Green Bay Packers surfen weiter auf der Euphoriewelle

"Das hört sich schon gut an": Rodgers übertrifft sich selbst

Aaron Rodgers

Ein gefeiterer Mann in Green Bay und der NFL: Aaron Rodgers. imago images

Während das Passspiel der 100-jährigen Green Bay Packers zu Beginn der Saison noch eher überschaubar gewesen war, sorgten gerade die Auftritte von Star-Quarterback Aaron Rodgers gegen die Philadelphia Eagles (27:34, 422 Yards, zwei Touchdowns, eine Interception) und gegen die Detroit Lions (23:22, 283 Yards, zwei TDs, eine Int.) für Aufhellung. In diesen Spielen deutete der "Gunslinger" wieder an, was auch im Alter von 35 Jahren noch in ihm steckt - und warum er als einer der talentiertesten Spieler auf dieser Position gilt.

An diesem Sonntag beim 42:24 gegen die Oakland Raiders folgte dann nicht nur Rodgers' Top-Leistung in dieser Regular Season, sondern auch noch das statistisch erfolgreichste Spiel seiner Karriere. Die Zahlen dazu: 25 von 31 Zuspiele angebracht, 429 Yards Passing, fünf Touchdown-Pässe, keine Interception, kein Fumble und dazu noch ein Touchdown-Rush über sechs Yards. Machte zusammen sechs Scoring Plays und das perfekte Passer Rating von 158,3 (Erklärung mit Beispiel siehe unten). Mehr geht nicht.

Seine famose Leistung, mit der er auch noch als schnellster Spielmacher der NFL-Historie die Marke von 350 Touchdowns erreicht hatte (in 172 Spielen, Saints-Star Drew Brees hat das Kunstwerk in 180 Partien geschafft), kommentierte "A-Rod" selbst im Anschluss wie folgt: "Ich weiß zwar nicht, wie dieses Rating ermittelt wird, aber gut hört sich das schon an." Das fand auch sein Trainer Matt LaFleur, der im Anschluss an diese fabelhafte Leistung in der Umkleidekabine vor dem gesamten Team das Wort ergriff, zur Sicherheit die Statistik von Rodgers von einem Zettel ablas und seinem Quarterback huldigte - nicht ohne eine nett gemeinte Nickeligkeit: "Hört mal alle her: Zum ersten Mal in der Geschichte der Packers hat ein Mann das Perfect Passer Rating erreicht. Dabei ist der alte Mann sogar selbst zu einem Touchdown gerannt." Im Anschluss eilten sämtliche Mitspieler auf Rodgers zu, der natürlich als Ehre den Game Ball überreicht bekam, umarmten und feierten ihn.

"The Pack": Ein Kandidat für ganz oben?

Zweimal war Rodgers bereits MVP der Liga (2011, 2014), gewann außerdem einmal den Super Bowl (31:25 gegen Pittsburgh), erreichte schon zum 22. Mal in seiner Karriere mindestens vier TD-Pässe in einem Spiel - und verpasste zuletzt zum ersten Mal in seiner Karriere zweimal in Folge die Play-offs. In dieser Gala-Form aber dürfte der Nachfolger von Green-Bay-Legende Brett Favre erneut ein heißer Kandidat für die Auszeichnung als wertvollster Spieler der NFL sein. Und die Packers im Allgemeinen auch dank einer starken Abwehr und einem starken Laufspiel ein Anwärter für den Super Bowl.

Bakhtiari: "Aaron ist Aaron da draußen auf dem Feld"

Das findet auch Center Corey Linsley, der Rodgers seit sechs Spielzeiten live zusehen darf und gegenüber "ESPN" sagt: "Dieser Typ ist unfassbar talentiert. Er ist ein Großer. Er ist Perfektionist. Wir freuen uns alle mit ihm. Aber mal ganz ehrlich: Das ist nichts Ungewöhnliches. Das wirkt fast so wie ein stinknormaler Tag im Büro für Aaron." Left Tackle David Bakhtiari, seit sieben Jahren bei den Käsestädtern dabei, springt mit ein: "Aaron ist Aaron da draußen auf dem Feld."

Aaron Rodgers

Aushängeschild von "The Pack": Aaron Rodgers. imago images

Right Guard Billy Turner, erst seit dieser Saison Teil der Packers und früherer Beschützer von Spielmachern wie Ryan Tannehill, Trevor Siemian, Paxton Lynch, Brock Osweiler und Case Keenum, ist dagegen offenbar noch nicht ans Potenzial von Rodgers gewöhnt: "Wenn du ins Huddle mit einem Quarterback gehst, der mit dem Ball komplett selbstbewusst ist, dann fühlt sich das schon anders an." Rookie Elgton Jenkins (Left Guard) geht sogar noch weiter: "So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich glaube wirklich nicht, dass ich schon einmal einen Quarterback so scheinbar locker für über 400 Yards und fünf Touchdowns werfen habe sehen. Das ist für mich wie ein Segen, dieses Kaliber an QB zu haben."

Wie wird das Passer Rating ermittelt?
In der NFL wird das Quarterback Rating seit 1973 erfasst, der bestmögliche Wert ist 158,3 - der schlechteste 0. Gerechnet wird dabei mit einer komplizierten Formel, die sich aus den vier Variablen a, b, c und d zusammensetzt: Der Prozentsatz der erfolgreich an den Receiver gebrachten Pässe (Completion Percentage), die gewonnenen Yards pro Passversuch (Yards per Attempt), die Touchdowns pro Passversuch (Touchdowns per Attempt) und die Interceptions pro Passversuch (Interceptions per Attempt). Die Einzelwerte werden nach ihrer Berechnung auf mindestens 0 und höchstens 2,375 begrenzt. Am Ende werden die kompliziert ermittelten Variablen miteinander addiert, durch 6 dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert. Das Ergebnis dieser Berechnung ist das Passer Rating.

In Rodgers' Beispiel sieht das wie folgt aus:
Completion Percentage ist a: (80,645161 Prozent angebrachte Pässe minus 30) * 0,05 = 2,53225805 = 2,375 (Obergrenze)
Yards per Attempt ist b: (13,838709 Yards pro Wurf minus 3) * 0,25 = 2,709677 = 2,375 (Obergrenze)
Touchdowns per Attempt ist c: 16,129032 Touchdown-Prozentquote pro Wurf * 0,2 = 3,22580 = 2,375 (Obergrenze)
Interceptions per Attempt ist d: 2,375 minus (0 Interception-Prozentquote pro Wurf * 0,25) = 2,375 (Obergrenze)
(a + b + c + d) geteilt durch 6 = 1,58333 mal 100 = 158,3

mag

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