Transferkarussell wird sich weiter drehen

FCN: 2000 Kiebitze und Aufbruchstimmung

Oliver Sorg

Autogrammwünsche bereitwillig erfüllt: FCN-Neuzugang Oliver Sorg. imago images

Beim offiziellen Trainingsauftakt jedenfalls hat schon mal alles gepasst. Das beginnt damit, dass der heftige Regen, der noch am Morgen in Nürnberg niederprasselte, eine Viertelstunde vor der ersten offiziellen Einheit um 10 Uhr schlagartig aufhört, und sich die Sonne zeigt. Dann die Kulisse: Über 2000 Fans haben den Feiertag in Bayern genutzt und sind am Fronleichnam aufs FCN-Gelände gepilgert - einen derart gut besuchten Auftakt hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

Und nichts ist davon zu spüren, dass die ernüchternden Monate in der Bundesliga gar nicht so lange zurückliegen. Im Gegenteil. Statt Abstiegsfrust herrscht Aufbruch- und nach der gut eineinhalbstündigen Einheit gar Volksfeststimmung.

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Sorg lobt die "beeindruckende Atmosphäre"

Um Spieler wie Trainerstab bilden sich kleine Gruppen, Trikots werden signiert, gute Wünsche entgegengenommen, Kinder auf den Arm genommen, um für Schnappschüsse zu posieren. Oder, kurz eine "beeindruckende Atmosphäre", wie der aus Hannover neu zum FCN gekommene Außenverteidiger Oliver Sorg festhält.

Der 29-Jährige zeigt sich einerseits über den Zuspruch erstaunt, anderseits hat er in den Tagen zuvor bei der Haussuche für seine Familie schon erfahren, welche Wucht der Traditionsverein in der Region hat. "Sobald die Leute mitbekommen haben, dass ich ein Cluberer bin und damit zur Familie gehöre, haben die Gespräche Fahrt aufgenommen", so Sorg, der zugleich auch verrät, warum der FCN trotz des einen oder anderen im Wortsinn erstklassigen Angebotes den Zuschlag erhalten hat. "In Hannover hat mir zum Beispiel Niclas Füllkrug von der tollen Stimmung innerhalb der Mannschaft vorgeschwärmt. Dass die Jungs richtig gut miteinander umgehen, spürte ich auch stets, wenn ich gegen den Club spielte." Neben der menschlichen Komponente nicht zu vergessen der Reiz der sportlichen Mission. "Die 2. Liga ist ja eigentlich gar keine 2. Liga, sondern eine kleine Bundesliga. Mitzuhelfen, den FCN wieder nach oben zu führen, ist eine spannende Aufgabe", sagt Sorg.

Das bedingt doch die riesige Historie automatisch.

FCN-Coach Damir Canadi zum Aufstiegswunsch im Umfeld

Der Aufstieg, immer wieder der Aufstieg - der an diesem Tag wohl meist verwendete Begriff auf den Zuschauerrängen am Valznerweiher. Der zuletzt beim griechischen Erstligisten Atromitos Athen arbeitende Cheftrainer Damir Canadi hat damit überhaupt kein Problem: "Das bedingt doch die riesige Historie automatisch. Und das akzeptieren wir auch zu hundert Prozent. Und um aufzusteigen, dafür bin ich ja auch hergekommen. Es hat aber bisher noch keiner zu mir gesagt, dass dies gleich im ersten Jahr der Fall sein muss." Für zwei Jahre hat der gebürtige Wiener unterschrieben, und genauso lang hat er für das Projekt FCN veranschlagt.

Sollte es bereits im ersten Jahr klappen, hätte er selbstredend damit kein Problem, wobei er ein noch viel ehrgeizigeres Vorhaben im Sinn hat. Der Club soll nur noch einmal rein in den Fahrstuhl - und dann für lange Zeit nicht mehr. "Das Rauf und runter ist für einen Verein immer schwierig. Wir arbeiten hart dafür, den Verein so stabil zu machen, dass ein Aufstieg dann für mehrere Jahre Bestand hat", betont Canadi, um zu ergänzen: "Dazu haben wir auch ein paar Ideen."

Mit "wir" meint er Sportvorstand Robert Palikuca im Speziellen, und die Kaderzusammensetzung im Generellen. Abgeschlossen ist diese noch längst nicht, zu den bisherigen Neuzugängen Sorg, Felix Lohkemper (FC Magdeburg) und Robin Hack (1899 Hoffenheim) werden sich bereits in den nächsten Tagen weitere gesellen. Der zuletzt vom SC Freiburg an den SV Sandhausen ausgeliehene Mittelstürmer Fabian Schleusener dürfte einer sein.

Weiter Bewegung im am Ende kleineren Kader

Neben dem Kommen beinhaltet dies auch ein Gehen: Unabhängig davon, ob neben dem vermutlich zum HSV abwandernden Ewerton auch noch weitere Stammspieler der vergangenen Saison eine Luftveränderung anstreben, wird der Club seinen Kader verkleinern. Mit 22, 23 Feldspielern möchte Canadi arbeiten, der übrigens nichts dagegen hat, wenn ihn die Spieler duzen. "Das darf jeder selbst entscheiden." Was indes er entscheidet: Wem ein Wechsel oder eine Ausleihe ans Herz gelegt wird. Für Letzteres sind zum Beispiel Kevin Goden (20) und Alexander Fuchs (22) Kandidaten, offen scheint zum Beispiel die Zukunft von Lukas Jäger (25) und Federico Palacios (24). "Ich habe noch mit keinem groß gesprochen, das wird die nächsten Tage sukzessive erfolgen. Aber jeder soll eine echte Chance bekommen, sich dem neuen Trainerteam zu präsentieren", sagt Palikuca.

Was besagtes Team beim Auftakt gesehen hat, ist schon mal nicht von schlechten Eltern gewesen. Ob bei den Passübungen, den Spielformen oder dem Abschlussmatch - es ist ordentlich Zug und Tempo drin gewesen, ohne aber echte Aufschlüsse geliefert zu haben. "Das gehört sich ja so zum Start. Richtig interessant wird es erst, wenn der Alltag einkehrt", so Canadi. So gesehen ist ja noch genügend Zeit, die Liga fängt bekanntlich erst in fünf Wochen an.

Chris Biechele

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