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13.05.2019, 17:20

27-Jähriger schreibt mit seinem Gamewinner Geschichte

Kawhi Leonard: Der Star, der kein Star sein will

Die Toronto Raptors stehen in den Conference Finals. Und das haben sie einem Mann zu verdanken: Kawhi Leonard. Der Superstar der Kanadier erzielte in Spiel sieben gegen Philadelphia den Gamewinner und schrieb damit Geschichte. Es drehte sich einmal mehr alles um den 27-Jährigen. Den Superstar seiner Mannschaft, der eigentlich kein Star sein will.

Umjubelter Matchwinner: Kawhi Leonard (Mitte) umringt von Teamkollegen.
Umjubelter Matchwinner: Kawhi Leonard (Mitte) umringt von Teamkollegen.
© Getty ImagesZoomansicht

Es spitzte sich alles auf diesen einen Moment zu in der Halbfinal-Serie zwischen Toronto und Philadelphia. Spiel sieben in Kanada, es stand 3:3 in der Serie und 90:90 im Entscheidungsspiel. 4,2 Sekunden waren noch auf der Uhr, die Raptors hatten Einwurf. Natürlich ging der Ball zu ihrem besten Spieler: Kawhi Leonard. Der wertvollste Akteur der NBA-Finals 2014 dribbelte auf die rechte Seite, ging an Ben Simmons vorbei und hatte dann den wesentlich größeren Joel Embiid als Gegenspieler. Die Sekunden tickten nach unten, Leonard hatte kaum mehr Zeit, dribbelte ins rechts Eck, lag quer in der Luft und bekam den Ball gerade noch rechtzeitig in hohem Bogen los.

Was dann passierte, wird in die NBA Geschichte eingehen: Der Ball prallte viermal auf den Ring und entschied sich dann dazu, den Weg durch die Reuse zu finden - 92:90, Toronto gewann die Serie und zog in die Conference Finals ein. Es vergingen 3,3 Sekunden zwischen dem Zeitpunkt, als der Ball die Hände des 27-Jährigen verließ zu jenem Moment, als der Spalding im Korb landete. 3,3 Sekunden, in denen es im Air Canada Center ruhig wurde, die Fans hielten den Atem an, in der Hoffnung, der Wurf würde fallen. Und er fiel. Die Raptors stürmten auf ihren Superstar zu - und auch aus dem sonst so ruhigen, introvertierten Leonard brach es heraus.

Genau dafür wurde er geholt, genau in solchen Momenten braucht die Mannschaften ihren Superstar. Leonard hat mit diesem Wurf ganz nebenbei auch Geschichte geschrieben, denn nie zuvor wurde ein Spiel sieben per Gamewinner entschieden. Mit 41 Punkten beendete der ehemalige Spurs-Spieler die Begegnung und stellte damit einmal mehr seine Ausnahmeform unter Beweis. Insgesamt erzielte er in den sieben Partien 243 Zähler, nur Kareem Abdul-Jabbar (260 Punkte) und Michael Jordan (246) sammelten je in einer Serie mehr Zähler.

Fairer Verlierer: Jimmy Butler (re.) gratuliert Kawhi Leonard.
Fairer Verlierer: Jimmy Butler (re.) gratuliert Kawhi Leonard.

Butler: "Er ist ein unglaublicher Spieler"

"Ich habe nur versucht, mir Platz zu verschaffen und den Wurf loszubekommen. Embiid hat mich verteidigt. Aber er ist größer als ich, deswegen habe ich am Ende diesen Spot gefunden. Ich wusste, dass ich den Wurf hoch ansetzen muss", so Leonard. Und sein Coach Nick Nurse sagte einfach nur: "Er war unglaublich an beiden Enden des Feldes. Er ist einzigartig." Das ist Leonard in der Tat, seit Jahren ist er zweifelsohne eine der besten Spieler der Liga. "Er hat einen schweren Wurf getroffen. Er ist ein unglaublicher Spieler. Wir wissen es. Alle wissen es. Und es gibt nichts weiter über ihn zu sagen", war auch Philly-Spieler Jimmy Butler voll des Lobes über seinen Gegenüber.

