Int. Fußball

Sevilla und das Gesetz der Serie - auch im negativen Sinne

Rakitic ordnet die Niederlage gegen die Bayern ein

Sevilla und das Gesetz der Serie - auch im negativen Sinne

Youssef En-Nesyri

Youssef En-Nesyri musste nach dem Spiel getröstet werden. Getty Images

Er kam für den Helden des Europa-League-Finales und hätte am Donnerstag der Held des Supercup-Finales werden können. Doch am Ende der zwei Stunden von Budapest kniete Youssef En-Nesyri auf dem Rasen der Puskas-Arena und weinte. Zwei Riesenchancen hatte der Angreifer des FC Sevilla gehabt nach seiner Einwechslung für Luuk de Jong, der im August in Köln beim 3:2 im Endspiel der Europa League über Inter Mailand zweimal getroffen hatte.

Und der Ex-Gladbacher hatte auch gleich losgelegt wie vor fünf Wochen: Seine Kopfball-Ablage im gewonnen Duell gegen Niklas Süle auf Ivan Rakitic führte schon früh zum Elfmeter, den dann Lucas Ocampos sicher verwandelte.

UEFA-Supercup - Finale in Budapest
Spielersteckbrief Rakitic
Rakitic

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Spielersteckbrief En-Nesyri
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En-Nesyri Youssef

Kleine Details haben das Spiel entschieden, aber diese waren sehr, sehr wichtig.

Ivan Rakitic

Nach einer Stunde aber brachte Trainer Julen Lopetegui En-Nesyri für de Jong, im Endspiel der Europa League war das erst in der Endphase der Fall gewesen. In beiden Fällen sollte der Konterspieler die sich bietenden Räume nutzen. Kurz vor Schluss bot sich dann am Donnerstag tatsächlich die Möglichkeit: Da hatte En-Nesyri die große Möglichkeit bei einem Konter nach einer Bayern-Ecke. Doch der Marokkaner scheiterte allein vor Manuel Neuer - an dessen rechter Hand. Auch gleich zu Beginn der Verlängerung hatte der Stürmer das 2:1 auf dem Fuß - da stellte Neuer dann den Fuß dazwischen. Pfosten.

Ivan Rakitic

Ivan Rakitic verpasst in seinem 150. Pflichtspiel den zweiten Pott mit Sevilla. imago images

Der Ex-Schalker Ivan Rakitic, nach sechs Jahren bei Barca zurück beim Klub seines Herzens, erklärte gegenüber Sky: "Kleine Details haben das Spiel entschieden, aber diese waren sehr, sehr wichtig." Was er meinte: "Man hat gesehen, wie wichtig Manuel Neuer ist." En-Nesyri wird ihn bestätigen. Kurz nach dessen Chancen traf Javi Martinez zum Sieg, für den Marokkaner und die Kollegen vom FC Sevilla blieb nur der Titel "Helden ohne Pokal", wie AS schrieb. Die 500 mitgereisten Fans der Andalusier ließen ihre Mannschaft dennoch hochleben, statt des enttäuschten Trainer Julen Lopetegui war es dann aber Sportdirektor Monchi, der die Mannschaft noch auf dem Platz im Kreis mental starkredete für die nächsten Aufgaben.

Das Match gegen Bayern war 34 Tage nach dem Sieg über Inter Mailand das erste Pflichtspiel gewesen. Angesichts mangelnder Spielpraxis präsentierte man sich aber bereits auf hohem Niveau. Doch, so Rakitic zu Sky: "Dann schenken wir einen Eckball, aus dem dann das zweite Gegentor entsteht."

Unnötige Aktion von Diego Carlos

Das Geschenk machte Diego Carlos, just jener Innenverteidiger, der mit seinem Fallrückzieher in Köln noch für den Sieg gegen Inter gesorgt hatte. Romelu Lukaku hatte damals mit einem missglückten Rettungsversuch die artistische Einlage von Diego Carlos ins eigene Tor bugsiert. Am Donnerstag klärte der Brasilianer in der 104. Minute völlig unnötig zur Ecke, Torwart Bono wäre zur Stelle gewesen, attackierte seinen Innenverteidiger daher verbal. Doch da war es schon zu spät: Im Anschluss an die Ecke köpfte Martinez dann Bayerns Siegtor.

Fünfte Niederlage für Sevilla in Folge im Supercup

"Aber wir können dennoch stolz sein auf die Art und Weise, wie wir gearbeitet und bis zum Schluss gekämpft haben", meinte Rakitic. In seinem 150. Pflichtspiel verpasste er den zweiten Pott mit Sevilla, 2014 war er als Kapitän der Andalusier Europa-League-Sieger geworden. Es scheint eben ein ehernes Gesetz zu sein: Der FC Sevilla triumphiert in der Europa League, sechsmal in sechs Endspielen. Rekord. Doch im Duell um den Supercup hat man kein Glück: Dem ersten Sieg 2006 über Barca folgte am Donnerstag bereits die fünfte Niederlage in Folge. Doch wie sagte Rakitic noch? "Wir haben eben gegen die beste Mannschaft Europas gespielt."

Jörg Wolfrum

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