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Live-Mitteilungen der Schiedsrichter: So läuft's in der NFL

Schiedsrichterwesen in Deutschland denkt über Änderungen nach

Live-Mitteilungen der Schiedsrichter: So läuft's in der NFL

Clete Blakeman ist Schiedsrichter in der NFL.

Hat das "Sagen" auf dem Football-Platz: Clete Blakeman ist Hauptschiedsrichter in der NFL. imago images

Gerade in diesen Wochen ist die NFL wieder überall angesagt, schließlich sind soeben erst die Halbfinals zu Ende gegangen und somit die Super-Bowl-Teilnehmer ermittelt worden. In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar steigt in Miami das große Finale zwischen den Kansas City Chiefs und den San Francisco 49ers um den deutschen Linebacker sowie Special-Teams-Profi Mark Nzeocha.

Was dem ein oder anderen Fan dabei aufgefallen sein dürfte. Der Videobeweis gehört im American Football dazu - und der Haupt-Referee einer jeden Partie teilt sogar live dem TV-Zuschauer vor dem Bildschirm genauso wie dem Publikum in den Stadien die Entscheidungen via Mikrofon mit. Eine Maßnahme, über die in diesen Tagen auch in Deutschland diskutiert wird. Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe regt das an, darüber hinaus hat Schiedsrichterboss Lutz Michael Fröhlich solche internen Gedankengänge bestätigt. "Das ist kein neuer Vorschlag, wir sehen das als Teil des künftigen Schiedsrichter-Leitbildes. Aber es muss konkreter werden, die Schiedsrichter müssen das ausreichend trainiert und praktiziert haben, bevor man es im Stadion einführt", so Fröhlich am Dienstag.

Erklärungen für die Zuschauer

Doch was kommunizieren die Referees in den USA eigentlich? Ganz einfach: Sie sehen sich zum Beispiel automatisch enge Entscheidungen nahe der Endzonen an, ob nicht eventuell ein Touchdown gegeben oder zurückgenommen werden muss. Außerdem teilen sie den Fans auch nach Aktivierung des Mikrofons mit, ob eine geworfene Challenge-Flagge eines Trainer (z.B. wegen eines neuen First Downs oder eines Vergehens eines Abwehrspielers an einem Passempfänger) Erfolg hat.

Die Schiedsrichter wählen dabei Worte wie: "After further review, the ruling on the field is confirmed" (Nach eingehender Überprüfung bleibt es bei der Entscheidung auf dem Feld). Oder: "After further review the ruling on the field is reversed" (Nach eingehender Überprüfung wird die Entscheidung auf dem Feld zurückgenommen). Es folgen meist noch nähergehende Erläuterungen, allzu viel gesprochen wird allerdings nicht. Das führt aber in jedem Fall dazu, dass TV-Zuschauer sowie das Publikum im Stadion die offizielle Entscheidung mitbekommen und kurz erklärt kriegen - auch wenn natürlich nicht immer alles richtig sein muss. Fälle rund um die New Orleans Saints lassen hier grüßen.

Nicht im Keller, sondern hoch droben in New York City

Ehe die Entscheidungen gefällt werden, nehmen die Referees in der NFL natürlich nicht mit einem Keller in Köln Kontakt auf. Sondern mit New York, wo sich in einem Wolkenkratzer mitten im Big Apple im "Art McNally GameDay Central" das Hauptquartier des Schiedsrichterwesens befindet - und zwar unter der Leitung von Präsident Alberto Riveron.

Laut "ESPN"-Analyst John Parry, der im vergangenen Frühjahr nach 19 Jahren als NFL-Referee in den Ruhestand ging, machen sie alle dabei einen guten Job. Parry glaubt, dass "vielleicht 50 Fehlentscheidungen in einer ganzen Saison" die Debatte bestimmten - bei weit über 30.000 Spielzügen innerhalb einer gesamten Spielzeit.

"Je größer der Druck, desto undankbarer wird der Job"

Was natürlich nichts daran ändert, dass auch in den Vereinigten Staaten wie zum Beispiel auch in Deutschland stets fleißig über vermeintliche Fehler wie auch Verbesserungschancen diskutiert wird. Der frühere Profi und inzwischen als Experte, Podcaster oder auch Komiker tätige Pat McAfee (zwischen 2009 und 2016 bei den Indianapolis Colts) meint etwa in Bezug auf die erst vor dieser Saison eingeführte Möglichkeit, Passbehinderungen zum Beispiel mit einer Challenge-Flagge überprüfbar zu machen: "Al Riveron war und ist ein Gegner davon, dass Passbehinderung überhaupt überprüfbar ist. Er betrachtet das Ganze als Angriff auf die Entscheidungsgewalt der Schiedsrichter. Wir haben die Kameras, aber er will sie nicht nutzen."

Sarah Thomas ist Schiedsrichterin in der NFL.

Mittendrin: Sarah Thomas ist seit 2015 Teil des NFL-Schiedsrichterwesens und die erste NFL-Schiedsrichterin. Getty Images

Laut ESPN-Analyse Parry ruht das Problem aber tiefer: "Die Liga muss Geld und Ressourcen bereitstellen für die Schiedsrichter, das Training und die Rekrutierung." Es gebe landesweit einfach keine festen Regeln, wie ein etwa guter College-Schiedsrichter den Weg in die NFL meistern kann. Meist geschieht das über Scouts, die dann Einladungen aussprechen.

Mit der Liga an sich hatten sich die obersten Profi-Schiedsrichter außerdem schon einmal angelegt: 2012 erstreikten die rund 120 NFL-Schiedsrichter, unter denen auch seit 2015 mit Sarah Thomas die erste weibliche Schiedsrichterin mitmischt, höhere Gehälter - und seitdem erhalten Top-Referees bis zu 200.000 US-Dollar. Weil aber auch Medien-Giganten wie "Fox Sports", "ESPN" oder "CBS Sports" Aktive aktiv als Experten abwerben wollen, gilt das Profi-Referee-Wesen als kritisch. Der "Spiegel" schreibt dazu: "Viele Beobachter sprechen bereits von einer Krise. Je größer der Druck, desto undankbarer wird der Job - und damit offenbar auch die Verlockung, mit Analysen im Nachhinein deutlich ruhiger zu leben und auch noch mehr Geld zu verdienen."

Während in der Bundesliga ein Spiel von einem Hauptschiedsrichter, seinen beiden Assistenten, einem Vierten Offiziellen sowie dem Video-Assistenten mitsamt seiner Crew an Technikern im Kölner Keller betreut wird, sind in den USA an einem Football-Spiel mehr Personen beteiligt. In einer NFL-Partie sind auf dem Platz bereits sieben Referees am Werk: Referee, Umpire, Head Linesman, Line Judge, Field Judge, Back Judge, Side Judge. Dazu kommen dann eben noch die Video-Assistenten in New York.

mag

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