NBA-Draft 2011, Tausch zu den Spurs

Aber wer ist dieser Kawhi Leonard? Geboren wurde Kawhi Anthony Leonard, wie er mit vollem Namen heißt, am 29. Juni 1991 in Riverside, Kalifornien. In seiner College-Zeit spielte er zwei Jahre lang für die San Diego State University. Im NBA-Draft 2011 wurde er an 15. Stelle von den Indiana Pacers gedraftet. Dort blieb er allerdings nicht, denn der Small Forward wurde gleich zu den San Antonio Spurs getauscht. Bei den Texanern durfte er mit Gregg Popovich zusammenarbeiten, einem Trainer, der einer der besten der NBA-Geschichte ist. Zudem spielte er mit den drei Spurs-Ikonen Tony Parker, Tim Duncan und Manu Ginobili zusammen. Für den jungen Leonard ein perfektes Umfeld, sich weiterzuentwickeln.

NBA-Titel und Finals-MVP 2014

Kawhi Leonard (links unten) feiert zusammen mit dem Spurs-Ikonen Tony Parker, Timo Duncan und Manu Ginobili den Titel 2014.
Kawhi Leonard (links unten) feiert zusammen mit dem Spurs-Ikonen Tony Parker, Timo Duncan und Manu Ginobili den Titel 2014.
© Getty ImagesZoomansicht

Und genau das tat Leonard auch. Er wurde von Jahr zu Jahr besser - und erlebte 2014 das bisherige Highlight seiner Karriere: Er wurde NBA-Champion mit den Spurs. San Antonio setzte sich gegen LeBron James und die Miami Heat mit 4:1 durch. Trotz der drei Superstars Parker, Duncan und Ginobili im Team wurde Leonard zum wichtigsten Spieler der Serie, vollkommen zu Recht für seine Defensivarbeit gegen LeBron zum Finals-MVP gekürt.

Der zurückhaltende Superstar

Aber der heutige Raptor hielt sich immer lieber im Hintergrund auf, ist zurückhaltend und keiner für das große Rampenlicht. Auf dem Feld verzieht er selten eine Mine. Leonard, dessen Spitzname "The Claw" (Die Klaue) ist, überzeugt seit Jahren mit Leistung auf dem Platz. In Interviews antwortet er meistens kurz, will am liebsten sofort weiter. Das sollen andere machen. Aber wie gut der 27-Jährige ist, wissen alle. 2016 sagte sein Coach mal, dass Leonard an beiden Enden des Feldes die Möglichkeit hat, so zu sein wie der legendäre Michael Jordan. Popovich bezeichnete seinen Schützling gar als einen der besten Two-Way-Player, die es gibt.

Unstimmigkeiten bei den Spurs

Und damit hat der Coach recht. Den neben seiner ausgezeichneten Defensivarbeit ist Leonard auch offensiv Jahr für Jahr besser geworden. Der Small Forward ist komplett, trifft den Dreier, den Wurf aus der Mittelfeldistanz - oder kann energisch zum Korb ziehen. Dreimal wurde Leonard bisher schon Allstar, zweimal bester Defensivspieler der Liga. Einzig die letzte Saison ist ein Knick in der Karriere des US-Amerikaners, denn wegen einer hartnäckigen Schulterverletzung samt sehr langer Rehaphase machte er nur neun Partien. Es gab immer wieder Unstimmigkeiten bezüglich der Behandlung seiner Verletzung. Zum Schluss überwarf sich der Spieler mit dem Verein und bat um seinen Wechsel. Im Sommer ging es dann von San Antonio nach Toronto. Vor der Saison war viel spekuliert worden, wie motiviert Leonard in diese Aufgabe gehen würde, denn angeblich soll sein Wechsel nach Los Angeles für den Sommer 2019 bereits feststehen. Aber nun, nach der regulären Saison samt den ersten beiden Serien der Postseason, lässt sich eindeutig sagen: Leonard nimmt seine Aufgabe maximal ernst.

Mirko Strässer

 
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