Spanien: Geknickte Spieler, positiver Trainer

Schutzpatron del Bosque: "Haben alle versagt"

Vicente del Bosque und Iker Casillas

Während Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque schon wieder etwas fröhlicher dreiblickte, wirkten Iker Casillas und Co. noch nachdenklich. Getty Images

"Es ist kein glücklicher Moment, ich fühle mich sehr schlecht, bin enttäuscht", eröffnete der 63-Jährige seine Rede. Eines machte der Coach allerdings direkt klar - und zwar, dass es keine Einzelkritik geben wird: "Das tue ich nie. Ich werde jetzt nicht mit dem Finger auf einzelne Spieler zeigen. Wir haben alle versagt und uns blamiert."

Nach einiger Zeit kehrte sogar wieder ein leichtes Lächeln auf das Gesicht des am Vorabend noch arg von seinen Spielern herausgeforderten Übungsleiters zurück. Del Bosque bezeichnete die Schmach als "keine endgültige Niederlage", sondern sah die Zerlegung durch Arjen Robben, Robin van Persie und Co. nur eine Einzelniederlage. Die Mannschaft werde sich davon definitiv erholen und im ersten Endspiel am Mittwoch (21 Uhr MESZ, LIVE! bei kicker.de) gegen Chile wieder vollends auf dem Damm sein.

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Spielersteckbrief Casillas

Casillas Iker

Spielersteckbrief Sergio Ramos

Ramos Garcia Sergio

Spielersteckbrief Jordi Alba

Alba Ramos Jordi

Trainersteckbrief del Bosque

del Bosque Vicente

Düstere Stimmung bei Ramos und Co.

Während der Trainer als Motivator voranging und den Blick eher gen Chile denn zurück auf die "Elftal" richtete, wirkten die Akteure noch niedergeschlagen. Ein geknickter Sergio Ramos, der sich beim fünften Gegentreffer von Robben mehrere Meter im Sprint abnehmen ließ, gab zu Protokoll: "Es gibt dafür keine Entschuldigung. Es ging mir im Kopf herum." Für den aktuellen Champions-League-Sieger von Real Madrid war die Demontage insgesamt "mehr ein mentales, als ein physisches Problem".

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Defensivkollege Jordi Alba bestätigte derweil nochmals die Albtraumtheorie: "Keiner konnte sich vorstellen, dass wir fünf Tore kassieren."

Armer Casillas

Mit sich ins Gericht ging auch Spaniens Nummer eins Casillas, der am Freitag einen weiteren Tiefpunkt erlebte. Für seine Fehler - unter anderem beim 1:4, als er den Ball bei der Annahme völlig wegspringen ließ - entschuldigte sich Casillas mittlerweile: "Es war nicht mein bestes Spiel, ich war nicht auf der Höhe, damit muss ich leben." Er wisse außerdem, dass nun Kritik auf ihn einprasseln werde, "aber zu allererst muss ich mich für das Spiel entschuldigen und dafür, was wir alle und ich im Besonderen abgeliefert haben". In den Jahren 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012 wurde der Schlussmann einst zum Welttorhüter gekrönt. Seitdem fehlt "San Iker" des Öfteren in den Aufzählungen um die beste Nummer eins der Welt. Das liegt auch daran, dass der Schlussmann von Real Madrid bei den Königlichen nicht mehr so oft zum Zuge kommt. In der Liga erhält mittlerweile stets Landsmann Diego Lopez den Vorzug.

Der schützende del Bosque

Sergio Ramos

Ablenkung war angesagt: Sergio Ramos versucht sich am "Wheelie", einem Trick, bei dem während des Fahrens das Vorderrad oben bleibt. Getty Images

Seinen Stammtorhüter nahm del Bosque aber in Schutz - gerade wegen dessen persönlichen Fähigkeiten im Umgang mit den Kollegen nach der Schmach: "Als in ich den Raum kam, hat er mit jedem sehr ruhig und auch selbstkritisch gesprochen. Er hat damit eine wichtige Grundlage für die nächsten Spiele gelegt." Auch seine anderen Spieler, denen von der Weltpresse Sattheit oder ein zu hohes Alter nachgesagt wird, verteidigte der Trainer: "Wir haben diese Spieler nominiert, weil sie die besten sind. Sie haben die nötige Erfahrung, um die kommenden Aufgaben zu meistern. Das sage ich aus voller Überzeugung."

Für jene kommenden Prüfungen bekam "La Furia Roja" unlängst auch Unterstützung vom spanischen Verband RFEF - vor allem in optischer Hinsicht. So wurden großflächige Plakate im Presseraum des Trainingsquartier aufgehängt. "Die Gruppe - die Kraft" stand beispielsweise auf einem farbigen Poster mit dem aktuellen WM-Kader. Daneben hingen zwei riesige Bilder in schwarz-weiß, die jubelnde Spieler nach den jüngsten Erfolgen zeigen. Um nach dem WM-Titel 2010 und den EM-Titeln 2008 und 2012 noch einen weiteren Triumph anzuhängen, braucht die "Goldene Generation" um die Ideengeber Xavi Hernandez und Andes Iniesta allerdings schnellstens eine Initialzündung.

Bilder zur Partie Spanien - Niederlande