2. Bundesliga

Fan-Frust bei Valentini: "Da blutet mir das Herz"

Krachende Niederlage, Stimmungsboykott, Frankenderby vor der Brust

Fan-Frust bei Valentini: "Da blutet mir das Herz"

Die Nürnberger Mannschaft stellt sich den Fans

Die Nürnberger Mannschaft stellte sich nach dem Spiel gemeinschaftlich dem Fan-Frust. imago images

Im Max-Morlock-Stadion war es an diesem Sonntagnachmittag verdächtig still. Der Großteil der 28.624 Zuschauer, darunter auch die organisierte Anhängerschaft in der Nordkurve, strafte den 1. FC Nürnberg mit Schweigen. Stimmung machten eigentlich nur die mitgereisten Fans von Arminia Bielefeld - dazu hatten diese auch allen Grund. Der DSC, durch den dritten Ligasieg in Folge neuer Spitzenreiter der 2. Bundesliga, spielte gegen einen erschreckend desolaten Club im Stile eines Tabellenführers und demontierte das Team von Interimstrainer Marek Mintal auch in der Höhe verdient mit 5:1.

Klare Worte aller Beteiligten

Startelfdebütant Felix Lohkemper sprach infolgedessen von einer Katastrophe, Kapitän Hanno Behrens attestierte seinem Team Naivität und insgesamt einen "Scheiß-Tag". Deutlicher wurde Mintal. "Wir haben richtig auf die Fresse bekommen", legte der 42-Jährige schonungslos die Unterlegenheit seiner Mannschaft an diesem Nachmittag offen.

Spielersteckbrief Valentini

Valentini Enrico

2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Arminia Bielefeld
28
2
Hamburger SV
26
3
VfB Stuttgart
23
Trainersteckbrief Mintal

Mintal Marek

So brichst du dir in fünf Minuten das Genick.

Enrico Valentini

Dabei hatte das Unternehmen "Neuanfang" eigentlich vielversprechend begonnen. Der Club begann forsch, zwang die Arminia in den Anfangsminuten zu Ballverlusten und wirkte, als ob er den im Vorfeld getätigten Worten Taten folgen lassen werde. Nach der Entlassung von Ex-Trainer Damir Canadi sollte eine Reaktion gezeigt werden. "Zehn Minuten haben wir das geschafft", rechnete Enrico Valentini knallhart ab. "Dann kassieren wir direkt in den ersten drei Aktionen drei Tore und stellen uns dabei alle blöd an." Die bittersüße Erkenntnis des Nürnbergers: "So brichst du dir in fünf Minuten das Genick."

Schweigen gepaart mit gellendem Pfeifen

Dementsprechend war die Partie nach der 15. Minute eigentlich schon gelaufen. Jonathan Clauss (10.), Andreas Voglsammer (13.) und Fabian Klos (15.) hatten binnen sechs Minuten drei satte Wirkungstreffer gelandet, die auch am Publikum nicht spurlos vorübergingen. Ein Stimmungsboykott wurde lediglich durch diverse gellende Pfeifkonzerte respektive Schimpftiraden nach Abpfiff durchbrochen. "Ich verstehe jeden Frust", konnte Valentini diese Reaktionen durchaus nachvollziehen - zumindest fast alle. "Am Ende des Tages ist es so, dass mir das Herz blutet, wenn ich höre, dass wir alle gehen können", so der gebürtige Nürnberger.

Nach dem Seitenwechsel kam der Club durch Asger Sörensen zwar noch auf 1:3 heran (59.) - lange sollte der Aufschwung jedoch nicht halten. Es hallte noch die Tormusik durch das Achteck, "da killen wir uns ja wieder mal selbst", kommentierte Valentini das postwendende 1:4 (60.). "Jede Hoffnung, die da aufgekeimt ist, die haben wir selbst erstickt." Letztlich brauche man nicht groß reden und auch "gar nicht groß Parolen schwingen", forderte Valentini sich selbst ("Ich bin der erste, der sich kritisieren muss") und auch seine Mannschaftskollegen auf, sich "zu hinterfragen". Es gelte, "dass sich jeder an die eigene Nase fasst", schließlich rutscht der Club dem Abgrund bedrohlich nahe. Das ominöse Wort "Abstiegskampf" wollte Valentini nicht explizit in den Mund nehmen, jedoch sei "jeder persönlich gefragt, um aus dieser Situation herauszukommen. Unabhängig davon, wie wir das benennen."

Der Blick geht in Richtung Frankenderby

Valentini nahm Mintal indes in Schutz. Das komplett misslungene Debüt des einstigen "Phantoms" soll kein Gradmesser für die Arbeit des Slowaken sein. Vielmehr habe der Interimscoach "eine gute Woche gemacht und uns gut eingestellt. Die Fehler waren nicht seine Schuld oder irgendwelche taktischen Dinge. Das sind individuelle Fehler, die passiert sind."

In den kommenden zwei Wochen muss der Club nun daran arbeiten, ebendiese Fehler abzustellen und eine Reaktion zu zeigen, die diesmal mehr als nur zehn Minuten andauert. "Wir müssen schauen, dass wir knallhart zu uns selbst sind - auch im Training", packte Valentini seine Mitspieler bei der Ehre. "Da muss es auch mal krachen." Schließlich wartet nach der Länderspielpause nichts Geringeres als das 265. Frankenderby gegen die SpVgg Greuther Fürth. Und gegen den Rivalen aus der Nachbarstadt ist in der derzeitigen Lage alles andere als ein Sieg wohl zu wenig. Das weiß Valentini, und dem "muss sich jeder andere jetzt auch schon bewusst sein".

kög

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