"Ich habe gedacht, meine Frau pfeift"

DFB fordert Stellungnahme von VfB-Trainer Walter an

VfB-Trainer Tim Walter

Fürchtet keine Konsequenzen: VfB-Trainer Tim Walter. imago images

Ein zähes Ringen gegen eine Mannschaft, die das Mitspielen verweigert. Ein vom Unparteiischen verweigerter Elfmeter, dessen Berechtigung klarer nicht sein kann. Ein Platzverweis für eine Schwalbe, die nur ganz schwer zu übersehen war. Und ein Klub auf 180. Stuttgart und das unnötige 0:0 in Aue beschäftigt weiter die Gemüter. Und den DFB-Kontrollausschuss, der eine Stellungnahme von Walter fordert, dem Unsportliches Verhalten zur Last gelegt wird. Der Trainer habe die Unparteiischen auf dem Rasen und im Kölner Keller verhöhnt.

Der Trainer steht zu seiner nach der Partie schon geäußerten Meinung, der VfB hätte "zwei Elfmeter bekommen müssen. Ich habe gedacht, meine Frau pfeift. Die ist auch immer für die mit den schönsten Trikots. Und was die da im Videokeller machen, weiß auch keiner. Vielleicht waren die gerade ein Pausenbrot essen". Außerdem sei der Platzverweis gegen Sosa völlig überzogen gewesen. "Etwas Fingerspitzengefühl" wäre besser gewesen, zumal "es einen Kontakt gibt. Wenn er (Schiedsrichter Zwayer, d. Red.) keinen Elfmeter pfeift, ist das okay. Aber dann darf er nicht Gelb-Rot zeigen". Dass sich Walter jetzt erklären muss, macht ihm nichts aus. Konsequenzen fürchte er nicht. "Warum? Ich habe nur meine Meinung gesagt. Wenn ich das nicht mehr darf, höre ich lieber auf. Es ist normal, dass man seinem Unmut auch mal freien Lauf lässt. Ich habe niemanden beleidigt."

Mislintat: "Es nützt nichts zu schweigen und das nicht zu bewerten"

Sven Mislintat sieht ebenfalls keinen Grund zur Unruhe. Man habe sich vieles gefallen lassen in den vergangenen Partien. Klaglos Tritte kassiert. Schon in Heidenheim, auch in Rostock im Pokal sowie anschließend gegen St. Pauli und jetzt gegen Aue. Mit dem Unterschied zum jeweiligen Gegner, das man bei eigenen Verfehlungen sofort von den Unparteiischen bestraft wurde. "Es nützt nichts zu schweigen und das nicht zu bewerten", meint auch der Sportdirektor, der "grundsätzlich die Aussagen verständlich" findet. "Auch in einer gewissen Härte." Solche Emotionen seien völlig verständlich und nachvollziehbar. "Wir sind alle in einer Arena, inklusive der Schiedsrichter. Wir müssen alle leisten und unseren Mann stehen", meint Mislintat, der außerdem findet: "Besonders zwei Entscheidungen, aber auch die ganzen kleinen Entscheidungen des Spiels, konnten dazu beitragen, Aussagen dieser Art zu treffen."

Trotzdem ist der Stuttgarter Kaderplaner nicht der Meinung, den Videoassistenten zu verteufeln. "Am Prinzip müssen wir nicht rütteln. Das Prinzip ist ja gut. Der Videoschiedsrichter ist Teil des Spiels und gut und führt auch häufig zu guten Entscheidungen." Nur eben in Aue habe es "nicht funktioniert". Das muss nicht weniger deutlich angesprochen werden dürfen. "Wir müssen uns all dem stellen, was wir auf dem Platz entscheiden oder bewirken. Egal, ob Trainer, Manager oder Schiedsrichter. Da gilt es zu bewerten, ob das eine astreine Entscheidung war." Wie bei den vielen konfliktreichen Situationen in Aue. "Wir glauben nein." Ob das der DFB ebenfalls so sieht und Walters Aussagen versteht? "Das weiß ich nicht. Das werden wir sehen."

George Moissidis