Österreicher über seine Zukunft, seinen Wunsch, sein Problem

Hinteregger: Ich bin nicht Neymar oder Dembelé

Martin Hinteregger

Dauerthema: Martin Hinteregger. imago images

Aus dem Augsburger Trainingslager in Bad Häring, Tirol, berichtet Georg Holzner

Geht er? Oder bleibt er? Frankfurt? Oder Augsburg? Oder doch das Ausland? Spätestens seit einem halben Jahr ist Hinteregger ein Dauerthema. Erst gab's Ärger beim FCA, als Konsequenz die Suspendierung und die Leihe zur Eintracht. Dort erhielt er seinen Namen "HintiArmy" und erlebte mit den Hessen ein hochemotionales Halbjahr insbesondere in der Europa League. Vor rund zwei Monaten sagte der 26-Jährige dann, dass er gerne in der Mainmetropole bleiben wolle; jetzt ist er zurück in der Fuggerstadt, auch mit dabei im Trainingslager, aber nicht zu sehen auf dem jüngsten Mannschaftsfoto.

Frankfurt hat ein Angebot von etwas mehr als zehn Millionen Euro für ihn abgegeben, FCA-Manager Stefan Reuter möchte rund 15 Millionen Euro für den Österreicher. Wie genau also lautet sein aktueller Status? Und was ist dran an den Streikgerüchten?

Ich brauche viel Ruhe, nehme kaum Anrufe an, möchte gerne alleine sein.

Martin Hinteregger

Mit Streiken habe es wenig zu tun, sagt Hinteregger: "Denn mal ehrlich: Wenn ich streiken oder etwas provozieren wollte, bleibe ich doch eher wie Caiuby oder Neymar zwei Wochen im Urlaub" - und nicht fern von einem Mannschaftsfoto. Der Hintergrund: Hinteregger ließ über seinen Berater dem Verein mitteilen, dass er lieber bei der Reha in Salzburg bleibe - das erschien ihm wichtiger als der Fototermin mit dem Team.

"'Der streikende Profi'? Das ist schon extrem"

Daraufhin war von einem Streik die Rede. Eine Anschuldigung, die ihn traf. "Es war extrem hart, dass man mich in einem Atemzug mit Ousmane Dembelé und Neymar nennt", betont der Innenverteidiger gerade mit Blick auf sein Standing im Heimatland: "Ich habe zwar in Österreich nach wie vor ein gutes Ansehen, aber wenn es heißt 'der streikende Profi', nur, weil ich bei einem inoffiziellen Mannschaftsfoto gefehlt habe, dann ist das schon extrem."

Der kicker fragte nach, wie er damit umgegangen sei. "Ich brauche viel Ruhe, nehme kaum Anrufe an, möchte gerne alleine sein", erklärt Hinteregger: "Da suchst du eher das Stille." Insbesondere vor wenigen Wochen, "als es hieß: 'der streikende Profi'", sagt der Blondschopf: "Das bleibt ein Leben lang an dir haften." Diese Angelegenheit wolle er "geradebiegen" in der Hoffnung, dass sich "irgendwann zeigen wird, was wirklich Sache ist. Denn das Image vom streikenden Profi ist kompletter Schwachsinn, sonst wäre ich nicht hier".

"Natürlich wäre ein klares Statement von Reuter schön"

Hier im Augsburger Trainingslager, zurück beim Klub. "Was ich in Frankfurt erlebt habe in diesem halben Jahr, das war einmalig. Dafür bin ich dankbar - denn das zu erleben, war brutal", betont er: "Aber jetzt bin ich hier, Spieler vom FCA und habe noch zwei Jahre Vertrag. Wenn der alte Trainer noch dagewesen wäre, wäre es für mich sicher nicht weitergegangen. Aber jetzt haben wir ein neues Top-Trainerteam." Einen Verbleib am Lech schließt Hinteregger deshalb keineswegs aus: "Ich wusste vor drei Jahren, worauf ich mich bei einem Fünfjahresvertrag einlasse. Und war in den ersten zweieinhalb Jahren ja auch nicht unglücklich in Augsburg."

Klarheit, wo es für ihn weitergehe, habe er aber nicht. Weil er auch nicht wisse, wie und ob der Verein mit ihm plane. "Natürlich", sagt er, "wäre ein klares Statement von Reuter schön: 'Hey, du bist unverkäuflich, du bleibst.' Oder: 'Hey, du darfst gehen.'" Solange es das nicht gibt, "belastet es einen".

Bis heute fühlt er sich etwas ungerecht behandelt - vor allem wegen Gouweleeuw

Zumal er sich bis heute etwas ungerecht behandelt fühle - vor allem verglichen mit den Folgen bei Jeffrey Gouweleeuw, der ebenso wie Hinteregger den Ex-Trainer Manuel Baum kritisiert hatte. "Wir haben keine gemeinsame Idee", sagte der Niederländer. Die Konsequenz: Keine Strafe für Gouweleeuw und die Entlassung von Baum. "Natürlich habe ich mich nach Jeffs Aussage gewundert", sagt der Österreicher, schließlich sei seine damalige Kritik am Ex-Coach - "Das ganze Jahr 2018 ist die Kurve eigentlich schon nach unten gegangen. Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen" - nahezu "eins zu eins dieselben Aussage" gewesen. Der Unterschied aber war: Hinteregger kritisierte Baum direkt, Gouweleeuw indes nur die Taktik eines Spiels, die auch der Ex-Trainer selbst infrage stellte.

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