bereits abgelaufenen einminütigen Nachspielzeit ein (45.+2). "Beide Gegentore waren absolut vermeidbar. Das ist natürlich nichts gegen die Einzelaktion von Schmidt, aber das war einfach kein Abwehrverhalten, das man als Trainer gerne sieht", kommentierte der Hamburger Coach den 0:2-Rückstand zur Halbzeit.

Hecking, der natürlich um die fußballerische Qualität seiner Mannschaft weiß, beanstandete vor allem das Zweikampfverhalten, das er als Grund für die Misere sieht: "Wir müssen begreifen, dass uns nichts geschenkt wird. Das Wesentliche in der 2. Bundesliga ist, das körperbetonte Spiel anzunehmen. Wir müssen lernen, auswärts dreckiger zu spielen, mehr in die Zweikämpfe zu investieren."

"So wie wir heute gespielt haben, wäre ein Punktgewinn nicht verdient gewesen", rundete der 55-Jährige seine Einschätzungen ab.

phb