Am vorvergangenen Sonntag sollte Florian Wirtz wie gewohnt auflaufen, als der FC Liverpool in Nottingham gastierte. Weil beim Aufwärmen Rückenprobleme auftraten, scheiterte dieses Vorhaben jedoch kurzfristig. Trainer Arne Slot hatte daraufhin Entwarnung gegeben und ein schnelles Comeback in Aussicht gestellt - wurde inzwischen aber eines Besseren belehrt.
Beim 5:2-Heimsieg gegen West Ham United am Samstag fehlte Wirtz erneut, und offenbar verpasst der zuletzt so formstarke Nationalspieler noch zwei weitere Pflichtspiele. Wie Slot am Montag bekanntgab, kommt die Pflichtaufgabe bei Schlusslicht Wolverhampton an diesem Dienstag (21.15 Uhr) "wahrscheinlich zu früh", und das gelte "vielleicht" auch für das FA-Cup-Achtelfinale drei Tage später an selber Stelle gegen denselben Gegner (21 Uhr).
"Schauen wir mal, wie es ausgeht", sagte der Trainer. "Aber wir hoffen, dass wir ihn irgendwann in der kommenden Woche wieder zur Verfügung haben." Dann steht am Dienstag (10. März, 21 Uhr, alle LIVE! bei kicker) das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Galatasaray Istanbul auf dem Programm. Da wäre Wirtz' Verfügbarkeit sicher noch viel wichtiger als gegen die Wolves.
Liverpools radikale Wende nach ruhenden Bällen
Aber auch ohne den 22-jährigen Spielmacher setzten die Reds zuletzt ihre kleine Serie von nun vier Pflichtspielsiegen fort - auch wegen einer wiederentdeckten Stärke: Gegen West Ham führten gleich drei Ecken zu Toren. Bis zum Jahreswechsel war der Titelverteidiger bei ruhenden Bällen (ohne Elfmeter) Premier-League-weit noch Schlusslicht, seitdem nutzt sie niemand besser.
Am Samstag hatten seine Profis immer wieder erfolgreich Hammers-Keeper Mads Hermansen geblockt, so wie man es von Spitzenreiter Arsenal seit Monaten gewohnt ist. Den Premier-League-Trend, dass Standards immer mehr an Bedeutung gewinnen und zunehmend am Rande der Legalität ausgeführt werden, hinterfragt auch Slot kritisch.
"Die meisten Spiele in der Premier League sind für mich keine Freude mehr"
"Das ist vor allem hier in der Premier League so. Das ist die neue Realität. Wenn ich mir andere Ligen anschaue, wird meiner Meinung nach nicht so viel Wert auf Standardsituationen gelegt. Wenn ich mir ein Spiel der Eredivisie anschaue, sehe ich, dass Tore aberkannt und Fouls an Torhütern gepfiffen werden. Hier dagegen kann man einem Torwart fast ins Gesicht schlagen, und der Schiedsrichter sagt trotzdem: 'Spielt einfach weiter'", wundert sich Slot.
"Gefällt mir das? Mein Fußballherz mag das nicht. Wenn Sie mich fragen, was ich unter Fußball verstehe, dann denke ich an die Mannschaft von Barcelona vor 10 bis 15 Jahren. Heute sind die meisten Spiele, die ich in der Premier League sehe, für mich keine Freude mehr", räumte der Niederländer ein, nicht ohne beschwichtigend anzufügen: "Aber es ist immer interessant, weil es so umkämpft ist, und das macht diese Liga so großartig."


