Regionalliga

Taiwo Awoniyi freut sich über Wechsel zu Union

Nigerianer nach Leihe nun fest in Köpenick

Awoniyi über Wechsel zu Union: "Jürgen Klopp hat mir gesagt, es sei eine gute Sache"

Freut sich zurück in Berlin zu sein: Unions Taiwo Awoniyi.

Freut sich zurück in Berlin zu sein: Unions Taiwo Awoniyi. imago images/Matthias Koch

Einfach war’s wohl nie, nach Plan ist’s auch nicht gelaufen, aber jetzt, wo sich alles zum Guten entwickelt hat, zeigt sich, dass die Umwege auch manchen Vorteil gehabt haben dürften. "Wer sich meine Karriere anguckt, wird merken, dass ich jemand bin, der immer weitermacht. Komme, was wolle", sagte Taiwo Awoniyi.

Leihen zu sechs unterschiedlichen Klubs in den vergangenen sechs Jahren hat der Stürmer hinter sich, in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Bei Royal Excel Mouscron war er zweimal, damit sind es sogar sieben Stationen in sechs Jahren. Die waren lehrreich, aber am besten gefällt Awoniyi an den Wanderjahren, dass sie nun vorbei sind. "Ich bin", sagte Awoniyi am Dienstag im Trainingslager des 1. FC Union in Tirol, "sehr glücklich. Es ist, als ob ich nie weggewesen wäre."

Spielersteckbrief Awoniyi
Awoniyi

Awoniyi Taiwo

Trainersteckbrief Fischer
Fischer

Fischer Urs

1. FC Union Berlin - Vereinsdaten
1. FC Union Berlin

Gründungsdatum

20.01.1966

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Ich habe gesagt, die Leihe zu Union in der vergangenen Saison muss die letzte gewesen sein.

Taiwo Awoniyi

War er aber doch. Nach der abgelaufenen Saison kehrte der in der vergangenen Spielzeit vom FC Liverpool geliehene Nigerianer von Union zum Klub von Jürgen Klopp zurück. Eine Weiterverpflichtung des Stürmers hatte Unions Manager Oliver Ruhnert lange als unwahrscheinlich bezeichnet. Seit einer Woche aber ist Awoniyi, dessen Transfer über einen mittleren einstelligen Millionenbetrag Rekord für die Eisernen ist, zurück bei den Köpenickern. Nicht für immer, aber zumindest für längere Zeit. Und darum sei es immer gegangen, betonte Awoniyi: "Ich habe gesagt, die Leihe zu Union in der vergangenen Saison muss die letzte gewesen sein. Ich wollte eine dauerhafte Perspektive. Dass ich das erreicht habe, macht mich glücklich."

Festverpflichtung wirkt befreiend - Stürmer ist "Zuhause" 

Die Zufriedenheit darüber, dass er auf seiner "lange Reise", wie er formuliert, nun erst einmal an ein Ziel gelangt ist, ist ihm anzumerken. Auch bei seinem ersten Auftritt vor der Presse. In der vergangenen Saison wirkte er bei seinen Interviews zurückhaltend, fast schüchtern. Im Trainingslager in Längenfeld, das am Mittwoch endet, vermittelte er hingegen am Dienstag ein ganz anders Bild. Da war er fast in Plauderlaune, lachte, wirkte gelöst, befreit. Die vielen Leihen, das Hin und Her, die Ungewissheit, jedes Jahr eine neue Station, immer wieder alles auf Anfang, all das hat in den vergangenen Jahren offenbar mehr Spuren hinterlassen, als er zuvor öffentlich zugegeben hatte. "In der vergangenen Saison hatte ich nicht so viele Antworten parat, weil nicht klar war, was nach der Saison passiert. Ich gehörte Liverpool. Jetzt ist Union mein Zuhause. Jetzt kann ich sagen, was ich will. Das ist ein großer Unterschied", sagte Awoniyi.

2015 war er aus Nigeria zum FC Liverpool gekommen. Am Dienstag bekannte er, dass ihm vor sechs Jahren gar nicht klar gewesen sei, was genau ihn in Europa erwartet. "Um ehrlich zu sein: Ich habe nie gewusst, dass ich in England nicht spielen durfte", sagte der 23-Jährige, "ich wusste nie, wie das mit der Arbeitserlaubnis läuft." Weder Klub noch Berater hätten ihn darauf vorbereitet, und er, damals gerade 18 Jahre, hat wohl auch nicht gefragt – oder wusste gar nicht, dass er hätte fragen sollen. "Wenn du als junger Kerl aus Nigeria nach England gehst, dir deinen Traum erfüllst, weißt du nicht so viel darüber, wie der Profifußball läuft. Erst mit der Zeit habe ich kapiert, dass ich warten muss, um die Arbeitserlaubnis zu bekommen", sagte Awoniyi.

Ich wollte immer einen Verein finden, bei dem ich willkommen bin, bei dem ich fester Bestandteil der Mannschaft bin.

Taiwo Awoniyi

Die Ironie dieser Geschichte ist, dass er nach sechs Jahren Wartezeit vor einigen Wochen endlich die Arbeitserlaubnis für das Vereinigte Königreich bekam. Ziel erreicht, und doch nicht am Ziel. Der lukrative englische Markt stand ihm endlich offen, doch am Ende entschied sich der Mittelstürmer zur Rückkehr zu den Eisernen. "Eine ziemlich einfache, aber zugleich auch schwierige Entscheidung" sei das gewesen. "Normalerweise bekommen nur Nationalspieler eine Arbeitserlaubnis. Dass ich es geschafft habe, ohne Nationalspieler zu sein, mit harter Arbeit, darüber bin ich wirklich happy, darauf bin ich stolz. Diese Reise hätte nicht jeder überstanden", sagte Awoniyi, der seine Entscheidung pro Union mehrfach mit emotionalen Aspekten begründete. "Wenn ich in England geblieben wäre, wäre es auch gut für mich gewesen. Aber ich wollte immer einen Verein finden, bei dem ich willkommen bin, bei dem ich fester Bestandteil der Mannschaft bin, der mich wirklich wollte. Darum ging es bei meiner Entscheidung, zu Union zurückzukommen", sagte der Angreifer.

Verletzung bremste Nationalmannschaftsdebüt aus 

Awoniyi, der laut eigener Aussage im Frühjahr in die nigerianische Nationalmannschaft berufen worden wäre, hätte er sich im Februar nicht einen Muskelbündelriss zugezogen, nennt den FCU und Mouscron als die einzigen beiden Klubs in seiner komplizierten Karriere, in denen ihm dieses Gefühl vermittelt worden sei, Teil des Vereins zu sein, dazuzugehören, gefragt zu sein. Klopp, Teammanager des FC Liverpool, habe ihm übrigens zu seinem erneuten Wechsel zu Union gratuliert. "Er sagte, dass es eine gute Sache sei, weil er das Gefühl hatte, dass mich bei Union alle im Klub verpflichten wollten. Er hat gesagt, für einen jungen Spieler ist das das Wichtigste", erzählte Awoniyi.

Möglicherweise sieht er Klopp, Liverpool und die Insel irgendwann wieder. Von seinem Jugendtraum England hat er sich nämlich noch nicht verabschiedet. "Ich bin überzeugt, dass Union für mich im Moment der beste Schritt ist", sagte Awoniyi. Er sagte aber auch: "Vielleicht gehe ich eines Tages zurück nach England. Wer weiß."

Jan Reinold

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