Den erneuten Ausfall verkündete der Verein am Samstag: Kapitän Manuel Neuer zog sich einen leichten Muskelfaserriss zu und wird mindestens das Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo verpassen. Wie schon vor wenigen Wochen, als die Bayern 3:0 in Bremen gewannen, musste die Münchner Nummer 1 bei seiner Rückkehr ins Tor zur Pause ausgewechselt werden - die Wade machte wieder Probleme. Ohne gegnerische Einwirkung.
Jonas Urbig, der sich bis auf wenige Wackler als starker Stellvertreter präsentierte, wird für Neuer in Bergamo starten. "Ich wünsche ihm erst mal gute Besserung", sagte der 22-Jährige: "Meine Aufgabe ist es, bereit zu sein, wenn etwas passiert." So wie im vergangenen Jahr. Auch da musste oder durfte der im Januar 2025 aus Köln geholte Torhüter direkt in der Champions League ran. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen Leverkusen (3:0) debütierte Urbig für den FC Bayern, stand dann auch im Rückspiel (2:0) und im Viertelfinale gegen Inter Mailand (1:2, 2:2) zwischen den Pfosten.
Urbig: "Ich glaube schon, dass ich mich weiterentwickeln konnte"
Nun ist ein Jahr vergangen. Zwölf intensive Monate beim deutschen Rekordmeister, in denen Urbig Aufgaben wie die kommende schon kennengelernt hat. "Ich persönlich habe mich, denke ich, nicht negativ verändert, habe aufgrund des guten Torwartteams und von Manuels Erfahrung viel gelernt", sagt der junge Keeper rückblickend: "Ich glaube schon, dass ich mich weiterentwickeln konnte." Vor allem auch, weil Neuer seine Förderung unterstützt, weil Urbig nicht nur in Abwesenheit Neuers immer wieder Einsätze bekam, wichtige Minuten nicht nur in vermeintlich unwichtigen Partien, sondern auch auf höchstem Niveau.
Das hilft logischerweise einem Torhüter, sich an den Spielstil der Mannschaft sowie an seine Vordermänner zu gewöhnen - und andersherum. Das Zusammenspiel zwischen Urbig und den Verteidigern funktioniert, er hat das hohe Torwartspiel in sich, ist mutig im Herauslaufen und überzeugt mit präzisem Passspiel, auch über die gegnerische Kette hinweg.
Jetzt steht Urbig vor seiner nächsten Prüfung, in einem stimmungsvollen, engen Bergamo-Stadion. Über die Umstände aber macht er sich wenig Gedanken - schon in jungen Jahren wirkt er cool, abgezockt. Vielleicht auch, weil er weiß: "Wir haben auch als Mannschaft noch mal einen Schritt nach vorn gemacht."


