Champions League

Was vor dem Spiel gegen Bayern für und was gegen den FC Barcelona spricht

Messi spielt bei beiden Faktoren eine Rolle

Was für und was gegen den FC Barcelona spricht

Über sie wird viel geredet: Marc-André ter Stegen, Lionel Messi und Arthur.

Über sie wird viel geredet: Marc-André ter Stegen, Lionel Messi und Arthur. imago images (3)

Das spricht für den FC Barcelona

Der Messi-Faktor

"Messi decken wir am besten immer zu zweit", hatte Neapels Diego Demme vor der Achtelfinalrückspiel (1:3) noch halb im Scherz gesagt. Hätten es die Kampanier mal lieber getan. Der 33-Jährige traf fulminant zum 2:0 und holte den Elfmeter zum 3:0 heraus. Ein weiteres Tor wurde ihm nur aberkannt, weil er den Ball zuvor mit der Hand wohl minimal touchiert hatte.

25 Tore in der Liga und drei Treffer in der Königsklasse beweisen: Messi ist trotz seiner 33 Jahre weiterhin jederzeit in der Lage, ein Spiel alleine zu entscheiden, gerne auch mal per Freistoß. Allzu viele Fouls in Strafraumnähe dürfen sich die Bayern nicht erlauben.

Gegen München trifft Messi eh zuverlässig, vier Tore und zwei Assists in fünf Spielen sind verbucht. Und: Mit Luis Suarez hat Messi einen kongenialen Partner (16 Ligatore, vier CL-Treffer), der an einem guten Tag in nur einem Spiel ebenfalls den Unterschied ausmachen kann.

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Lediglich das Zusammenspiel zwischen Messi und Antoine Griezmann harmoniert noch nicht perfekt, die katalanische "Sport" spekulierte jüngst darüber, dass der Franzose (zwei Tore im Jahr 2020) gegen die Bayern auf der Bank sitzen wird. In diesem Fall könnte Ansu Fatis Stunde schlagen, der mit Messi gut harmoniert, allerdings gegen Neapel überraschend nicht zum Einsatz kam. In der Königsklasse hat der 17-Jährige seinen Wert schon unter Beweis gestellt: Bei Inter Mailand gelang ihm im letzten Gruppenspiel der Siegtreffer zum 2:1.

Barça ist nicht leicht zu schlagen

Auch wenn die Katalanen nach dem Re-Start Schwächen offenbarten: Leicht zu besiegen ist Barça keineswegs. In den vergangenen 13 Spielen schaffte das nur ein einziges Team - und das hieß CA Osasuna am 37. Spieltag. Dazu kamen drei Remis und neun Siege. Dass 24 Punkte aus elf Ligaspielen nicht zum Meistertitel reichten, lag eben auch an Real Madrid, das nach dem Re-Start bis auf die bedeutungslose Begegnung bei Leganes am letzten Spieltag alle Begegnungen gewann.

Marc-André ter Stegen

Was für Messi und Suarez gilt, das gilt auch für ter Stegen: An sehr guten Tagen kann er ein Spiel alleine entscheiden, an guten Tagen ist er immer noch ein bombensicherer Rückhalt. Schwere Patzer leistet sich der ehemalige Gladbacher viel seltener als früher. Und: Wenn es auch fußballerisch einer mit Manuel Neuer aufnehmen kann, dann sicherlich der 28-Jährige, der längst als Thronfolger im DFB-Team fest steht. "Mittlerweile ist die Kopie ter Stegen gefühlt etwas besser als das Original" sagte Bodo Illgner in seiner kicker-Kolumne (Montagausgabe). Seine Aktionen mit dem Fuß sähen zuweilen "einen Hauch eleganter aus".

Was gegen Barcelona spricht

Das Binnenverhältnis

"Ich sehe mich auch nächste Saison als Trainer des FC Barcelona." (Am 15. Juli vor dem Spiel gegen Osasuna).
"Ob ich gegen Neapel auf der Bank sitze, weiß ich nicht." (Am 16. Juli nach der Pleite gegen Osasuna)
"Es ging mir nie durch den Kopf, dass das mein letztes Spiel sein könnte." (Am 7. August nach dem Sieg gegen Neapel)

Die Aussagen von Quique Setien zu seiner Zukunft könnten kaum widersprüchlicher sein. Ziemlich klar ist aber: Bei einem Ausscheiden gegen Neapel hätten die ambitionierten Katalanen einen Schlussstrich gezogen. Das Binnenverhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft soll ohnehin nicht das beste sein. Ende Juni ignorierte Messi Co-Trainer Eder Sarabia, während Suarez den Coach unverblümt kritisierte. Für Setien werden die Spieler sicher nicht durchs Feuer gehen, für sie geht es - auch wegen der Blamagen in Rom (2018) und Liverpool (2019) - mehr um die eigene Reputation.

Doch reicht das, um gegen die Bayern zu bestehen? Und wie ist eigentlich das Klima innerhalb der Mannschaft? "Wir sind ein schwaches Team", klagte Messi nach der verlorenen Meisterschaft an. Es klang, als würde er das nicht nur auf das Sportliche beziehen. Der Superstar ist im Laufe seiner Karriere mündiger, aber auch ein wenig divenhafter geworden. Die ständigen Gerüchte über seine Zukunft (Vertrag läuft 2021 aus) hinterlassen Unruhe in Mannschaft und Klub. Dass Griezmann und er keine dicken Freunde sind, ist auch verbrieft.

Merkwürdig mutete auch die Entscheidung Arthurs an, nicht mehr beim möglichen Titel in der Königsklasse mithelfen zu wollen. Sein zukünftiger Klub Juventus Turin war dem Brasilianer offenbar wichtiger. Eine Entscheidung, die tief blicken lässt.

Die löchrige Defensive

Barcelonas sportlich größte Schwäche ist aber die Abwehr. Bei Standards sind die Katalanen anfällig, da kopfballstarke Spieler im Team rar gesät sind. Eine Schwäche, die der FC Bayern ausnutzen könnte. Im Strafraum gehen die Katalanen häufig zu ungestüm zu Werke. Beim 2:2 gegen Atletico kassierte Barça gleich zwei Foulelfmeter (Verursacher Arturo Vidal und Nelson Semedo), gegen Neapel einen (Ivan Rakitic). Mit 38 Gegentoren stellte Barcelona gerade mal die fünftbeste Defensive in La Liga. Dass sie in Drucksituationen zusammenbrechen kann wie ein Kartenhaus, hat man nicht zuletzt in Rom und Liverpool gesehen.

Die Konteranfälligkeit

Auch bei schnellen Gegenstößen ist Barça regelmäßig zu knacken. Das liegt auch an den offensiven Verteidigern Semedo und vor allem Jordi Alba, der sich überdurchschnittlich häufig in der Offensive mit einschaltet. Das bringt Tore - aber eben auch Gegentore. Häufig fehlt der Linksverteidiger dann bei Ballverlusten, Barcelona gerät in Unterzahl und wird, meist mit langen Bällen in die Spitze, ausgekontert.

Barcelonas letzte Lebensversicherung heißt dann häufiger Piqué als Lenglet. Doch auch am 33-Jährigen geht das Alter nicht spurlos vorbei, der Weltmeister von 2010 war ja ohnehin noch nie der Schnellste. Wenn er nicht mehr hinterherkommt, bleibt den Katalanen nur noch eines übrig: hoffen, dass es ter Stegen (mal wieder) ausbügelt.

Christoph Laskowski

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