Folgen der Ausschreitungen von Dortmund

BVB droht Sperrung der "Süd" - 32 Strafverfahren eingeleitet

Südtribüne im Dortmunder Stadion

Die Südtribüne: Vollbesetzt im Pokal gegen Hertha, demnächst einmal gesperrt? imago

Am Montag hatte die Polizei über die Bildung einer Ermittlungskommission berichtet, "die sich in den kommenden Wochen ausschließlich mit der Aufarbeitung des Geschehens beschäftigen wird". Nachdem unter anderem Leipziger Fans mit Steinen und Flaschen beworfen worden waren, wurde die Identifizierung der Täter dabei als erstes Ziel genannt. Dazu schaltete die Polizei Dortmund ein Hinweisportal freigeschaltet, über das Fotos und Videos hochgeladen werden können.

Bisher führten die Ermittlungen nach offizieller Mitteilung zu 32 eingeleiteten Strafverfahren. Neben den gewalttätigen Aktionen im Stadionumfeld stehen auch die zahlreichen auf der Südtribüne gezeigten Banner mit vielfach beleidigendem Inhalt im Fokus: Die Staatsanwaltschaft prüfe deren strafrechtliche Relevanz, hieß es.

Borussia Dortmund - Vereinsdaten

Gründungsdatum

19.12.1909

Vereinsfarben

Schwarz-Gelb

RB Leipzig - Vereinsdaten

Gründungsdatum

19.05.2009

Vereinsfarben

Rot-Weiß

237 Polizeibeamte waren im Einsatz

NRW-Polizei-Inspekteur Bernd Heinen teilte am Donnerstag mit, vier Gästeanhänger und vier Polizeibeamte seien bei den Vorkommnissen verletzt worden - darunter eine Polizistin durch einen Menschenbiss in die Wade. Den Vorwurf, dass das Konflikt-Potenzial der Begegnung unterschätzt worden sei, wollte Heinen nicht gelten lassen. 237 Polizeibeamte seien im Einsatz gewesen. Das sind mehr als bei den RB-Spielen in Köln (185 Beamte) und Leverkusen (87), aber auch deutlich weniger als beim Revierderby zwischen Dortmund und Schalke mit mehr als 1500 eingesetzten Beamten. Demgegenüber sprach Heinen von 350 bis 400 gewaltbereiten Personen aus Ultra-Kreisen.

Es dürfe "nicht Ursache und Wirkung verkehrt werden", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger. Es dürften nicht "die Straftäter, die dort prügeln, in den Hintergrund geraten, und in den Vordergrund die Frage, ob Ordner und Polizei vor Ort verantwortlich gewesen sind".

Einen Bericht der WAZ, wonach RB Leipzig im November um mehr Schutz bei den Auswärtsspielen in Dortmund, Mönchengladbach (19. Februar) und Gelsenkirchen (22. April) gebeten habe, bestätigte das NRW-Innenministerium. "RB Leipzig hatte darum gebeten, den Mannschaftsbus, der schon zweimal angegriffen wurde, in Dortmund umzuleiten. Ob das nun zu weiteren Eskalationen geführt hat, ist Spekulation", führte Jäger aus.

Videobotschaft vor Hertha-Spiel

Schmelzer: Entschuldigung im Namen der Mannschaft

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Der Borussia droht drakonische Strafe

Sportrechtlich drohen dem BVB zudem schmerzhafte Konsequenzen. Mit einem Antrag des DFB-Kontrollausschusses ist bis Freitag zu rechnen, bereits in der kommenden Woche könnte es zu einer Verhandlung kommen. Wegen früherer Vergehen (u. a. Einsatz von Pyrotechnik beim Pokalfinale 2016) steht die Borussia bis 31. Mai 2017 unter Bewährung. Diese wird nun widerrufen werden. Damit verbunden ist die Sperrung zweier Unterränge auf der Südtribüne bei einem Heimspiel. Angesichts der aktuellen Vorkommnisse im Stadionbereich könnte es zu einer noch drakonischeren Strafe kommen: dem kompletten Zuschauerausschluss auf dieser Tribüne.

BVB: Nach Videobotschaften eine gemeinsame Erklärung mit RB

Mit zahlreichen Aktionen bemühen sich die Dortmunder in den vergangenen Tagen um Schadensbegrenzung. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meldete sich ebenso via Videobotschaft zu Wort und drückte seine Bestürzung über das Geschehene aus wie Kapitän Marcel Schmelzer in einem am Mittwoch kurz vor Anpfiff des Pokalspiels gegen Hertha BSC (3:2 i.E.) im Stadion gezeigten Statement im Namen der Mannschaft. Zahlreiche Fans bezogen im Rahmen des Spiels zudem mit Plakaten Stellung gegen Gewalt. Am Donnerstag wurde dann eine gemeinsame Erklärung von BVB und RB Leipzig veröffentlicht, in der sich die Verantwortlichen beider Klubs dem gemeinsamen Ziel verschreiben "eine Wiederholung der Vorkommnisse vom vergangenen Samstag für die Zukunft auszuschließen und im Sinne aller entsprechende Lösungen zu finden".

bru/sid

kicker.tv Hintergrund

Watzke-Stellungnahme: "Schockiert über massive Gewalt"

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