Paderborner Mauer-Ärger: "Muss vorsichtig sein, was ich sage"

Przondziono erhebt Vorwürfe - Thomsen wehrt sich

Steffen Baumgart

"Jetzt muss ich vorsichtig sein, was ich sage": Paderborn-Coach Steffen Baumgart. Getty Images

Am 30. Jahrestag des Mauerfalls ging es in Paderborn um eine andere Mauer. Die Ostwestfalen bemängelten, dass ein Augsburger beim Siegtor der Gäste, das Philipp Max per direktem Freistoß erzielte, zu nah an der Mauer gestanden habe - was seit dieser Saison verboten ist. Wenn die Mauer aus drei oder mehr Spielern besteht, müssen die Akteure der angreifenden Mannschaft mindestens einen Meter Abstand zur Mauer einhalten - sonst gibt es einen indirekten Freistoß.

Przondziono: "Das muss man echt mal in die Öffentlichkeit bringen"

"Verlierst wieder unverdient, verschießt ein Elfer, kassierst ein irreguläres Tor", regte sich Paderborns Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono in den Stadionkatakomben auf und erhob zudem deutliche Vorwürfe gegen den vierten Offiziellen Martin Thomsen. "Man kann ja einen Fehler machen als Schiri, aber wenn mir der vierte Offizielle - und das muss man echt mal in die Öffentlichkeit bringen - sagt, 'Dann spielt ihr Blinden doch besser Fußball' in der Halbzeit, wenn der vierte Offizielle das zu mir sagt, dann ist jetzt das Maß voll", war Przondziono wütend.

Thomsen wehrt sich via DFB-Mitteilung

Am Sonntag versendete der DFB eine Mitteilung, in der der verbal kritisierte Thomsen Stellung bezog und Przondzionos Vorwürfe weit von sich wies: "Die von Herrn Przondziono getätigte Aussage ist absolut haltlos und entbehrt jeglicher Grundlage. Ich versichere, dass ich diese und auch sonst keine Äußerung, die annähernd in diese Richtung zu verstehen sein könnte, zur Paderborner Spielweise getätigt habe. Demzufolge möchte ich in aller Deutlichkeit festhalten, dass die Aussage von mir nicht getätigt wurde. Den Vorwurf einer wie auch immer gearteten Beleidigung weise ich auf das Schärfste zurück."

Baumgart: "Dafür haben wir den Videoassistenten eingeführt"

Auch Steffen Baumgart war nach dem Spiel erbost - vor allem, weil der Videoschiedsrichter sich nicht gemeldet hatte. "Für mich ist es eine Frechheit. Wenn der Schiedsrichter gerade woanders hinguckt, kann ich das akzeptieren", meinte der SCP-Trainer: "Aber damit solche Situationen überprüft werden, haben wir den Videoassistenten eingeführt. Der hat eine Minute länger Zeit sich das anzugucken. Das nicht zu tun und dann so einen Scheiß zu erklären...Jetzt muss ich vorsichtig sein, was ich sage." Laut Sky hatte VAR Markus Schmidt erklärt, dass es keinen Grund für eine Intervention gegeben habe.

Er frage sich langsam, "ob die die Leute verarschen wollen. Das ist das, was mich stört", meinte Baumgart. Für ihn habe es sich um eine klare Fehlentscheidung gehandelt. "Wenn er sich das angeguckt hätte und gesagt hätte, es ist alles korrekt gewesen, okay. Dann ändere ich es nicht. Aber es gar nicht erst ins Spiel zu bringen..." Die Partie durch so eine Situation zu verlieren, sei "schon grenzwertig".

Fritz erklärt sich und betont: "Da darf der VAR nicht eingreifen"

Schiedsrichter Marco Fritz bezog nach dem Spiel Stellung. "Ich habe praktisch zwei Mauern zu begutachten. Es gibt eine Hauptmauer und es stehen zwei Paderborner Spieler nochmal versetzt, die aber regeltechnisch keine Mauer bilden. Das heißt, dort dürfen die Augsburger Spieler sich aufhalten", erklärte der Referee seine Sicht der Dinge: "Ob sich jetzt einer von denen zu früh zur Hauptmauer hinbewegt hat, das mag sein, von daher ja, dann kann man sich aufregen. Dann war er keinen Meter weg, dann war er vielleicht noch 60 Zentimeter weg. Was ich aber auf dem Platz nicht wahrnehmen kann, denn ich muss die komplette Mauer und alle Spieler im Griff haben. Und sorry, da sind meine Ressourcen dann irgendwann begrenzt."

Hätte der VAR ermitteln können, ob der erforderliche Abstand eingehalten worden war? "Die Technologie hätte es hergegeben, das Protokoll aber nicht", stellte Fritz klar: "Diese Entscheidung muss von mir auf dem Platz getroffen werden, da darf der Videoassistent nicht eingreifen."

Den SC Paderborn bringt die ganze Diskussion ohnehin nicht weiter. Im Tabellenkeller der Bundesliga droht der Aufsteiger mit nur vier Punkten schon früh in der Saison den Anschluss zu verlieren.

ski/hie/mri