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Gervinho: In Italien verliebt, von Parma und Pasta verführt

Aufsteiger sorgt in der Serie A für Ausrufezeichen

Gervinho: In Italien verliebt, von Parma und Pasta verführt

Voller Tatendrang zurück in Italien und für Parma unterwegs: Wirbelwind Gervinho.

Voller Tatendrang zurück in Italien und für Parma unterwegs: Wirbelwind Gervinho. imago

Einen besonderen "Neuzugang" konnte die Serie A in diesem Sommer auf Klub-Ebene begrüßen: Parma Calcio 1913 ist nach Jahren des Neuaufbaus zurück im italienischen Oberhaus. Ein toller Erfolg für den Verein, der nach 2015 als "Nachfolger" des Bankrott gegangenen FC Parma, der wiederum selbst einst 2004 aus der ehemals erfolgreichen AC Parma (Europapokal der Pokalsieger 1992/93, UEFA-Cup 1994/95 und 1998/99 mit Gianluigi Buffon) entstanden war, quasi von Grund auf neu beginnen musste.

Nach drei Aufstiegen in Folge dürfen sich die Schinken- und Parmesan-Städter also seit diesem Jahr endlich wieder mit den besten Teams im Lande messen. Ziel ist natürlich der Klassenerhalt - und diesen Plan verfolgt der Klub zielstrebig wie erfolgreich. Nach zwölf Spieltagen rangiert Parma mit starken 17 Punkten (nur fünf Niederlagen) im gesicherten Tabellenmittelfeld und hat in vielen Spielen mächtig Eindruck gemacht: 1:0 bei Inter Mailand, nur 1:2 gegen Meister Juventus oder jüngst ein 2:1 beim FC Turin.

Spielersteckbrief Gervinho
Gervinho

Yao Kouassi Gervais

Serie A - 13. Spieltag
FC Arsenal - Vereinsdaten
FC Arsenal

Gründungsdatum

01.05.1886

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Parma Calcio - Vereinsdaten
Parma Calcio

Gründungsdatum

27.07.1913

AS Rom - Vereinsdaten
AS Rom

Gründungsdatum

22.07.1927

Vereinsfarben

Gelb-Rot

Hebei China Fortune - Vereinsdaten
Hebei China Fortune

Gervinho "hat Italien vermisst"

Eng verknüpft ist der aktuelle Erfolg neben einem geschlossenen Mannschaftskern um Abwehr-Routinier Bruno Alves (36, 96 Länderspiele für Portugal und Europameister 2016) oder Angreifer Roberto Inglese (27, drei Tore in neun Spielen) auch mit einem Sommerneuzugang. Sein Name: Gervinho.

Der 31-jährige Profi von der Elfenbeinküste (72 Länderspiele) heuerte nach zwei Jahren in China bei Hebei China Fortune in der Universitätsstadt an - und damit nach vorherigen Stationen bei Lille, Arsenal und der AS Roma (71 Serie-A-Partien und 17 Tore zwischen 2013 und 2016) abermals in Europa.

Und damals wie heute verkörpert Gervinho hohe Offensivqualität: Mit seinen bekannten Dribblings in höchstem Tempo sorgt der Ivorer für den gewissen Überraschungsmoment - und sprüht nur so vor Tatendrang wie Spielwitz. Der Lohn: In bislang acht Serie-A-Partien für Parma kommt der Linksaußen auf vier Tore. Darunter ein absolutes Highlight: Beim 2:0 gegen Cagliari am 22. September eilte der Wirbelwind über 70 Meter an mehreren Gegenspielern vorbei, um die Kugel schließlich hart über den rechten Pfosten ins Netz zu ballern.

Dass ihm der Fußball in Italien gefällt, daraus macht Gervinho keinen Hehl. Wie er gegenüber dem "Corriere dello Sport" nun mitgeteilt hat, hat er in seiner Zeit in China das Land Italien "wirklich sehr vermisst": "Sobald ich wusste, dass ich zurückkehren konnte, habe ich allen anderen Angeboten abgesagt. Der italienische Fußball ist herausfordernd und technisch anspruchsvoll."

Gervinho über Colosseum und Carbonara

Gervinho

Früher in London bei Arsenal und in Rom für die Giallorossi unterwegs: Gervinho. imago

Die Sehnsucht sei ihm seit seinem Weggang von der Roma stets ein Begleiter gewesen: "Es war keine leichte Zeit, nachdem ich Rom verlassen hatte. Das ist schließlich eine der schönsten Städte der Welt - wenngleich ich das Colosseum nur einmal während meiner Zeit dort gesehen habe. Im Anschluss bin ich deswegen auch stets mit Radja Nainggolan (inzwischen bei Inter Mailand; Anm.d.Red.) in Kontakt geblieben und habe besonders das Restaurant La Locanda vermisst, dort gibt es die beste Carbonara."

Von sich selbst ist der Flügelflitzer derweil weiter überzeugt: "Ihr habt den besten Gervinho noch gar nicht gesehen, er wird noch kommen. Ich habe Vertrag bis 2021 und will diesen erfüllen wie respektieren. Ich fühle mich richtig wohl in Parma, bin glücklich."

Gervinho weint und isst

In einem weiteren aktuellen Interview, dieses Mal mit dem englischen "Guardian", legte der Offensivmann indes gegen seine Kritiker nach: "Die Leute haben gesagt, dass ich schon fertig wäre - auch aufgrund einiger Verletzungen. Sie dachten, ich würde nach China gehen, die Karriere ausklingen lassen und dafür abkassieren. Ich würde noch für ein paar Jahre auf Reise gehen. Doch sie alle lagen falsch. Ich habe mich nie gehen lassen, auch nicht in China. Dort verdient man sicherlich viel - ich hatte ein riesiges Gehalt -, doch man muss sich auch beweisen."

Wie eben jetzt in der Parmesan-Stadt Parma, von deren Vereinsprojekt ihn Sportdirektor Daniele Faggiano schnell überzeugt hatte: "Er verdient die Lorbeeren an meiner Verpflichtung. Ich bin der Stadt und dem Verein so von Anfang an verfallen", so der Afrika-Meister von 2015. Und wenngleich er findet, dass seine Zeit beim FC Arsenal (2011 bis 2013) "ohne Zweifel" den größten Einfluss gehabt habe ("Am Tag, als ich bei Arsenal unterschrieben habe, musste ich weinen"), so gewinnt er Italien einfach die größte Lebensqualität ab: "Wenn du ein italienisches Gericht isst, lächelst du über den gesamten restlichen Tag."

mag

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