Top-Werte bei den Statistiken nützen Stuttgart nichts

Nur 69 Pässe kamen an: Wiesbadens skurriler Auswärtssieg

Ekstase nach Abpfiff: Rüdiger Rehm und seine Wiesbadener feiern den 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart.

Ekstase nach Abpfiff: Rüdiger Rehm und seine Wiesbadener feiern den 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart. imago images

"Fußball wird eben nicht nur durch Qualität entschieden, sondern auch durch Mentalität." Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm brachte es am Mikrofon von "Sky" auf den Punkt. Der SVWW überzeugte vor allem im ersten Durchgang mit schnellen Gegenzügen nach Ballgewinnen und einem eiskalten Torjäger in den eigenen Reihen: Manuel Schäffler blieb zweimal eiskalt vor dem Kasten und schoss die Hessen in Front.

Stuttgart stellt Zweitliga-Rekord auf

Nach Wiederanpfiff wurde Stuttgart stärker, doch die aufopferungsvoll kämpfenden Wiesbadener brachten den Vorsprung trotz 18-minütiger Unterzahl gerade so über die Zeit. Mit viel Leidenschaft und noch mehr Fortune, wie Rehm eingestand: "Wir haben alles reingeworfen und haben uns heute vielleicht auch mal verdient, den Dreier mitzunehmen mit sicherlich viel, viel Glück."

Gleich viermal traf Stuttgart im zweiten Durchgang den Pfosten, gleich mehrfach rettete ein Wiesbadener in der Schlussphase auf der Linie, einmal schossen sich die Stuttgarter sogar selber ab - keine Frage: Über einen Ausgleichstreffer hätte sich niemand beschweren können. Das zeigt auch die Statistik. Und zwar neongelb markiert und doppelt unterstrichen: Nach Abpfiff hatte der VfB 84,5 Prozent Ballbesitz. Laut Erheber "opta data" ein neuer Zweitligarekord.

Wiesbaden mit 45-Prozent-Passquote

Auch die Passwerte sprechen eine klare Sprache. Stuttgart spielte mehr als fünfmal so viele Pässe wie Wiesbaden (826:152), trotzdem hatten die Hessen mehr Fehlpässe (81:83). Die Passquote der Cannstatter (90 Prozent) war demnach doppelt so hoch wie die des Gegners (45 Prozent). "Ich glaube, wenn wir hier eine hundertprozentige Passquote hätten, wäre es überragend", sprach Rehm die Schwere der Umstände an. Auch beeindruckend: Im gesamten Spiel brachte der SVWW gerade einmal 69 Pässe an den Mann.

Ernüchtert: Stuttgarts Trainer Tim Walter war mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden, bleibt aber optimistisch.

Ernüchtert: Stuttgarts Trainer Tim Walter war mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden, bleibt aber optimistisch. imago images

Wie auch immer: Es reichte, denn Statistiken sind nicht ausschlaggebend, wie das Endergebnis klar widerspiegelt. Aussagekräftig ist hingegen ein Blick auf die Torschüsse. Hier führt der VfB nach Abpfiff mit 29:6 - ein Indiz für den Stuttgarter Chancenwucher. "Heute hätten wir glaube ich noch vier Stunden spielen können, wir hätten kein Tor geschossen", schmunzelte Coach Tim Walter deshalb.

Didavi und Sosa: Diagnosen sind da

Der Unterschiedsspieler laut Walter? Manuel Schäffler, der mit seinem Doppelpack nun bereits acht Liga-Tore erzielte und diese Wertung anführt. "Ich glaube, dass wir in der zweiten Hälfte 15, 20 Bälle hatten, die nicht ins Tor gingen und er hat im Moment einen Lauf und haut sie dann auch rein. Und das macht er richtig gut." Der Matchwinner selbst gab sich zurückhaltend und leitete das Lob an seine Mitspieler weiter: "Ich muss die Mannschaft einfach loben, weil sie läuferisch und kämpferisch ein Riesenspiel geliefert hat. Wie wir die Bälle von der Linie gerettet haben, war unglaublich gut."

Für den VfB sei die Niederlage zwar bitter, aber sicher kein Beinbruch, wie Walter hervorhob: "Das wirft uns alles nicht um, wir sind auf einem guten Weg. Daraus lernen wir, aber so etwas wirft uns nicht zurück." Was den Stuttgartern mittelfristig weh tun könnte, sind die Ausfälle von Daniel Didavi (Verdacht auf Muskelfaserriss) und Borna Sosa (Verdacht auf Gehirnerschütterung), die jeweils verletzungsbedingt ausgewechselt werden mussten.

mxb