Leverkusens Coach erklärt, warum Bayer so selten trainiert

Weiser über Bosz: "Das habe ich so noch nicht erlebt"

Peter Bosz

Nur eine Einheit pro Tag: Peter Bosz bittet Leverkusens Profi im Trainingslager vergleichsweise selten auf den Trainingsplatz. imago images

Aus Leverkusens Trainingslager in Zell am See/Kaprun berichtet Stephan von Nocks

Dass die Vorbereitung unter Peter Bosz etwas anders abläuft, wurde den Bayer-Profis schon vor den Tagen im Salzburger Land bewusst. "Letztes Jahr haben wir am Anfang eine dreitägige Radtour gemacht. Das war schon extrem heftig. Jetzt hatten wir nach zwei Tagen direkt einen Tag frei. Das ist gut für die Erholung. So kann man jeden Tag wirklich 100 Prozent abrufen", verglich Mitchell Weiser bereits vor Wochenfrist die Herangehensweise Boszs mit der dessen Vorgängers Heiko Herrlich. Der Kontrast ist gewaltig.

Das gilt auch jetzt im Trainingslager. So stehen in Österreich nur am Donnerstag zwei Einheiten auf dem Programm. Abgesehen davon wird jeweils einmal am Tag trainiert. Am Samstag vor den beiden Testspielen ist ein Anschwitzen eingeplant, das genauso wie die Einheit am Abreisetag am Sonntag im Hotel stattfinden soll. Insgesamt bittet Bosz seine Profis in den sieben Tagen nur zu sechs Trainingseinheiten auf dem Platz.

Boszs Credo: Nur eine Einheit, aber hohe Intensität

Der Niederländer bleibt mit dieser Trainingshäufigkeit seinem Credo auch im Trainingslager treu: Er setzt auf hohe Intensitäten, verzichtet dafür mit Ausnahme des Donnerstags auf eine zweite Einheit. Und in dieser werden übrigens - physisch wenig belastend - Standards geübt.

Einmal 100 Prozent bringt mehr als zweimal 60 Prozent.

Peter Bosz

Hintergrund: Der Trainer verlangt immer höchste Qualität von seinen Profis. Zweimal am Tag sei dies bei der geforderten sehr hohen Intensität in den meist eineinhalbstündigen Einheiten nicht möglich. "Einmal 100 Prozent bringt mehr als zweimal 60 Prozent", sagt Bosz und erklärt: "Bei uns ist die Vororientierung der Spieler auf dem Platz sehr wichtig. Je höher das Niveau ist, desto weniger Zeit bekommt man. Wenn man nur mit 60 Prozent trainiert, bekommen die Spieler mehr Zeit als im Spiel. Da lernen sie nichts. Ich versuche, es im Training sogar schwieriger zu machen. Dann wird es einfacher im Spiel."

In Dortmund regte sich 2017 zu Boszs Zeit beim BVB Kritik an der geringen Trainingshäufigkeit. Rein statistisch werden die Leverkusener Profis in Österreich gerade einmal zwei Einheiten (darunter ein Standardtraining) mehr absolvieren als in einer normalen Bundesligawoche. Doch der Aspekt, dass ihm die geringe Trainingshäufigkeit vorgehalten würde, falls seine Mannschaft im Laufe der Hinrunde konditionelle Probleme offenbaren sollte, ist für Bosz nicht relevant. Er zieht seinen Plan konsequent durch.

Dabei nimmt Bosz für sich nicht Allwissenheit in Anspruch und sagt: "Es gibt verschiedene Wege nach Rom. Ich weiß nicht alles, aber ich glaube, dass mit unserer sehr intensiven Spielweise auch sehr intensives Training notwendig ist, bei dem die Spieler keine Zeit haben, nachzudenken. Das ist vom Körper her intensiv, aber auch vom Kopf her. Es ist wissenschaftlich untersucht: Wenn man von diesen intensiven Einheiten zwei pro Tag hat, verletzt man sich. Das ist unmöglich."

Theorie nach der Praxis: Bosz macht Training fürs Gehirn

Die zweite Trainingseinheit gibt es dafür für die Bayer-Profis immer am Abend. Dann bittet Bosz zu zehn bis 15 Minuten Theorie. Anhand von Videosequenzen aus dem Training oder den Testspielen werden einzelne Teilaspekte seiner Spielidee vom Niederländer erläutert. "Ich fordere die Spieler, maximal nachzudenken. Da erwarte ich, dass sie maximal fokussiert sind. Dadurch wird das Gehirn angesprochen. Das ist auch ein Training", erklärt er.

Was die physische Belastung betrifft, heißt es für Havertz und Co. in der Vorbereitung aber mehr oder weniger Boszness as usual. So gab Bosz in den ersten beiden Trainingswochen wie im normalen Ligabetrieb jeweils am Mittwoch, also drei Tage vor den Testspielen, frei. Eine Vorbereitung der anderen Art, wie Weiser zugibt: "Das habe ich so auch noch nicht erlebt."

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