2. Bundesliga

Luhukay: "Das geht in die Geschichte ein"

St. Pauli feiert den Derbysieg und Rettig einen perfekten Abschied

Luhukay: "Das geht in die Geschichte ein"

Jos Luhukay

Überglücklich: Trainer Jos Luhukay. Getty Images

Die Anzahl, mit der er die Geste an diesem denkwürdigen Abend wiederholt hat, bleibt ungezählt. Mats Möller Daehli klopfte sich selbst in der Mixed Zone beim Frage- und Antwort-Spiel mit Hamburgs Journalisten immer wieder an die Brust. So hatte er es schon während der Partie und der anschließenden Feier-Zeremonie immer wieder getan. Der kleine Norweger war einer der Hauptdarsteller von St. Paulis historischem Triumph am Montagabend. Das 2:0 war der erste Heimsieg gegen den HSV am Millerntor seit fast 60 Jahren, damals begegneten sich die beiden Stadt-Nachbarn noch in der Oberliga Nord. "Dieser Sieg", rang Möller Daehli nach Worten, "ist so wichtig. Für den Verein, die Fans und für uns. Ich bin fast sprachlos."

Der 24-jährige Wirbelwind, bislang mit fünf Assists bester Vorbereiter der Liga, war wieder an beiden St.-Pauli-Toren beteiligt, dieses Mal jedoch "nur" als vorletzter Passgeber. Gutgeschrieben werden die Vorlagen Marvin Knoll, der neben Möller Daehli herausragte, bis er, von Krämpfen geplagt, raus musste und ebenfalls befand: "Das war ganz, ganz wichtig. Und ganz anders als im März." Da hatte St. Pauli nicht nur 0:4 gegen den HSV verloren, sondern mit seiner Zurückhaltung ein fatales Signal gesetzt. "Dieses Mal", erklärte Knoll, "waren wir mutig und frech. Wir haben sie unter Druck gesetzt. Das Spiel aus dem März war schwer zu verarbeiten." Und hat St. Pauli in eine Krise gestürzt.

Montagabend, so schien es, hat sich der Frust der zurückliegenden Monate entladen. "Wir wurden von unseren Fans getragen, es war eine unglaubliche Atmosphäre", schwärmte Knoll. Eine vergleichsweise friedliche noch dazu. Vor dem Anpfiff war es ruhig geblieben, erst zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es auf beiden Seiten eine Pyro-Show, unmittelbar vor Abpfiff, dann vor allem aus dem Gästeblock, noch einmal. "Unsere Fans", sagt Knoll, "dürfen jetzt eine Woche feiern. Aber wir müssen am Sonntag in Osnabrück an diese Leistung anknüpfen."

"Die Krönung für die Arbeit der letzten Wochen"

Jos Luhukay ist sicher, dass das gelingen wird. St. Paulis Trainer rühmt seine Mannschaft für die Entwicklung in den zurückliegenden Wochen und schwärmt zu Recht: "Es war unglaublich, welche Energie die Spieler auch in der Schlussphase noch hatten. Das war nicht normal. Dieses Erlebnis war die Krönung für die Arbeit der letzten Wochen. Und das Ergebnis geht in die Geschichte ein." Auch für Andreas Rettig. Der kaufmännische Geschäftsführer scheidet nach der Partie am Sonntag in Osnabrück offiziell aus, das Derby war sein letztes Heimspiel als Verantwortlicher am Millerntor. Dementsprechend losgelöst beging er den Feierabend: "Ein Derbysieg zum Abschied - mehr geht nicht." Für St. Pauli soll es ein Anfang sein in bessere Zeiten.

Sebastian Wolff