Deutsche Fußball Liga beschließt verpflichtende Untersuchung

Ab 2019/20: Jährliche Hirntests bei allen Profis der 1. und 2. Liga

Patrick Erras gegen Robert Lewandowski

Besonders in Luftduellen besteht große Gefahr von Kopfverletzungen: Nürnbergs Patrick Erras (l.) gegen Bayerns Javi Martinez. imago images

"Um den Umgang mit Kopfverletzungen künftig weiter zu professionalisieren und die dadurch entstehenden Gefahren für Spieler zu reduzieren, wird ab der kommenden Saison 2019/20 ein sogenanntes Baseline-Screening für die Spieler aller 36 Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga verbindlich eingeführt", heißt es in der DFL-Mitteilung. Die DFL folgt damit einer Empfehlung der Medizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Bei akuten Kopfverletzungen stellt sich für Mannschaftsärzte beim Fußball die Frage, inwieweit durch die Verletzung bei den betroffenen Spielern eine Abweichung vom "Normalzustand" vorliegt. Um dies in Zukunft besser beurteilen zu können, soll bei neurologischen Screenings vor der Saison der aktuelle medizinische Status - die 'Baseline' festgestellt werden. Diese Baseline-Screenings sind ab sofort im Rahmen der obligatorischen Tauglichkeitsuntersuchung vor Saisonbeginn verpflichtend.

Bei den Screenigs werden verschiedene Teilbereiche der Hirnfunktion wie Eigenschaften der Balance und der Merkfähigkeit getestet. Abweichungen von der vor der Saison erhobenen Baseline sollen dann sowohl bei der Diagnose einer Kopfverletzung helfen, als auch bei der Frage nach der Einsatzfähigkeit eines am Kopf verletzten Fußballers. Erst wenn die Testergebnisse nach einer Kopfverletzung mit jenen des Baseline-Screenings identisch sind, soll der Sportler wieder zum Einsatz kommen.

"DFL und Klubs sind sich ihrer Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Spieler bewusst"

"DFL und Klubs sind sich ihrer Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Spieler bewusst", sagt Andreas Nagel, DFL-Direktor Sport & Nachwuchs: "Akute Kopfverletzungen sind eine Gefahr für die Sportler, dafür werden Klubs und Ärzte regelmäßig sensibilisiert. Mit der verbindlichen Einführung des Baseline-Screenings professionalisieren wir den Umgang mit Kopfverletzungen im Fußball weiter und schaffen einen einheitlichen Standard für Bundesliga und 2. Bundesliga", wird Andreas Nagel, der Direktor Sport & Nachwuchs bei der DFL, in der Mitteilung zitiert.

"Uns geht es um eine professionelle Behandlung von akuten Kopfverletzungen, etwa durch einen Zusammenstoß. Wir haben in jüngster Vergangenheit zwar keine ausgesprochene Häufung von Kopfverletzungen erlebt, aber die Arbeit der Teamärzte soll durch das Baseline-Screening weiter erleichtert und damit eine optimale medizinische Versorgung der Spieler gewährleistet werden", sagte Prof. Dr. Tim Meyer, der Vorsitzende der Medizinischen Kommission beim DFB.

NFL-Profis häufig von Hirnschädigungen betroffen - Fehlende Langzeituntersuchungen im Fußball

Kopfverletzungen und deren für die Akteure möglicherweise schwerwiegende Folgen sind in allen Mannschaftssportarten mit Körperkontakt ein Thema. In den USA steht dabei besonders der American Football im Fokus, nachdem bei mehreren ehemaligen und mittlerweile verstorbenen NFL-Profis CTE diagnostiziert worden war. Die "Chronische traumatische Enzephalopathie" ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns, Folgen können Gedächtnisverlust, Depressionen oder Demenz sein. Als Ursache werden wiederholte Zusammenstöße mit dem Kopf vermutet. Dies Form des Kontakts gibt es im American Football - aber nicht nur dort - sehr häufig.

So stehen im Fußball Zusammenstöße mit den Köpfen bei Luftduellen unter Verdacht, möglicherweise zu Gehirnschäden führen zu können. Sportmediziner beklagen seit Jahren, dass es diesbezüglich keine ausreichenden Langzeituntersuchungen gibt. Eine britische Studie aus dem Jahr 2017 legt aber nahe, dass Fußballspieler ähnlich wie Boxer oder Footballspieler ein höheres Risiko für Hirnschädigungen haben.

jer

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