Ist Kohfeldts Team gerüstet für Abstiegskampf?

Werder: Die trügerische Sicherheit

Bringt er seine Schützlinge zurück in die Spur? Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Bringt er seine Schützlinge zurück in die Spur? Werder-Coach Florian Kohfeldt. imago images

Ganze zwei Punkte vorm Tabellensechzehnten Mainz, der gerade seinen Trainer gefeuert hat. Und hinter den nominellen Kellerkindern Union Berlin sowie Fortuna Düsseldorf. Die bange Frage drängt sich also auf: Sind die Grün-Weißen für diese unerwartete Drucksituation tatsächlich gerüstet?

"Zu gut", um im Abstiegsstrudel zu versinken?

Die Qualität der Einzelspieler und das fußballerische Auftreten, auch beim jüngsten 1:3 in Gladbach, lassen vordergründig nur eine Erwartung zu: Milot Rashica und Kollegen sollten sich im Handumdrehen in gesicherte Tabellenregionen schießen. Doch der Trugschluss, "zu gut" zu sein, um im Abstiegsstrudel zu versinken, fand in der Bundesliga-Historie schon zahlreiche Opfer.

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Das tückisch Paradoxe: Gerade die Gewissheit um die eigene Klasse kann zum großen Risikofaktor werden - und der droht auch den Bremern. "Wer das Spiel in Gladbach gesehen hat, kann nicht ernsthaft sagen, dass der Weg der falsche ist", erklärte Kohfeldt am Sonntag. Damit hat er objektiv komplett Recht. Zweifelhaft scheint nur, ob es Ziel führend ist, aktuell weiterhin die positiven Aspekte in den Vordergrund zu rücken. Genau das kann schließlich zu einer trügerischen Sicherheit verleiten.

Gravierende Mängel im Abschluss und im Abwehrverhalten

Noch wirken die Bremer Profis keineswegs vor Angst gelähmt, sondern voll überzeugt von der baldigen Wende zum Guten. Selbstkritik wird zwar seit längerem reichlich geäußert, doch es bleibt bei sich Woche für Woche wiederholenden Lippenbekenntnissen zu mehr Konsequenz und Aufmerksamkeit auf dem Rasen. Auch nach Gladbach betonten etwa Davy Klaassen oder Leo Bittencourt, wie wichtig es sei, "dass wir von unserem Weg überzeugt bleiben". Aber damit verkennen selbst so erfahrene Stammkräfte den Kern des Problems: Niemand käme auf die Idee, Werders weiterhin attraktive, mitreißende und - was eigene Torchancen angeht - auch produktive Spielweise zu kritisieren. Sondern allein die gravierenden Mängel im Abschluss und im Abwehrverhalten.

Baumann: "Im Fußball zählen nun mal Tore und Gegentore"

Dass diese Punkte elementar sind, wird von den Beteiligten zwar häufig beschworen, scheint aber nach wie vor nicht komplett verinnerlicht. Kohfeldt hat das schon nach dem 2:2 gegen Freiburg angedeutet: "Bei unserer Art Fußball zu spielen kann man das Gefühl entwickeln: Das wird schon kommen. Aber darauf kannst du dich nicht verlassen." Manager Frank Baumann brachte es jetzt auf den simplen Nenner: "Im Fußball zählen nun mal Tore und Gegentore." Beides fällt nicht vom Himmel. Das immer wieder angedeutete Potenzial der Mannschaft ist das Eine. Die Schwächen von Akteuren wie Verteidiger Marco Friedl (im dritten Ligaspiel nacheinander kicker-Note 5 bzw. schlechter) oder dem wiederholt patzenden Keeper Jiri Pavlenka stellen aber ganz konkrete Probleme dar. Die, unter anderem, Werder in eine Lage manövriert haben, in der Sorglosigkeit gewiss kein guter Ratgeber sein kann.

Thiemo Müller

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