Bayern: Alaba absolvierte Teile des Teamtrainings

Hernandez: So lief sein Start bei Bayern

Lucas Hernandez

Bayerns Rekordmann Lucas Hernandez: Guter Start mit Luft nach oben. imago images

Eine fixe Ausstiegsklausel von 80 Millionen Euro ermöglichte dem FC Bayern, den Verteidiger von Atletico Madrid nach München zu holen. Lucas Hernandez stimmte diesem Wechsel zu. Kurz nach Bekanntgabe des Transfers, Ende März, musste er am rechten Knie operiert werden - das Innenband war lädiert: gut vier Monate Pause. In der Saison-Vorbereitung arbeitete der Franzose fleißig am Comeback, im Trainingslager am Tegernsee machte er seine ersten Einheiten mit Ball und Team. Inzwischen stand er inklusive seiner Einwechslung beim 3:1 im Pokal in Cottbus sechsmal auf dem Rasen, fünfmal davon in der Startelf.

Hernandez: Stärken und Schwächen

Angedacht als zentraler Abwehrspieler, so wie gegen Mainz (6:1) oder in der Dreierkette auf Schalke (3:0), musste der 23-Jährige jüngst, weil David Alaba wegen eines Muskelfaserrisses in den Adduktoren fehlte, dreimal als Linksverteidiger ran.

Auf dieser Position ist er auch im Nationalteam gesetzt, trug dort 2018 zum WM-Titel bei. Und doch planen die Bayern vorrangig neben Niklas Süle in der Zentrale mit ihm. Mit seinen 1,82 Metern gehört er dort nicht zu den großgewachsenen Profis; er ist auch kein Innenverteidiger, der den Spielaufbau übernimmt. Ihn zeichnen andere Fähigkeiten aus: Zweikampfstärke (69 Prozent Quote), nur Süle gewinnt mehr Mann-gegen-Mann-Duelle (76 Prozent); 95 Ballaktionen pro Spiel; auffällig gute Dribblingswerte, sieben von acht Versuchen waren erfolgreich.

Was bislang noch ausbleibt, ist sein Einfluss auf die Offensive: nur ein Torschuss, keine Vorlagen. Hernandez ist ein aggressiver Verteidiger, ein im Vergleich zu Joshua Kimmich absoluter Defensivdenker, der sich über den Einsatz und die Mentalität definiert.

"Er war der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Bayern", sagt Karl-Heinz Rummenigge im Interview auf der Vereinshomepage: "Ich glaube, dass wir seine beste Zeit erst noch sehen werden. Man darf nicht vergessen, dass er eine rund fünfmonatige Verletzungspause hinter sich hat."

Hernandez braucht also noch eine Weile bis er wieder vollends hergestellt ist und an alte Leistungen anknüpfen kann. Die Erwartungen in ihm sind hoch - allein aufgrund der Preiskategorie. Nur Liverpools Virgil van Dijk kostete zum Zeitpunkt des Bayern-Kaufs mit 84,65 Millionen Euro mehr als der Neu-Münchner. Hernandez schon jetzt mit Europas Fußballer des Jahres zu vergleichen und ihn daran zu messen, wäre zu früh und vermessen.

Alaba absolviert Teile des Mannschaftstrainings

Dass er noch nicht auf seinem Top-Niveau angelangt ist, zeigten ungewohnt ungestüme Aktionen im oder um den Strafraum herum, als er zum Beispiel auf Schalke einen gefährlichen Freistoß 20 Meter vor dem Tor verursachte (im Anschluss daran hätte es einen Handelfmeter geben müssen) - oder der verschuldete Strafstoß in Leipzig.

Diese Unaufmerksamkeiten können passieren, gerade nach einer solch kurzen Eingewöhnungsphase wie bislang. Gut für ihn und die Bayern, dass David Alaba an diesem Mittwoch erstmals wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren konnte.

Mit der Rückkehr des Österreichers - vielleicht schon nächste Woche bei Tottenham - kann Hernandez einerseits womöglich nötige Verschnaufpausen bekommen und andererseits auf der Planstelle in der Innenverteidigung eingesetzt werden. Um sich dort als dieser Spieler zu präsentieren, den die Bayern sich wünschen.

Georg Holzner

TV-Gelder: Bayern kriegt fast so viel wie die halbe Liga zusammen