1860-Aufsichtsratschef im Interview

Stimoniaris: "Jeder Kreisligist wird demokratischer geführt als 1860"

Athanasios Stimoniaris

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Löwen: Athanasios Stimoniaris. imago images

Wie bei 1860 München gehört Stimoniaris auch bei VW zum Kontrollgremium. Rund eineinhalb Monate vor der Mitgliederversammlung am 30. Juni, bei der diesmal auch die Wahl des Vereinsvorsitzenden ansteht, spricht der 48-Jährige im Interview Klartext.

Herr Stimoniaris, warum wollten Sie Präsident werden?
Weil Robert Reisinger in den letzten knapp zwei Jahren nicht bewiesen hat, dass er dem TSV 1860 gewachsen ist. Er engagiert sich für den Breitensport, für die Golfer, für die Leichtathleten - das ist super. Dafür verdient er meinen Respekt. Aber bei den Löwen geht's halt in erster Linie um die erste Fußball-Mannschaft und die Nachwuchsförderung. Dass Reisinger den Konsolidierungskurs eingeleitet hat, war aus meiner Sicht höchst unklug und nicht nachvollziehbar. Ein Saki Stimoniaris steht für Gemeinsamkeit, Geschlossenheit in den eigenen Reihen, keine Spaltung und einen Weg zurück in die Bundesliga. Nicht um jeden Preis, aber Profifußball hat nun mal seinen Preis.

die letzten 10 Spiele - 1860 München
Jena (A)
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Zwickau (A)
5
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Aschaffenburg (A)
3
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Karlsruhe (H)
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Halle (A)
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Großaspach (A)
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1
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1
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Vereinsdaten 1860 München

Gründungsdatum17.05.1860

Mitglieder22.449

VereinsfarbenGrün-Gold. Abteilungsfarben: Weiß-Blau

Anschrift Grünwalder Straße 114
81547 München
Telefon 0 18 05 - 60 18 60
Telefax: (0 89) 64 27 85 22 9
E-Mail: info@tsv1860.de

Internetwww.tsv1860.de

Vereinsinfo

Sie hatten sich für das Präsidenten-Amt beworben. Wieso lehnte Sie der Verwaltungsrat ab?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Vielleicht weil der Verwaltungsrat meint, bessere Kräfte im Verein zu haben und dass ich nicht kompatibel mit gewissen Ideen und Marschrichtungen der Gremien bin. Ich halte nichts von einer Hinterzimmer-Politik, vielleicht ist das mein großes Handicap. Das würde es bei mir nicht geben. Ich stehe für gelebte Demokratie - und nicht für undurchsichtige Satzungen, die kein Mensch versteht. Ich will 1860 wieder in der Bundesliga sehen und nicht auf dem Golfplatz bei einem Altherren-Derby zwischen Blau und Rot. Das ist mein Antrieb - und den Herren im Verwaltungsrat habe ich bei meinem Casting auch eines klar gesagt: Ich bin gekommen, um zu bleiben. Und mit mir wird Sechzig wieder erstklassig. Das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.

Hasan Ismaik ist ein intelligenter und sympathischer Mensch, der nur eines möchte: Respekt.

Athanasios Stimoniaris

Finden Sie es seltsam, dass die Satzung keine Gegenkandidaten zulässt und so der Verwaltungsrat letztlich die Entscheidung trifft?
Natürlich. Jeder Kreisligist wird demokratischer geführt als 1860. Das ist das große Handicap. Ich bin für mehr Demokratie. Dazu gehört eine Briefwahl. Damit könnten auch die Mitglieder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen können, von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. In der aktuellen Situation hätte ich es besser gefunden, wenn der Verwaltungsrat alle Kandidaten zugelassen hätte und allein die Mitglieder entscheiden. Ich will klar ausdrücken: Ich akzeptiere die Satzung des TSV 1860, aber unser Verein hätte es verdient, Demokratie zu leben.

