DFB-Pokal

Rassismus-Vorwurf bei Schalke-Hertha: Torunarigha "wollte aufhören"

Schalke kündigt Aufarbeitung des Rassismus-Vorwurfs an

Torunarigha "hat geweint und wollte aufhören" - Schneiders klare Worte

Jordan Torunarigha (l.) mit Amine Harit. imago images

"Der Junge ist beleidigt worden", sagte Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann nach der 2:3-Niederlage nach Verlängerung: "Wir haben den Schiedsrichtern gesagt, dass sie ihn schützen müssen." Nationalspieler Niklas Stark sprach von "Affenlauten" und bestätigte: "Es gab rassistische Beleidigungen von der Tribüne. Jordan ist ein emotionaler Spieler. Wenn so etwas passiert, wäre ich wahrscheinlich auch ausgerastet. So was geht nicht. Das ist menschlich ganz abstoßend."

Zu den Vorfällen soll es in der zweiten Halbzeit gekommen sein. Nach Angaben der Berliner sei Schiedsrichter Harm Osmers von ihnen in der Verlängerung auf die Beleidigungen hingewiesen worden.

Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen! Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist kein Verhalten.

Hertha-Verteidiger Niklas Stark

"Es war ja kaum zu übersehen, nach dem Spiel und vor der Verlängerung, wie er da aussah und dass es ihn mitgenommen hat", wurde Stark später noch auf der Hertha-Website zitiert: "Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen! Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist kein Verhalten."

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider entschuldigte sich bei Torunarigha und fand ganz klare Worte. "Da gibt es null Toleranz. Mir fehlt jegliches Verständnis für Vollidioten dieser Art", sagte Schneider und kündigte an: "Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen."

Ich habe ihm Mut zugesprochen und gesagt, dass er weitermachen soll.

Schalke-Matchwinner Benito Raman

Schalkes Siegtorschütze Raman berichtete, Torunarigha habe "auf dem Platz geweint und wollte aufhören": "Ich habe ihm Mut zugesprochen und gesagt, dass er weitermachen soll." Weil der sichtlich aufgebrachte Hertha-Verteidiger nach einem Foul von Omar Mascarell am Spielfeldrand eine Getränkekiste auf den Boden warf, sah er in der Verlängerung die Gelb-Rote Karte (100.). Schalke-Trainer David Wagner, der ihn leicht festhielt, bekam nach Videobeweis die Rote Karte (102.). Nach eigener Aussage habe er Torunarigha aufhelfen wollen.

"Ich habe die Rufe nicht gehört, aber ich möchte mich im Namen von Schalke 04 entschuldigen, so was gehört sich nicht", sagte Wagner. Für die Zuschauer, die Torunarigha beleidigten, forderte er schnelle Konsequenzen: "In England wird derjenige sofort gepackt und dann raus", berichtete der Coach, der von 2015 bis 2019 Huddersfield Town trainierte.

Schalke kündigt ausführliche Prüfung und Konsequenzen an

Der FC Schalke bezog am Mittwochmorgen noch einmal offiziell Stellung zum Thema. Man nehme Torunarighas Aussagen sehr ernst: "Gemeinsam mit der Polizei Gelsenkirchen, dem Sicherheitsdienst und internen Quellen, wie bspw. der kürzlich eröffneten #stehtauf-Anlaufstelle, wird der Fall ausführlich geprüft", hieß es in einer Erklärung auf der Schalker Website.

"Von Seiten des Vereins gibt es null Toleranz für ein solches Verhalten. Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen", wurden die Vorstände des Vereins zitiert: "Ein solches Verhalten verstößt nicht nur gegen Stadionordnung, Leitbild und Satzung des FC Schalke 04, sondern widerspricht auch all unseren Werten. Wir werden mit Sanktionen reagieren und die Vorfälle auch entsprechend zur Anzeige bringen."

ski/dpa/sid

Bilder zur Partie FC Schalke 04 - Hertha BSC