Falsche Ansprüche beim HSV

Hecking gesteht: Der Reiz in der 1. Liga war verflogen

Dieter Hecking

Hatte genug von München, Dortmund oder Bremen: HSV-Trainer Dieter Hecking. imago images

Hannover 96, 1. FC Nürnberg, VfL Wolfsburg und zuletzt Borussia Mönchengladbach - Dieter Hecking arbeitete mehr als zehn Jahre erfolgreich als Bundesligatrainer. Gewisse Abnutzungserscheinungen sind da allerdings offenbar nicht ausgeblieben. "Irgendwann fühlte es sich normal an, nach München, Dortmund oder Bremen zu fahren. Das Kribbeln war nicht mehr so intensiv. Der Reiz war verflogen", sagte Hecking zur Tageszeitung "Die Welt".

Und die Perspektive in der Bundesliga? "Als in Mönchengladbach Schluss war, hätte ich vier Monate Urlaub machen können, um im Herbst einen Verein zu übernehmen, der seinen Zielen hinterherläuft. So war es in den vergangenen Jahren immer gewesen", weiß Hecking ganz genau wie die Branche tickt.

Warum aber dann ausgerechnet zum HSV? Der Zweitligist verschleißt seit Jahren einen Trainer nach dem anderen, kann die eigenen Ansprüche aber seit langem nicht mehr erfüllen. "Ich wollte das machen, wo ich einen unglaublichen Reiz drin sehe, wo ich etwas bewegen und gute Arbeit leisten kann. Beim HSV habe ich das Gefühl, dass ich mich frei entfalten kann", erklärt der 54-Jährige, warum er keine Angst vor dem heißen Pflaster an der Elbe hat. "Natürlich habe ich auch im Kopf, dass es ein toller sportlicher Erfolg wäre, wenn ich derjenige bin, der den HSV mit meinem Team wieder hochführt", weiß er zudem um die Bedeutung seiner Aufgabe.

Die Zeiten von Kevin Keegan, Felix Magath oder Manfred Kaltz sind aber ewig her. Das waren Legenden, aus deren Erfolgen sich dieser falsche Anspruch herleitet.

Dieter Hecking in der Tageszeitung "Die Welt"

Die zuletzt gemachten Fehler dürften nicht wiederholt werden. "Fakt ist: Die Erwartungshaltung lag beim HSV zuletzt immer deutlich über dem, was realistisch war. Vor drei Jahren zum Beispiel dachten alle nach zwei Siegen zu Saisonbeginn, dass es wieder aufwärts geht. Am Ende stand der Abstieg. Das ist der schmale Grat in Hamburg." Die Fans wünschten sich, dass der Verein wieder die Rolle spiele, die er in den 1970er- und 80er Jahren mal hatte. "Die Zeiten von Kevin Keegan, Felix Magath oder Manfred Kaltz sind aber ewig her. Das waren Legenden, aus deren Erfolgen sich dieser falsche Anspruch herleitet."

Auf allen Ebenen werden beim HSV derzeit die guten alten Zeiten beseitigt und Platz für die neue Realität geschafft. Nach der Demontage der Stadionuhr, diese hatte bis zum Abstieg die Dauer der Bundesliga-Zugehörigkeit angezeigt, danach die Zeitspanne der Vereinsexistenz des 1887 gegründeten Klubs, wurde zuletzt auch die von Lotto King Karl komponierte Stadion-Hymne abgeschafft.

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann hatte die Absetzung des Liedes mit dem nicht mehr zeitgemäßen Text begründet. In dem Song werden Gegner aus längst vergangenen Bundesliga-Zeiten und deren Chancenlosigkeit in Hamburg besungen. Jetzt kommt die Konkurrenz aus Sandhausen, Regensburg oder Aue.

tru