3. Liga

Anfangs Sperre verkommt zum symbolischen Akt

Kommentar

Anfangs Sperre verkommt zum symbolischen Akt

Steht in der neuen Saison an Dresdens Seitenlinie: Markus Anfang.

Steht in der neuen Saison an Dresdens Seitenlinie: Markus Anfang. imago images/Nordphoto

Markus Anfang ist zurück als Cheftrainer im deutschen Profifußball. Keine sieben Monate, nachdem er seinen Posten bei Werder Bremen wegen seines gefälschten Impfpasses räumen musste. Und nicht mal fünf Monate nach seiner Sperre durch das DFB-Sportgericht. Das ging schnell - angesichts der Schwere des Vergehens inklusive der bekannten Begleitumstände zu schnell.

Längere Schamfrist wäre wünschenswert gewesen

Dabei soll gar nicht die Forderung nach einem drakonischen Berufsverbot erhoben werden. Aber eine längere Schamfrist hätte man sich schon wünschen dürfen. Die Sperre von Verbands wegen verkommt so jedenfalls zu einem letztlich nur symbolischen Akt ohne faktische Konsequenzen. Schließlich muss ein Trainer, der während einer Saison seinen Job verliert, in aller Regel ohnehin mindestens bis zum nächsten Sommer auf einen neuen Posten warten. Eine wirklich spürbare Strafe ist das also nicht.

Der Klub geht dennoch ein hohes Risiko ein

Dass Anfang nun praktisch nahtlos weitermachen darf, hat der inzwischen in den Ruhestand gegangene DFB-Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich als "gerechtfertigt" bezeichnet. Weil der Fußballlehrer geständig war, wurde seine einjährige Sperre ab 10. Juni zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings gab Anfang sein Vergehen erst zu, nachdem es sich ohnehin nicht mehr leugnen ließ. Und er zuvor Arbeitgeber wie Öffentlichkeit lange genug dreist belogen hatte. Diese richterliche Milde nun zu nutzen, lässt sich Anfang nicht vorwerfen. Und ebenso wenig den Verantwortlichen von Dynamo Dresden. Sie sind nicht diejenigen, die darüber zu befinden haben, welche Zwangspause für Anfang wirklich angemessen wäre.

Ein hohes Risiko für ihren Klub gehen sie gleichwohl ein. Anfang, so heißt es im DFB-Urteil schließlich auch, hat "in erheblichem Maße gegen die Vorbildfunktion als Trainer verstoßen". Ob er wirklich jetzt schon wieder die notwendige natürliche Autorität verkörpert, um erfolgreich zu arbeiten? Darüber werden letztlich vor allem die Dresdner Profis entscheiden. Kraft ihrer Bereitschaft, dem neuen Vorgesetzten mit aller Überzeugung zu folgen. Oder eben nicht.

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