Die nächste Versammlung findet am 30. Juni statt. Haben Sie einen Appell an die Mitglieder?
Ich würde mich freuen, wenn jedes Mitglied zur Wahl kommt. Jeder, der noch einmal ein Derby gegen den FC Bayern will, für den sollte die Mitgliederversammlung in Anbetracht der aktuellen Situation ein Pflichttermin sein.

Nun sind Sie Chef des Aufsichtsrates. Was erhoffen Sie sich dadurch?
Eine Trendwende. Ich werde meine ganze Kraft investieren, 1860 wieder salonfähig zu machen. Mir gefällt die Entwicklung der letzten Jahre überhaupt nicht. Was ist denn vom Sommermärchen 2018, als sich alle jubelnd in den Armen lagen, noch übriggeblieben? Nichts. Der Verein hätte eine Riesenchance gehabt, doch die aktuellen Strukturen belasten eine Vorwärtsentwicklung. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich bin froh, dass Daniel Bierofka bei dem Theater noch nicht hingeworfen hat.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Hasan Ismaik?
Es wird Hasan Ismaik ja immer nachgesagt, man könne nicht mit ihm zusammenarbeiten. Ich kenne ihn anders. Es kommt immer darauf an, wie man ihm gegenübertritt. Er ist ein intelligenter und sympathischer Mensch, der nur eines möchte: Respekt. Den hat er bei 1860 von Anfang an leider nicht bekommen. Was ich sehr schade finde: Bis heute hat sich Robert Reisinger nie von den Attacken gegen Hasan distanziert, sondern sich weggeduckt.

Wann übernehmen Reisinger und Co. Verantwortung und treten zurück?

Athanasios Stimoniaris

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten und dem e.V.?
Karl-Christian Bay ist ein kluger Kopf auf e.V.-Seite. Ihm ist das Wohl und Wehe von 1860 sehr wichtig. Mit ihm ist die Arbeit sehr konstruktiv, ehrlich und respektvoll. Was ich außerdem betonen will: Peter Cassalette hat 2017 mit seinem Rücktritt Verantwortung übernommen. Darauf warte ich bis heute von Reisinger, Hans Sitzberger und Heinz Schmidt. Sie waren nämlich auch dabei, haben alle Entscheidungen mitgetragen und auch zugestimmt. Wann übernehmen sie Verantwortung und treten zurück?

Sehen Sie genug Know-how aufseiten des e.V.?
Mit Thomas Heigl und Sebastian Seeböck haben wir neben Bay angenehme Gesprächspartner im e.V., da bin ich großer Hoffnung, dass wir mit diesem Trio einen Konsens für die Zukunft finden werden. Natürlich hätte ich gerne mehr Sportkompetenz im Verein. Es gibt viele Klubs in Deutschland, die uns das vormachen. Aber ganz oben steht für mich das Miteinander bei 1860.

Was muss besser werden?
Vieles. Wir dürfen keine Zeit verlieren.

Wie definieren Sie die mittel- und langfristigen Ziele des TSV 1860?
Es kann nur ein Ziel geben: Bundesliga! Den Konsolidierungsplan von Reisinger einstampfen und ein anständiges Miteinander der Gesellschafter auf Augenhöhe leben. Nur so hat der TSV 1860 eine Zukunft. Und für Ziele braucht man Geld. Viel Geld. Oder glauben Sie, dass sich ein Verein wie 1860 in der 3. Liga gesundstoßen kann?

In der aktuellen Donnerstagsausgabe des kicker wird im Artikel "Die Grenzen der Demokratie" erklärt, welche Probleme durch die Satzung der Münchner Löwen konkret auftreten, was diese für die Ausrichtung des Klubs bedeuten und was der Machtkampf in der Führungsetage für eine Auswirkung auf das Profiteam und die Wettbewerbsfähigkeit im kommenden Jahr hat.

Interview: Georg Holzner