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Kehrtwende in Liverpool - Starke Stimmen von der Basis

Der Verein LFC hat sich und seine Werte durchgesetzt

Kehrtwende in Liverpool - Starke Stimmen von der Basis

Der Verein Liverpool FC hat sich und seine Werte durchgesetzt.

Der Verein Liverpool FC hat sich und seine Werte durchgesetzt. imago images

Weil noch keine Antworten gegeben worden waren, bestand am Montag durchaus noch Hoffnung. Hoffnung darauf, die Fenway Sports Group (FSG) werde sich womöglich doch besinnen. Am Nachmittag britischer und mitteleuropäischer Sommerzeit hatten die US-amerikanischen Besitzer des FC Liverpool noch nicht reagiert auf den Brief mit den expliziten Fragen von Spirit of Shankly (SOS), der einflussreichsten Fan-Organisation am River Mersey.

Das war ein zuverlässiges Indiz dafür, dass über die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen in der Corona-Krise von einem der jüngst auch wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballklubs der Welt noch nicht das letzte Wort gesprochen worden war.

Trainersteckbrief Klopp
Klopp

Klopp Jürgen

FC Liverpool - Vereinsdaten
FC Liverpool

Gründungsdatum

15.03.1892

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Der Verein LFC hat sich und seine Werte durchgesetzt

Am Abend dann ruderte die kaufmännische Leitung der Reds in Person von CEO Peter Moore zurück. Das Unternehmen LFC wird zur Versorgung jenes Teils der Mitarbeiter, der in der Regel an Spieltagen beschäftigt ist und der in Zwangsurlaub geschickt werden muss, keine öffentlichen Mittel in Anspruch nehmen. Der Verein LFC hat sich und seine Werte damit durchgesetzt. Das ist die positive Seite der Episode, die in der Abrechnung jedoch immer noch einen erheblichen Imageschaden hinterlässt.

Der Aufschrei erklang unüberhörbar

Es ist nicht das erste Mal, dass die FSG- und LFC-Geschäftsleute in ihren Dependancen in London und der Liverpooler Chapel Street zurückgepfiffen werden mussten - und konnten! - von meinungsstarken Fans und Medien sowie Klublegenden wie Jamie Carragher oder Dietmar Hamann. Deren Aufschrei der Empörung klang seit Samstag unüberhörbar bis über den großen Teich. So wie bei dem daraufhin gescheiterten Versuch, Anfang 2016 die Ticketpreise zu erhöhen. So wie bei dem ad acta gelegten Bestreben, den Namen "Liverpool" markenrechtlich für sich alleine zu beanspruchen und damit kleine Labels, die unabhängige Fanartikel vertreiben, zu benachteiligen. Starke Stimmen von der Basis!

Bürgermeister Anderson: "Es zeigt, dass sie zuhören"

Liverpools Bürgermeister Joe Anderson, ein Everton-Liebhaber, würdigt die Kehrtwende beim Champions-League-Gewinner des Vorjahres jetzt so: "Es zeigt, dass sie zuhören. Es zeigt, dass sie sich um andere kümmern." Besser, als den Fehler einzugestehen, wäre freilich gewesen, die Businessmen der Reds hätten diesen Fehler gar nicht erst begangen.

Dass es so weit kam, kann nicht entschuldigt, ansatzweise wohl erklärt werden mit dem massiven Erschrecken über den drastisch ausbleibenden Cash Flow bei enorm hohen laufenden Kosten. Die Vorgehensweise kam auch überraschend, denn bei allem Streben nach Gewinnmaximierung hatte die FSG sich durchaus ein gewisses Vertrauen und den Ruf erworben, vor weitreichenden Entscheidungen auf das Urteil von Menschen zu hören, die wissen, wie der Klub, die Stadt und die Fangemeinde dort ticken.

Auf diesem Ohr blieben die Amerikaner und ihre Liverpooler Statthalter jetzt zunächst taub. Das Präsidium, dem auch die Klublegende Kenny Dalglish angehört, und andere Berater wurden diesmal, so kicker-Informationen, nicht oder eben nicht rechtzeitig angehört.

Ein Schuss, der nach hinten losging

Das PR-Desaster, das an Adidas, Deichmann oder H&M sowie andere Marken und den Umgang mit Mietzahlungen erinnert, kann Liverpool vorübergehend teurer zu stehen kommen, als der monatlich sechsstellige Betrag, der nun nicht aus Steuergeldern zugeschossen wird. Der hehre Vorsatz, die fehlenden 20 Prozent aus der LFC-Kasse beizusteuern, und den betroffenen Angestellten so einen Verdienstausfall zu ersparen, erweist sich als Schuss, der nach hinten losging.

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Es wird sich noch herausstellen, ob die Vorgehensweise der US-Eigner beim Geschäftsbetrieb im englischen Fußball auch davon geleitet war, nicht anders zu operieren als etwa im nordamerikanischen Baseball, um das Gesicht und eine Form der Gleichbehandlung auch den Mitarbeitern dort gegenüber zu wahren, die Reds also nicht besser zu behandeln als die Boston Red Sox; außerdem sich an möglichen staatliche Hilfen gleichermaßen zu bedienen. Was es moralisch nicht besser macht.

Gut und nachhaltig wertvoll für den Klub FC Liverpool

Doch schon jetzt steht fest, dass eine funktionierende, kritische Klub-Gemeinde gewissen Auswüchsen auf Investoren- und Besitzerseite erfolgreich widerstehen kann. Die bei SOS vereinten Fans vertrieben die ehemaligen Besitzer George Gillett und Tom Hicks. Der heute insgesamt erkennbar gewissenhafter agierenden FSG stehen sie und andere als starkes Kontrollgremium gegenüber. Das ist gut und nachhaltig wertvoll für den Klub FC Liverpool.

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