"Du wirst entweder ein Krimineller oder spielst Fußball", sagte Boateng in seinem via "Instagram" verbreiteten Abschiedsvideo und stellte fest: "Ich habe Fußball gewählt."
Seine Jugend verbrachte der technisch versierte Mittelfeldspieler bei Hertha BSC, wo er in der Jugend große Erfolge feierte und später im Alter von 18 Jahren gegen Eintracht Frankfurt (2:0) sein Bundesliga-Debüt gab. Es sollte der erste Schritt auf einem langen, steinigen, aber auch sehr erfolgreichen Weg werden. "Von hier bis zur White Hart Lane, Wembley, San Siro und ins Camp Nou", blickte Boateng bei seinem Clip auf einige Stationen seiner Karriere zurück und fragte fast schon ungläubig: "Überleg dir das mal?"
Viele Klubs mit Rang und Namen
In der Tat kann sich die Liste der Klubs, für die der Deutsch-Ghanaer gespielt hat, absolut sehen lassen. International kickte er im Laufe seiner 18-jährigen Profi-Karriere für Tottenham Hotspur, Portsmouth, Milan, Las Palmas, Sassuolo Calcio, den FC Barcelona, die AC Florenz, Monza und Besiktas Istanbul.
National streifte er sich die Trikots von Borussia Dortmund, Schalke 04, Eintracht Frankfurt und eben Hertha BSC über. In Berlin schloss sich für Boateng letzlich auch der Kreis. Denn dort, wo seine Karriere einst gestartet war, endete sie auch - allerdings mit einem bitteren Wermutstropfen, denn den Abstieg von Hertha BSC konnte auch er nicht verhindern. Tränen inklusive.
Jeden Tag kämpfte ich mit meinen Dämonen.
Kevin-Prince Boateng
Damit kann und muss er leben, jedoch sind Rückschläge für Boateng nichts Neues, wie er selbst sagte. "Ich hatte in meinem Leben mehr Niederlagen als Siege", so der 36-Jährige, dessen Vertrag mit der Alten Dame ausgelaufen war. Danach hatte er sich Gedanken über seine Zukunft gemacht, Offerten gab's aus Italien und der arabischen Halbinsel. Er wollte allerdings "gucken, was für mich am besten ist, was mein Körper noch geben kann".
Kämpferherz, großes Herz!

Immer für einen Spaß zu haben: Kevin-Prince Boateng verkleidet als Michael Jackson, hier mit Zlatan Ibrahimovic (li.) und Ignazio Abate (Mi.). imago sportfotodienst
Nun die Entscheidung: Dem Profifußball wird er nichts mehr geben, jedenfalls nicht mehr als Spieler auf dem Platz. In dem emotionalen Video, das Highlights seiner Karriere beinhaltete, gab Boateng darüber hinaus auch Einblick in sein Seelenleben und zeigte auf, dass der Schein oft trügerisch ist.
"Ich habe immer alles gegeben für meine Mitspieler. Ich war der Leader, ich war der harte Junge, aber ich war auch der Clown - ich war lustig. In der Kabine habe ich den starken Prince gezeigt, lachend und jeden aufbauend", so der gebürtige Berliner, um dann aufzurütteln: "Jeden Tag kämpfte ich mit meinen Dämonen. Ich ging nach Hause, weinte, fühlte mich traurig und hatte Depressionen."
Das Kämpfen ist dem begnadeten Kicker nie fremd gewesen, auch auf dem Rasen ging er selten einem Zweikampf aus dem Weg. Sein größter Rivale sei jedoch stets er selbst gewesen, denn "niemand denkt so wie ich, niemand ist so wie ich", ergo "hätte niemand mein Rivale sein können".
Furore, die Akte Ballack und gesellschaftliches Engagement
Für Furore sorgte Boateng etwa im Jahr 2009, als es Vorwürfe gab, er hätte gemeinsam mit Patrick Ebert in Berlin mutwillig Autos beschädigt. Er bestritt zwar die Anschuldigungen, vermied durch Zahlung einer Geldstrafe letztlich aber einen öffentlichen Prozess.
In die sportlichen Schlagzeilen war der robuste Mittelfeldmann im Jahr 2010 gerückt. Hier war Boateng im FA-Cup-Finale mit Portsmouth auf Chelsea getroffen und war dem damaligen DFB-Kapitän Michael Ballack hart in die Parade gefahren. Ballack war daraufhin ausgewechselt worden, hatte sich schwer am Knöchel verletzt und in der Folge die bevorstehende WM verpasst.
Während der damalige deutsche Mittelfeld-Star Boateng nach einer Zeit vergeben hatte ("Im Fußball sollte man nicht nachkarten"), sagte Boateng selbst über diesen Vorfall einmal: "Ich habe mich noch auf dem Platz entschuldigt, Ballack musste raus, ich bekam Gelb und damit war das Thema erledigt."
Doch dann: "Da waren gefühlt 5000 Nachrichten auf meinem Telefon. Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, welche Dimensionen dieses Foul annehmen würde. Den Vorwurf, er habe mit seiner Attacke bewusst den WM-Start Ballacks verhindern wollen, bestritt er dabei. "Wer so redet, hat noch nie Fußball gespielt", schreibt Boateng, der sich Gesellschaftlich seit Jahren gegen Rassismus engagiert, dazu in seiner Biografie.
Sportliche Erfolge und ein Rat an die Fans
Und sportliche Erfolge hatte er selbstredend auch: Die italienische Meisterschaft mit Milan 2010/11 sowie die spanische mit Barça 2018/19 ragen dabei ebenso heraus wie der DFB-Pokalsieg mit Frankfurt 2017/18 (3:1 gegen Bayern München). Auf Nationalmannschaftsebene durchlief Boateng zunächst die Jugendteams des DFB, ehe er sich doch für Ghana, das Geburtsland seines Vaters, entschied. Für die Black Stars bestritt er 15 Länderspiele und nahm 2010 und 2014 an der Weltmeisterschaft teil.
Talent ist nichts ohne harte Arbeit.
Kevin-Prince Boateng
Doch nun ist Schluss. "Ich liebe dich, aber das wars für mich. Danke für alles, lieber Fußball", schrieb er persönlich. Nach 520 Pflichtspielen, 76 Toren und 56 Vorlagen verabschiedet sich Boateng also von der großen Bühne und gab offen zu, dass ihm dieser Schritt nicht leicht fällt: "Wenn du mit dem Spielen aufhörst, dann trifft es dich am härtesten."
Ein paar Tipps für seine Fans hatte er aber parat. So betonte er ausdrücklich, dass er "lernen musste, dass Talent nichts ohne harte Arbeit" sei - und er verriet auch den besten Rat, "den ich je gehört habe: Nimm das Leben nicht zu ernst, weil du da nicht lebend rauskommst."



