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Jagdszenen in Malabo

Afrika Cup 2015: Hubschraubereinsatz nach Ausschreitungen

Jagdszenen in Malabo

Unschöne Szenen in Malabo: Äquatorialguineas Anhänger mussten per Hubschrauber vertrieben werden.

Unschöne Szenen in Malabo: Äquatorialguineas Anhänger mussten per Hubschrauber vertrieben werden. Getty Images

Vom Afrika-Cup in Äquatorialguinea berichtet Hardy Hasselbruch

"Es herrschten kriegerische Zustände", sagt Walter Gagg, Schweizerischer CAF-Koordinator und seit Jahren von der FIFA bei der Afrikameisterschaft abgestellt. Zustände, die der übertriebenen Erwartungshaltung im Land des Gastgebers geschuldet waren. In einem Land, in dem es keine Zeitung gibt, in dem das Staatsfernsehen den Ton angibt, wurden nach dem unerwarteten Einzug ins Halbfinale Hoffnungen geschürt, das die "Nzalang Nacional" jetzt auch das Turnier gewinnen könnte.

Eine Einschätzung, die selbst der argentinische Trainer Esteban Becker nicht teilen konnte. Also regierte der Frust der Tribüne, der in Aggressionen mündete. Der Elfmeter - diesmal für Ghana in der 42. Minute - wurde mit den ersten Würfen von Flaschen beantwortet. Das 0:2 unmittelbar vor der Pause ließ die Stimmung gänzlich kippen. Schon der Gang in die Halbzeitpause gelang den Ghanaern und dem Schiedsrichter-Gespann nur unter starken Polizeischutz. Einzeln mussten die Protagonisten unter dem Schutz der Polizeischilde in die Kabine geführt werden.

Nach dem 0:3 schlug der Frust dann in Hysterie um. Attackiert wurden vor allem die etwa 1000 Anhänger der ghanaischen Black Stars. Um sie zu schützen, wurden die Tore in den Innenraum geöffnet, wo sie sich hinter dem Tor versammelten. Gleichzeitig versuchten bewaffnete Polizei- und Sicherheitseinheiten mit der Unterstützung eines Helikopters - der übrigens bei allen Spielen seine bedrohlichen Kreise zog - die Tribünen zu räumen. Ein Horror-Szenarium - Jagdszenen in Malabo!

Im weitläufigen Umfeld des Stadions kamen Knüppel und Tränengas zum Einsatz, die nicht zimperliche Polizei hatte alle Mühe, die aufgebrachte Menge in die Kleinstadt Malabo zu vertreiben. Dort gingen die aggressiven Auseinandersetzungen bis tief in der Nacht weiter. Angeblich führten die Krawalle zu über 50 teilweise Schwerverletzen.

Weiterspielen nicht möglich: Ghanaische Fans versammelten sich zum eigenen Schutz am Spielfeldrand.

Weiterspielen nicht möglich: Ghanaische Fans versammelten sich zum eigenen Schutz am Spielfeldrand. Getty Images

Jetzt ist guter Rat teuer. Die Gremien der CAF tagen am Freitag seit dem frühen Morgen, wie das Turnier weitergehen soll. Es ist offen, ob das Spiel um Platz drei zwischen Äquatorialguinea und der DR Kongo am Samstag in Malabo überhaupt stattfinden soll. Ob es ohne Zuschauer über die Bühne geht, weil "Rachegelüste" erwartet werden. Doch das möchte FIFA-Boss Sepp Blatter nicht. Er wird am Freitag gegen 17 Uhr in der Hauptstadt Äquatorialguineas erwartet. Wie auch immer sich die Gremien der CAF entscheiden - auf der 30. Afrikameisterschaft liegt ein ganz dunkler Schatten. Erst die Verlegung des Turniers wegen der Ebola-Epidemie von Marokko nach Äquatorialguinea. Jetzt die fürchterlichen Ausschreitungen, wie es sie bei einem solchen Turnier noch nie gegeben hat! Am Ende hat sich Äquatorialguinea mit der Übernahme des Turniers einen Bärendienst erwiesen!

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