Nationalspieler verrät: Auszeit war mehr als eine Frage der Frische

Tah über Tief, Wendepunkt und Frust

"So ein Spiel zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes": Leverkusens Nationalspieler Jonathan Tah. imago images

Diese Saison ist bislang nicht die von Jonathan Tah und auch nicht die von Bayer 04 Leverkusen. Wie der Nationalspieler, der in der Sommerpause im Dauerstress war, hat auch die Mannschaft von Peter Bosz noch nicht die Topform der Rückrunde erreicht. Umso wichtiger war das erste Erfolgserlebnis in der Champions League mit dem 2:1 gegen Atletico Madrid. "So ein Spiel zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes. Es gibt uns Selbstvertrauen für das letzte Spiel vor der Länderspielpause", erklärt der Nationalspieler bei Bayer-04-TV, der einen Grund für den Sieg auch im emotionalen Bereich sieht: "Vielleicht war es auch ein Stück weit Frust, weil wir in den vergangenen Spielen, in denen wir nicht so gepunktet haben, trotzdem nicht schlecht gespielt haben."

Eine Sommerpause, die keine wirkliche war

Mit negativen Gefühlen musste sich Tah auch persönlich in dieser Spielzeit auseinandersetzen. Geschlaucht von einer Sommerpause, die aufgrund der Teilnahme an der U-21-EM sowie zuvor seiner Nominierung für die A-Nationalelf für ihn keine wirkliche war, suchte der Rechtsfuß seine Form und wurde von Trainer Peter Bosz Ende November gegen Union Berlin und beim FC Augsburg sogar zweimal in Folge nicht für Bayers Startelf nominiert.

Eine Situation, die für ihn Neuland war und nicht nur mit der zu hohen Belastung zusammenhing, die Bosz ("Die Pause habe ich ihm damals gegeben, weil er nicht mehr so frisch war") am Freitag als Begründung dafür anführte. So verrät Tah mit Blick auf diese Phase: "Ich konnte viel dazulernen. Der Trainer hat mich zwei Spiele rausgenommen, weil er ein paar Punkte hatte, die ihm nicht gefallen haben. Bei denen er einfach sehen wollte, dass ich daran arbeite."

Die Reaktion Tahs, der sich gegen Atletico verbessert zeigte, hat Bosz offenbar gefallen. In so einer Situation "kann man sich entscheiden: Entweder bin ich jetzt beleidigt und sitze noch weitere Spiele auf der Bank oder ich nehme das an. Und wenn du weißt, dass der Trainer dir helfen möchte, nimmst du es halt an und versuchst, es umzusetzen. Ich glaube, ich habe es in den letzten Spielen auch so gut wie möglich gemacht."

Tah: "Natürlich schaust du auf die Tabelle"

Tah kämpft darum, wieder komplett in die Spur zu kommen. Bayer 04 muss aufpassen, die der vorauseilenden Teams nicht zu verlieren. "Natürlich schaust du auf die Tabelle, auf die Punkte", sagt der Hüne, "wir sehen, dass es noch sehr eng ist." Noch. Damit es so bleibt, muss ein Sieg in Wolfsburg her, sonst reißt für den derzeitigen Tabellenzehnten womöglich eine erste Lücke zu den Champions-League-Plätzen auf.

Tah: "Das kann ein kleiner Wendepunkt sein"

Doch Tah ist zuversichtlich, dass dies nicht eintritt, sieht das Momentum auf Leverkusener Seite. Und das nicht nur, weil Wolfsburg nach starkem Start zuletzt drei Niederlagen mit insgesamt 2:12 Toren hinnehmen musste. Bayer hingegen reist mit dem Rückenwind des Sieges gegen Atletico nach Niedersachsen. "Wir haben vorher gut gespielt, aber keine Punkte gesammelt. Jetzt haben wir gut gespielt und auch die verdienten Punkte geholt. Das tut allen gut und kann ein kleiner Wendepunkt sein", glaubt der Abwehrspieler, "jetzt waren wir ein bisschen kaltschnäuziger und konsequenter."

Diese Attribute muss Bayer auch am Sonntag an den Tag legen. "Wir versuchen, dasselbe auf den Platz zu kriegen wie gegen Atletico, als wir gekämpft, aber auch gut Fußball gespielt haben", fordert Tah, der trotz der nicht bis ins letzte überzeugenden Auftritte von Bayer glaubt: "Wir hätten in den letzten Spielen mehr verdient gehabt. Wir wissen um unsere Qualitäten. Wenn wir die Konsequenz wie gegen Atletico an den Tag legen, werden wir auch punkten." Und er fügt an: "Wir wollen auch da oben mitspielen und gehören auch da oben hin." Was alles am Sonntag in Wolfsburg zu beweisen wäre.

Stephan von Nocks

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