Die Europa League brachte 44 Millionen Euro

Frankfurt erzielt neuen Umsatzrekord: 200 Millionen-Marke durchbrochen

Sportvorstand Fredi Bobi und Finanzvorstand Oliver Frankenbach.

Die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung erfreut Sportvorstand Fredi Bobi und Finanzvorstand Oliver Frankenbach. imago images

Umsatz seit 2015 fast verdoppelt

"Die Initialzündung war der Pokalsieg 2018. Wir sind in der Bundesliga der Klub, der bei den Umsatzerlösen den rasantesten Anstieg zu verzeichnen hat", verkündet Frankenbach. Die Entwicklung ist in der Tat imposant. Im Vergleich zur Saison 2015/16 hat Frankfurt den Umsatz beinahe verdoppelt: Von damals 109,3 Millionen Euro auf 201,4 Millionen Euro in der vergangenen Spielzeit; 2017/18 lag der Umsatz bei 140,8 Millionen Euro.

Die Rekord-Verkäufe von Luka Jovic und Sebastien Haller für in der Summe etwa 110 Millionen Euro sind in den jüngsten Zahlen noch nicht enthalten, sie werden erst in der Bilanz zur Saison 2019/20, beziehungsweise des Geschäftsjahres 2019 auftauchen. Frankenbach rechnet deshalb in der laufenden Saison mit Umsätzen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro: "Wir werden die 201,4 Millionen Euro deutlich überschreiten."

Die steile Entwicklung des gesamten Klubs kann er teilweise selbst kaum glauben. "Manchmal muss man sich schon in den Arm pieksen", sagt der 52-Jährige schmunzelnd und führt aus: "Die Entwicklung der letzten drei Jahre ist schon sehr rasant. Wie schnell wir uns von einem Abstiegskandidaten zu einem Doppel-Teilnehmer an der Europa League verändert haben, ist außergewöhnlich. Auch das ganze Drumherum, wie sich Eintracht Frankfurt in der Öffentlichkeit präsentiert, wie wir wahrgenommen werden, hat sich total verändert gegenüber der Spielzeit 2015/16."

44 Millionen Euro: Europa League kein Verlierer-Cup

Durchaus bemerkenswert sind auch die auf die Europa League zurückzuführenden Erlöse, die Frankenbach auf 44 Millionen Euro beziffert. "Unterm Strich beträgt der Gewinn aus der Europa League nach Steuern 20 Millionen Euro", berichtet der Vorstand, dessen Vertrag vergangene Woche bis 2024 verlängert wurde. Er betont: "Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Europa League ab einer gewissen Runde sicherlich kein Verlierercup ist."

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Europa League ab einer gewissen Runde sicherlich kein Verlierercup ist.

Finanzvorstand Oliver Frankenbach

Wirtschaftlich interessant wird der Wettbewerb für die Eintracht ab dem Achtelfinale. Dass Frankfurt insgesamt trotz der Europapokal-Einnahmen einen Jahresüberschuss in Höhe von "nur" 5,4 Millionen Euro erzielte, liegt daran, dass im Sommer 2018 ein Verlust in Höhe von neun Millionen Euro einkalkuliert wurde. "Mit der Eigenkapitalspritze (15 Mio. im April 2018, Anm. d. Red.) im Rücken sind wir das Risiko eingegangen, die Transferpolitik zu verändern - in dem Bewusstsein, dass wir an der Gruppenphase der Europa League teilnehmen", erklärt Frankenbach. Dieses Risiko spiegelt sich im Posten "Investitionen Spielerwerte" wider, der 2018/19 mit 36,3 Millionen Euro ebenfalls ein neues Rekordniveau erreichte. Die gezogenen Kaufoptionen bei Luka Jovic (5 Mio.) und Filip Kostic (6 Mio.) sind darin noch nicht enthalten.

Eigenkapital steigt um über fünf Millionen Euro

Welche Zahlen stechen noch ins Auge? Das Eigenkapital erhöhte sich von 29,2 auf 34,6 Millionen Euro, im TV-Ranking kletterte der Klub von Platz 13 auf den neunten Rang, und die Personalkosten im Lizenzfußball stiegen von 51,4 auf 66,7 Millionen Euro. Die signifikante Erhöhung bei den Gehaltskosten ist nicht zuletzt auf die in der Europa League gezahlten Prämien zurückzuführen. Beim Einzug in die Zwischenrunde wurden erstmals Prämien an die Profis ausgeschüttet, anschließend wurde für jede Runde neu verhandelt. Die Gehälter für die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle schlagen mit weiteren 13 bis 14 Millionen Euro zu Buche.

"Die aktuelle Wirtschaftskraft versetzt uns in die Lage, um die Plätze sechs bis elf zu spielen", meint Frankenbach. In Stein gemeißelt ist das freilich nicht: "In einem guten Jahr kann man auch mal Vierter werden, obwohl man da nicht hingehört. Aber man kann auch durchaus auf dem 13., 14. oder 15. Platz landen." Aktuell traut man der Eintracht eher einen weiteren Ausreißer nach oben zu.

Dazu soll auch der neue Stürmer André Silva beitragen. Der 23-Jährige wurde für zwei Jahre vom AC Mailand ausgeliehen, im Gegenzug wechselte Ante Rebic für die selbe Dauer nach Mailand - bei beiden Leihgeschäften werden nach kicker-Informationen keine Gebühren fällig. In den vergangenen Tagen kursierten viele Gerüchte und Falschmeldungen über mögliche Kaufoptionen. Nun stellt Frankenbach klar: "Beide Verträge wurden ohne Kaufoption geschlossen, das war in der Kürze der Zeit nicht verhandelbar. Was nicht ausschließt, dass wir in den nächsten zwei Jahren noch mal über dieses Thema reden werden."

Julian Franzke

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