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Rapids Schobesberger: "Ich bin immer noch ein geiler Kicker"

Vorfreude aufs Comeback

Schobesberger: "Ich bin immer noch ein geiler Kicker"

Jubelt Philipp Schobesberger bald wieder für Rapid?

Jubelt Philipp Schobesberger bald wieder für Rapid? GEPA pictures

Philipp Schobesberger scharrt, wieder einmal, in den Startlöchern. Seit knapp 21 Monaten hat der Flügelstürmer von Rapid Wien kein Spiel mehr auf Profiebene bestritten, sein Comeback-Versuch nach überstandenem Kreuzbandriss scheiterte vergangenen März früh. "Wenn du dir nach eineinhalb Jahren denkst, du kannst endlich wieder spielen und nach einer Viertelstunde ist alles wieder vorbei, ist das sehr zach", erinnert sich "Schobi" im Gespräch mit dem kicker an jenen Moment zurück, als im Belastungstest mit Rapid II auswärts beim FAC der Oberschenkel streikte.

Es folgten erneut Monate des Aufbaus, seit dem Sommercamp im Burgenland steht der beschlagene Techniker aber wieder voll im Mannschaftstraining. "Ab und zu bekomme ich noch eine Pause, wenn es für die Muskeln zu viel wird." Das Knie macht hingegen keine Probleme mehr: "Das hat sich von Anfang an gut angefühlt, da hab' ich mir wenig Gedanken gemacht." Nun geht es vor allem darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu finden. "Jetzt ist zweimal etwas im Oberschenkel gerissen, da ist es ganz normal, dass bei längeren Sprints noch eine gewisse Anspannung da ist."

Spielersteckbrief Schobesberger
Schobesberger

Schobesberger Philipp

Rapid Wien - Vereinsdaten
Rapid Wien

Gründungsdatum

08.01.1899

Bundesliga-Auftakt

Bleibt Schobesberger von erneuten Rückschlägen verschont, sollte einem weiteren Comeback-Versuch innerhalb der nächsten Wochen nichts im Weg stehen. Einen Zeitplan dafür setzt sich der 27-Jährige aber bewusst nicht. "Ich hab' keine Lust, dass ich wieder zu früh anfange und dann reißt noch einmal was." Der Oberösterreicher ist ein gebranntes Kind, hat in Summe drei Jahre seiner Karriere verletzungsbedingt versäumt. "Im Endeffekt bleibt eh nichts anderes übrig, als nicht groß darüber nachzudenken und weiter zu trainieren. Da bin ich ein Spieler, der eher unkompliziert ist."

Schobesberger: "Wär schon wieder leiwand, ein Match zu spielen"

Dennoch packt ihn freilich die Lust, endlich wieder für Rapid aufzulaufen. Mehr, wenn er selbst auf dem Trainingsplatz steht, als wenn er seinen Kollegen von den Rängen des Allianz-Stadions aus auf die Beine schaut. "Da ist es überraschenderweise gar nicht so schlimm, dass ich mir denke, ich müsste jetzt unbedingt dabei sein. Aber wenn ich selbst im Training auf dem Platz stehe und merke, es fühlt sich ganz gut an, da denk' ich mir schon: Eigentlich wär's schon wieder leiwand, ein Match zu spielen."

Wenn es dann endlich wieder soweit sein wird, dürfen sich die Fans ganz auf den "Schobi" von früher freuen. Seinen Spielstil habe er aufgrund der Verletzungen nicht verändern müssen, versichert der Edelzangler und stellt klar: "Ich würde sagen, dass ich immer noch ein geiler Kicker bin!" Das finden wohl auch jene, denen die Feststellung "Ein Schobesberger würd' dem Rapid-Spiel jetzt guttun", in den letzten eineinhalb Jahren immer wieder über die Lippen kam. Ein Satz, den der Betroffene selbst so oft gehört hat, "so weit kann ich gar nicht zählen. Genauso oft, wie die Frage, wann ich wieder spielen kann."

"Es wäre schon schön, wenn wir jetzt einmal etwas gewinnen"

2014 aus Pasching gekommen, geht Schobesberger in seine bereits achte Saison beim Rekordmeister. Dass der Cupsieg mit den Oberösterreichern sein bisher einziger Titel bleiben würde, hätte er sich damals bei seinem Wechsel nach Hütteldorf nicht gedacht. "Natürlich bin ich mit dem Ziel, Titel zu gewinnen, nach Hütteldorf gekommen, sonst hätte ich nicht den nächsten Schritt gemacht. Da wäre ich in Pasching geblieben und hätte dort vielleicht noch einen Cupsieg geholt", sagt der Linzer mit seinem typischen Lausbuben-Lächeln. "Es wäre schon nicht schlecht, wenn wir jetzt einmal etwas gewinnen."

Ich bin nicht einer, der die Laufwege genauso durchzieht, wie wir sie einstudieren, sondern so, wie es sich für mich in dem Moment richtig anfühlt.

Philipp Schobesberger

Die Richtung bei Grün-Weiß stimme jedenfalls: "Ich glaube nicht, dass der Kader schlechter geworden ist, von den Neuzugängen bin ich bis jetzt positiv überrascht." Er selbst hofft, der Mannschaft im Kampf um Punkte bald wieder helfen zu können. Dann gilt es auch für Trainer Dietmar Kühbauer wieder, den eigenwilligen Kicker zu zähmen. "Ich bin halt eher ein individueller Spieler, der seine Sachen macht. Ich bin nicht einer, der die Laufwege genauso durchzieht, wie wir sie einstudieren, sondern so, wie es sich für mich in dem Moment richtig anfühlt."

Schobesberger gereift, "aber immer noch ein Kasperl"

Der Moment, das Hier und Jetzt, ist für Schobesberger allgemein ein wichtiges Stichwort. "Einfach wieder einmal spielen und schauen, dass alles hält", heißt das nächste Ziel. Große Karrierepläne sind nach der langen Leidenszeit dem Fokus auf die Gegenwart gewichen. "Es muss jetzt nicht mehr das Ausland sein. Ich bin auch nicht abgeneigt, meine Karriere hier zu beenden", sagt der Jungvater, der mit seiner Familie gerade ein Haus in der Nähe von Wien baut. Wobei, eine Einschränkung fällt ihm dann doch ein: "Wenn Yusi (Yusuf Demir, Anm.) bei Barcelona dem Trainer sagt, 'Da ist noch einer bei Rapid, holt den!', dann würde ich vermutlich nicht Nein sagen."

Das fortschreitende Alter und die Gründung einer Familie haben ihn schon etwas reifen lassen, erklärt Schobesberger. Dennoch ist er sich charakterlich treu geblieben: "Teilweise bin ich immer noch ein Kasperl." Deshalb sieht er sich nach der aktiven Karriere auch nicht als Chefcoach. "Maximal als Co-Trainer. Ein bisschen in der Hösche mitspielen, Huterl aufstellen und mit den Spielern Schmäh führen."

David Mayr