Geschäftsführer sieht trotz Ergebniskrise keine Alarmzeichen

Völlers Rüffel für Wendell und Bailey

Leon Bailey

Holte sich unnötig Rot ab: Leon Bailey. imago images

Es war eine Niederlage, die nervte. Und zwar gehörig. Dementsprechend fielen die Einordnungen aus, die Geschäftsführer Rudi Völler nach dem 1:2 gegen den Tabellenführer vornahm. "Gladbach macht ein mittelmäßiges Spiel und macht die Tore und ist Tabellenführer. So einfach ist es", resümierte der Sport-Boss nach zwei Punkten aus den jüngsten vier Ligaspielen, "wir machen das nicht. Für den Aufwand den wir betreiben, ernten wir zu wenig. Bei der Qualität, die wir haben, ist das zu wenig."

Wobei zumindest festzustellen ist, dass Bayer diese Qualität nicht wirklich in Ergebnisse umsetzen kann. Die vier Ligasiege fuhr Bayer gegen Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Augsburg ein, alles Abstiegskandidaten. Dass es gegen alle anderen Gegner - gegen Hoffenheim (0:0), in Dortmund (0:4), gegen Leipzig (1:1), in Frankfurt (0:3), gegen Bremen (2:2) und nun gegen Gladbach (1:2) - nur zu drei Punkten reichte, ist nicht nur mit Pech und Abschlussschwäche zu erklären.

Knackpunkt Chancenverwertung

Völler sieht in der Chancenverwertung jedenfalls den Knackpunkt. "Bei allem Respekt vor Gladbach: Grundsätzlich sind sie nicht besser als wir, auch wenn sie sieben Punkte mehr haben als wir. Aber es gibt das berühmt berüchtigte Wort effektiv. Das waren sie leider. Und wir halt nicht. Der Gegner hat weniger Chancen, macht aber mehr Tore als wir. Das war bis auf das Leipzig-Spiel fast immer so. Das ist der Hauptkritikpunkt", analysierte der 59-Jährige, "das ist, was sich in der ganzen Saison, auch in den Spielen, die wir gewonnen haben, durchzeiht: Hinten kriegen wir zu viele rein und vorne machen wir bei unseren vielen Möglichkeiten zu wenig Tore."

Doch Bayer ist auch die defensive Stabilität gegenüber dem ersten Halbjahr unter Bosz flöten gegangen. "In der Rückrunde waren wir zwar oft dominant, aber wir haben auch die Tore gemacht. Dass wir hinten durch die Spielweise immer auch mal einen kassieren, das ist halt mal so", sagt Völler zwar. Doch das Thema Gegentreffer ist differenziert zu betrachten. Schließlich kassierte die Bosz-Elf gegen Gladbach keine "system-typischen" Kontertore, sondern zwei Treffer aus dem Gladbacher Positionsspiel heraus.

Wenn Basics nicht erfüllt werden

Gegentreffer, bei denen Basics nicht erfüllt wurden und nicht nur Wendells Ausrutscher vor dem 0:1 zu bemängeln war. "Beim ersten Tor rutscht Wendell aus. Auch das ist ein Thema", räumte Völler ein, der erstmal einen Rüffel an den brasilianischen Linksverteidiger verteilte: "Es gibt, glaube ich, keinen Bundesligaspieler, der so viel ausrutscht wie Wendell. Auch wenn die anderen nicht ausrutschen. Das ist für mich auch ein Rätsel. Aber er ist nicht der Alleinschuldige." Vielmehr verteidigte Bayer zweimal im Kollektiv schlecht.

Ein wirklich individuelles Problem war der Aussetzer von Leon Bailey, der sich bei seinem Comeback nach einem Faserriss direkt eine Rot-Sperre einhandelte, weil er, am Boden liegend, Gladbachs Patrick Herrmann gegen das Knie trat. "Das kam noch als i-Tüpfelchen dazu", kommentierte Völler angefressen, "das war blöd, völlig unnötig. Dafür wird er bezahlen müssen." Dabei wird dem Jamaikaner die Geldstrafe im fünfstelligen Bereich weniger wehtun als die Spiele, die er durch die bevorstehende Sperre verpassen wird.

Für das Gruppenspiel in der Champions League gegen Atletico Madrid am Mittwoch gilt dies aber nicht. Dort darf der Linksaußen auflaufen. Unabhängig davon gibt sich Völler zuversichtlich, dass in der Königsklasse der erste Punktgewinn gelingt, "Ich glaube dran", sagt Völler, der seine Zuversicht mit den erspielten Tormöglichkeiten begründet. "Wenn du spielst und hast keine Chancen, dann ist das ein Alarmzeichen. Dann hast du etwas verkehrt gemacht." Doch Letzteres gilt für Bayer trotz der vorhandenen Torchancen.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - Bor. Mönchengladbach