Wie der Ex-Dortmunder um Einsätze kämpft

Pulisics Fehlstart bei Chelsea: "Schwerer als in Deutschland"

Christian Pulisic

Frank Lampard setzt meist auf andere: Christian Pulisic. picture alliance

So ungefähr dürften es sich die Fans vorgestellt haben, als ihr Klub im Januar verkündete, dass Christian Pulisic ab dem Sommer für Chelsea spielen würde: eine Ballannahme vor dem Sechzehner mit dem Rücken zum Tor, ein flinker Haken um ein Abwehrbein und ein blitzschneller, perfekter Steilpass auf Michy Batshuayi, der am Fünfmeterraum vollstreckt.

Nur war dieses Tor am Sonntag in Southampton das 4:1 in der 89. Minute und Pulisic erst in der 80. Minute eingewechselt worden - sein erster Premier-League-Einsatz seit Ende August. Der seit kurzem 21-jährige US-Amerikaner tut sich überraschend schwer, seinen Platz beim FC Chelsea zu finden, der für ihn satte 64 Millionen Euro ausgegeben hat.

Im Champions-League-Spiel in Lille erreichte Pulisic den Tiefpunkt

Dabei waren die Voraussetzungen doch eigentlich wie gemalt: Eden Hazard machte mit seinem Wechsel nach Madrid einen Platz in der Startelf frei, den Blues waren wegen der Transfersperre die Hände gebunden, und mit Frank Lampard kam ein Trainer, der bereitwillig auf den Nachwuchs setzt.

Trotzdem liest sich Pulisics Bilanz seit seinem Abschied von Borussia Dortmund so: drei Startelfeinsätze in der Liga (kein Sieg), der letzte am 31. August; zweimal eingewechselt, dreimal nicht einmal das. Im gesamten September durfte er nur im Ligapokal spielen (eine Vorlage beim 7:1 gegen Viertligist Grimsby). Und als er es zuletzt in der Champions League beim 2:1-Sieg in Lille gar nicht erst in den Kader schaffte, war der Tiefpunkt erreicht.

Der Boulevard unkt schon - Pulisic "kann es nicht komplett ignorieren"

Während Lampard ihm empfahl, zu arbeiten und sich für Einsätze zu empfehlen, wollten Teile der "Yellow Press" bereits erfahren haben, dass Pulisic (Vertrag bis 2024) an Abschied denke. "Man kann das nicht komplett ignorieren", wird Pulisic nach dem 4:1 in Southampton in englischen Medien zitiert. "Ich lebe nicht hinterm Mond. Ich höre und sehe das, aber ich gebe mein Bestes, um es auszublenden."

Er werde "nicht einfach aufgeben", betont er. "Wenn ich auf der Bank sitze, heißt das ja nicht, dass der Trainer denkt, ich sei kein Teil der Mannschaft. Es zeigt einfach nur, wo ich gerade stehe. Ich werde weiter Gas geben." In "jedem Spiel" wolle er von Beginn an spielen. "Dafür arbeite ich hart im Training. Ich will das, und das kann hoffentlich jeder sehen."

Hudson-Odois starkes Comeback macht es für Pulisic noch schwerer

Pulisics Problem: Seit er nicht mehr erste Wahl ist, läuft es bei Chelsea. Der 20-jährige Mason Mount (vier Tore) hat sich im Mittelfeld festgespielt, auf den erfahrenen Willian (31, ein Tor, eine Vorlage) will Lampard nicht verzichten, und jetzt scheint sich auch noch Callum Hudson-Odoi festzuspielen: Das 18-jährige Toptalent hat sich nach Achillessehnenriss und Vertragsverlängerung bärenstark zurückgemeldet und wird kaum noch zu verdrängen sein.

Lampard wirbt um Geduld. "Er ist gerade erst 21 geworden und spielt in einem neuen Land und einer neuen Liga." Pulisic, 2015 aus den USA zum BVB gekommen, räumt selbst ein, dass ihm die Integration "kulturell leichter als in Deutschland" gefallen sei, "fußballerisch aber schwerer". Die hohe Ablösesumme belaste ihn indes nach wie vor nicht, "sie bedeutet mir nichts".

Der Assist am Sonntag, sein insgesamt dritter für Chelsea, gibt ihm aber neue Hoffnung. "Ich weiß es", sagt Pulisic vor der anstehenden Länderspielreise mit den USA: "Meine Zeit wird kommen."

Jörn Petersen

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