Das Interview mit "Sky" ist bereits ein paar Wochen alt, im Hintergrund des Gesprächs mit Felix Nmecha glitzert der Pazifik. Während der US-Reise hatte Dortmunds Zugang mit dem Fernsehsender über seine Vergangenheit und die Entscheidung für Borussia Dortmund gesprochen - und eben auch über die Instagram-Aktivitäten, die im Zuge dieses Wechsels kontrovers diskutiert wurden.
So hatte er ein Posting des US-amerikanischen Aktivisten Matt Walsh geteilt, eines selbsternannten "theokratischen Faschisten", dessen Ansichten im höchsten Maße homo- und transfeindlich sind. Nun distanzierte sich Nmecha davon: "Ich übereinstimme nicht mit der Person und mit dem, für was sie steht." Er habe einen Lerneffekt aus den Reaktionen mitgenommen, "einfach klar zu sagen, was man meint und keinen Raum für falsche Interpretationen zu lassen. Wenn ich etwas poste, muss ich sehr genau sein, was ich meine und wie ich es meine, damit die Leute es auf die richtige Weise annehmen".
Das Posten eines Beitrags, in dem das Wort "Pride" mit einem Teufel gleichgesetzt wurde, verteidigte er und fühlt sich missverstanden. In der LGBTQ-Gemeinschaft steht Pride für den Stolz auf die geschlechtliche und sexuelle Identität, er aber habe eine andere Bedeutung gemeint. "Es gibt eine gute Art von pride, wenn man etwa stolz auf etwas ist, das man getan hat. Und dann gibt es pride in dem Sinne, dass es nur um einen selbst geht." So ist pride im englischen Sprachraum eine der sieben Todsünden, im deutschen Gebrauch meist als Hochmut, Eitelkeit oder Übermut verwendet. "In diesem Post ging es darum, dass ich glaube, dass es gut ist, demütig zu sein. Nicht andersherum, nicht das Gegenteil davon."
Ich glaube nicht, dass ich homophob oder transphob bin, nicht mal annähernd.
Felix Nmecha
Die homofeindliche Interpretation sei nicht seine Absicht gewesen: "Natürlich kann jeder selbst entscheiden, wie er es versteht. Und ich kann verstehen, dass sie es so interpretiert haben. Aber ich kann nicht entscheiden, wie Menschen verschiedene Dinge interpretieren. Mein Ziel ist es, Menschen zu lieben und die Wahrheit zu teilen. Ich glaube nicht, dass ich homophob oder transphob bin, nicht mal annähernd."
Nmecha überzeugt die BVB-Verantwortlichen
Vor seinem Wechsel hatte sich die BVB-Führungsriege intensiv mit Nmecha ausgetauscht. Im Grundwertekodex ist aufgeführt, dass sich die Mitglieder für "ein Vereinsleben und eine Gesellschaft ohne Rassismus, Antisemitismus, LSBTI+ -Feindlichkeit, Sexismus, Gewalt und Diskriminierung" einsetzen: "Mit Überzeugung stehen wir zu dieser Haltung, fordern und fördern Zivilcourage und setzen entschlossene Zeichen mit unserer Antidiskriminierungsarbeit." Das sahen und sehen viele Fans durch den Transfer Nmechas verletzt.
"Auch ich hatte zunächst große Bedenken, ob er die Werte unserer Borussia teilt", schrieb BVB-Präsident Reinhold Lunow damals auf Twitter. "Aus diesem Grund war es für mich wichtig, ihn persönlich kennenzulernen. Im direkten Gespräch, das ich zusammen mit Aki Watzke mit ihm geführt habe, hat er mir glaubwürdig versichert, dass er die Werte unseres Grundwertekodex teilt und danach handeln wird. Felix Nmecha wird sich angesichts der Kritik im Vorfeld des Transfers bei vielen Schwarzgelben noch Vertrauen erarbeiten müssen. Mein Vertrauen hat er."


